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Freizeitverhalten : Deutsche bleiben gerne zu Hause

Stubenhocker-Alarm: Für die meisten Deutschen werden außerhäusliche Aktivitäten immer mehr zur Seltenheit Bild: dpa

Ihre Freizeit verbringen die Deutschen am liebsten in den eigenen vier Wänden. Nach einer neuen Studie kommen sie aber immer seltener dazu. Besonders stark geschrumpft ist die Freizeit von Jugendlichen.

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          Der gemeine Deutsche ist offenbar ein Stubenhocker. „Die meisten bleiben am Feierabend zu Hause, lassen sich unterhalten oder berieseln, ruhen sich aus oder pflegen ihre Kontakte am Telefon und online“, sagt Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, die am Donnerstag ihren diesjährigen Freizeit-Monitor vorstellte. „Außerhäusliche Aktivitäten“, so meint er, „finden deutlich seltener statt und sind eher das Freizeit-Highlight am Wochenende.“

          Andreas Nefzger

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die beliebtesten regelmäßigen, also mindestens einmal in der Woche ausgeübten Freizeitbeschäftigungen sind Fernsehen (96 Prozent), Telefonieren und Radio hören (je 88 Prozent), Zeitung oder Zeitschrift lesen (75 Prozent) und den eigenen Gedanken nachgehen (71 Prozent). Für das alles bleibt den Deutschen aber immer weniger Zeit. Hatten die Befragten im Jahr 2010 noch vier Stunden und drei Minuten Freizeit, sind es mittlerweile drei Stunden und 49 Minuten. Besonders stark geschrumpft, nämlich um mehr als eine dreiviertel Stunde, ist die Freizeit von Jugendlichen. „Die Einführung des Abiturs nach zwölf Schuljahren und mehr Ganztagsschulen tragen sicherlich zu einem erheblichen Teil dazu bei, dass sich die Freizeit von Vierzehn- bis Siebzehnjährigen stark reduziert hat“, sagt Reinhardt. „Daneben führt aber auch die steigende Anzahl von (Pflicht-)Terminen, der Druck, online aktiv sein zu müssen, oder der Wunsch vieler Eltern nach sinnvollen Tätigkeiten des Nachwuchses zu weniger freier Zeit bei Kindern und Jugendlichen.“

          Viele Veränderungen im Laufe der Zeit

          Der gesellschaftliche Wandel zeigt sich nicht nur in der Freizeit-Dauer, sondern auch darin, wie diese gefüllt wird. Im Vergleich zu 2007 seltener als regelmäßige Beschäftigung angegeben wurden Kaffeetrinken und Kuchen essen, Spazierengehen, Auto- und Motorradfahren, einen Einkaufsbummel machen und zum Plaudern mit den Nachbarn treffen. Immer mehr schreiben dagegen regelmäßig Mails, pflegen sich in Ruhe, sitzen vor dem Computer, faulenzen oder surfen im Internet. Noch deutlicher wird der Wandel, wenn man den Blick weiter zurückwirft. 1957 las man in seiner Freizeit am liebsten Zeitung oder Zeitschrift, arbeitete im Garten und ging einkaufen. 1963 besuchte man Konzerte oder andere Veranstaltungen, ruhte und schlief sich aus und machte Besuche. 1975 waren es „Zeitung und Zeitschrift lesen“, „Radio hören“ und „Fernsehen“.

          Die aktuellen Zahlen indes belegen manch ein Geschlechterklischee, das älter ist als die Erhebungen der BAT-Stiftung. So lesen Frauen weit häufiger Bücher (45 statt 25 Prozent), nehmen sich mehr Zeit, um sich in Ruhe zu pflegen (67 statt 56 Prozent), telefonieren häufiger (92 statt 84 Prozent) und gehen mehr shoppen (15 statt 8 Prozent). Männer dagegen verbringen ihre freie Zeit dreimal so oft mit Heimwerken (26 statt neun Prozent), bei Sportveranstaltungen (16 statt fünf Prozent) und in der Kneipe (17 statt fünf Prozent). Zudem beschäftigen sich zwei Drittel der Männer regelmäßig mit dem Computer, bei den Frauen sind es 50 Prozent.

          Unterschiede zwischen Jung und Alt

          Große Abweichungen beim Freizeitverhalten zeigen sich zwischen den Generationen. So telefonieren Befragte unter 30 Jahren dreimal mehr mit dem Handy und treiben dreimal mehr Sport als Ruheständler. Außerdem nutzen die Jungen den Computer viermal, das Internet sogar fünfmal häufiger. Im Gegensatz dazu unternehmen die Älteren doppelt so oft einen Spaziergang oder plaudern mit den Nachbarn, fünfmal mehr sind sie im Garten aktiv, und auch beim Buch- und Zeitunglesen sowie beim Faulenzen liegen die Ruheständler vorn.

          Neben dem Alter scheidet sich das Freizeitverhalten offenbar auch an der früheren innerdeutschen Grenze. Westdeutsche treiben mehr Sport als Ostdeutsche (37 statt 25 Prozent), treffen sich öfter mit Freunden (25 statt 15 Prozent) und gehen rund doppelt so oft in die Kirche (zehn statt vier Prozent) oder zum Stammtisch (acht statt vier Prozent). Ostdeutsche hingegen beschäftigen sich häufiger im Garten (40 statt 34 Prozent) und heimwerken mehr (22 statt 16 Prozent). Auch halten sie öfter einen Mittagsschlaf und nehmen sich mehr Zeit für Kaffee und Kuchen am Nachmittag.

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