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Fritz Wepper : Der Volksschauspieler

  • -Aktualisiert am

Fritz Wepper am Set zum Fernsehfilm „Lindburgs Fall” Bild: Christoph Busse, F.A.Z.

Von Derricks Helferlein zum Quotenkönig: Mit fast 70 Jahren blickt Fritz Wepper zurück auf die Freuden eines Fernsehstars und die Leiden eines Lebemannes. Er hat nichts zu bereuen.

          8 Min.

          Wo ist Fritz Wepper? Die Filmcrew wartet drehbereit im Schloss, im Garten steht ein leerer Klappstuhl, auf dessen Stofflehne mit goldenen Lettern sein Name gedruckt ist. Es ist still, nur der eisige Wind ist zu hören, wie er durch Sachsens Wälder pfeift. Ein Auto nähert sich und parkt vor dem Anwesen. Wepper steigt auf der Beifahrerseite aus, im Gesicht immer noch der Schrecken, im Arm ein Hund. „Auf einmal ist er wie wild aufgesprungen und den Rehen nachgelaufen“, sagt Wepper, der Aron wieder einfangen wollte, bevor der Deutsch Drahthaar noch auf die Straße läuft. Ob er das Tier geschimpft habe, fragt ein Schauspielkollege. Ja, antwortet Wepper, „Pfui“ habe er gesagt. Nein, böse sein kann er ihm nicht.

          Wepper wird demnächst 70 Jahre alt, der Film ist ein Geburtstagsgeschenk. In „Lindburgs Fall“ spielt er einen Schauspieler, der seit Jahrzehnten als Fernsehkommissar reüssiert. Der hat einen Assistenten, der sich regelmäßig den Satz „Conny, hier stimmt was nicht“ anhören muss. Kurz: Wepper muss nicht mehr sich selbst und gleichzeitig Inspektor Harry „Hol schon mal den Wagen“ Klein spielen, sondern darf endlich in die Chefrolle des Horst Tappert alias Stephan Derrick schlüpfen. Sein halbes Leben, 35 Jahre lang, spielte und vertonte Fritz Wepper den Harry, und so ist eine augenzwinkernde „Derrick“-Anspielung als Alterswerk nicht unanständig. Sein anderes halbes Leben aber hätte mehr verdient.

          Mit Neun zum ersten Mal ins Prinzregententheater

          Weppers Vita beginnt am 17. August 1941 auf dem Weg in die Klinik. Im Krankenwagen, auf Höhe des dritten Baumes in der Mailingerstraße in München, kommt er zur Welt. Der Krieg ist seine erste Erinnerung: Ein Flieger dröhnt über dem Haus. Seine Mutter holt das Kleinkind von der Nähmaschine herunter und bringt es in Sicherheit. Sein Onkel hisst die weiße Fahne. Sein Vater ist da schon an der Front im Osten. Die nächste Erinnerung: „Hershey-Schokolade und Chewing Gum“, erzählt Wepper beim Gespräch nach Drehschluss in seinem Leipziger Hotel. Der Krieg ist vorbei. Sein Vater ist nicht zurückgekommen.

          Kann schon mal den Beginn der Dreharbeiten verzögern: Hund Aron
          Kann schon mal den Beginn der Dreharbeiten verzögern: Hund Aron : Bild: dpa

          Mit neun Jahren darf Wepper zum ersten Mal ins Prinzregententheater. Erst imponiert ihm der purpurrote Vorhang, später das ganze Milieu. Mit elf spielt der rothaarige Junge (“Pippi Langstrumpf war blond gegen mich“) das „Glöckchen“ in einer Aufführung des „Peter Pan“. Mit Bruder Elmar, damals sieben Jahre alt, geht er zweimal die Woche ins Münchner Aki-Kino, um in der Wochenschau in den Bildern mit den Kriegsheimkehrern den Vater zu suchen. Sie entdecken ihn nicht.

          „Was gäbe ich darum, wenn ich mich an ihn erinnern könnte“, sagt Wepper und steht auf, um kurz nach seinem Hund im Hotelzimmer zu sehen. Zwei Hüftoperationen nach einem Autounfall haben Fritz Weppers Gang etwas steif werden lassen. Er ist nicht groß, in der Lobby geht er zwischen den anderen Gästen schnell unter. Er trägt einen Kapuzenpulli mit einem riesigen Tigerkopf auf dem Rücken. Er wirkt damit gemütvoll, wie eine Figur aus seinen harmlosen Komödien, wie ein Alter, der sich als Junger verkleidet, den man lustig oder albern finden kann, aber keinesfalls lächerlich.

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