https://www.faz.net/-gum-p81c

Freizeitpark : Das Bremer Space Center steht vor dem Aus

  • Aktualisiert am

Geöffnet nur noch bis Ende Oktober Bild: AP

Es sollte ein Publikumsmagnet und eine Jobmaschine werden. Doch ein halbes Jahr nach der Eröffnung stehen der Raumfahrt-Erlebnispark und das noch immer leer stehende Einkaufszentrum in Bremen vor der Pleite.

          Sechs Monate nach seiner Eröffnung steht das Bremer Space Center wegen mangelnden Besucherzuspruchs bereits wieder vor dem Aus. Der Bremer Senat ist nicht bereit, weitere Mittel in den defizitären Raumfahrt-Vergnügungspark zu stecken. Ziel sei aber, ihn mit einem neuen Konzept weiterzuführen, in das auch das angrenzende, noch immer leer stehende Einkaufszentrum eingeschlossen werden soll.

          Das Space Center war mit etwa 170 Millionen Euro Landeszuschüssen für Infrastruktur errichtet worden. Es war immer wieder von den negativen Schlagzeilen des angegliederten Space Parks getroffen worden: Das Einkaufszentrum mit 44.000 Quadratmetern war Voraussetzung für die angepeilte Besucherzahl von 1,4 Millionen Besuchern im Jahr. Doch die Shoppingmeile steht seit ihrer Eröffnung leer, weil sich keine Mieter fanden.

          Noch geöffnet bis Ende Oktober

          Die Dresdner Bank will sich offenbar aus dem Projekt insgesamt zurückziehen. Wann die bisherige Betreiberfirma, das amerikanische Unternehmen Pro Fun, den Park genau schließt, ist noch offen. Dies sei zurzeit in der Diskussion, sagte der Erfinder des Parks und dessen Sprecher, Wolfgang Wilke. Am Montag hatte die Senatskanzlei die Schließung bis spätestens Ende Oktober angekündigt. 300 Mitarbeiter warten jetzt auf ihre Kündigung. Mit einem „geordneten Rückzug“ soll die Tür für einen Neustart mit neuen Investoren offen bleiben.

          Am Entertainment-Konzept habe es nicht gelegen, erklärt der Center-Manager Wolfgang Wilke die Gründe des Scheiterns: „Man hat unseren Betriebsmittelkredit von 10 Millionen Euro wieder eingestampft und uns damit den Teppich unter den Füßen weggezogen“, kritisiert er den Bremer Senat und den Hauptinvestor des Space Parks, die Dresdner Bank.

          Weder Besuchermagnet noch Jobmaschine

          Zwölf Jahre hat Wilke gegen viele Widerstände in Bremen für das Projekt gekämpft, das als Besuchermagnet und Jobmaschine in der Hansestadt wirken sollte. Die Hoffnung aufgeben will er jedenfalls nicht. Erwogen werde etwa eine Wiedereröffnung im nächsten Jahr als Saisonbetrieb von März bis Oktober.

          Die Gesamtinvestitionen für das Projekt werden mit 520 Millionen Euro beziffert. Etwa 300 Millionen Euro entfallen auf die Immobilie sowie 70 Millionen auf die Ausstattung des Space Centers. 150 Millionen investierte die Stadt Bremen in die Vorbereitung des früheren Werftgeländes für die neue Nutzung und die Infrastruktur.

          Streit im Bremer Senat

          Bürgermeister Scherf, der sich derzeit im Urlaub befindet, ist noch nicht über die bevorstehende Schließung informiert. Zusammen mit dem vor kurzem aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Wirtschaftssenator Hartmut Perschau (CDU) hatte Scherf vor der Bürgerschaftswahl 2003 das Vorhaben trotz massiver Kritik der Grünen als wichtiges Zukunftsprojekt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze verteidigt. Für die Grünen als einziger Oppositionsfraktion in der Bremischen Bürgerschaft trägt Scherf die "politische Verantwortung" für die nun entstandene Lage. "Das Projekt zeigt die gigantomanische Wirtschaftspolitik der großen Koalition", kritisierte die grüne Fraktionsvorsitzende Karoline Linnert. Es sei jedoch "in Ordnung, daß sich der Senat nun dazu entschlossen hat, keine weiteren Gelder mehr fließen zu lassen". Der nun vereinbarte Weg, weiter nach Investoren und neuen Nutzungsmöglichkeiten zu suchen, sei "alternativlos". Ein Abriß des riesigen Gebäudes sei zu kostspielig.

          Auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion hofft weiter auf eine Fortführung des Projekts durch Bremer Investoren. Die bisherigen Verhandlungen seien bisher von allen Beteiligten positiv begleitet worden, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Kastendiek. Auch der Bremer SPD-Vorsitzende Carsten Sieling glaubt nicht an das endgültige Aus für den "Space Park". Die Dresdner Bank werde schon aus rechtlichen Gründen an dem Projekt festhalten, da sonst die Rückzahlung öffentlicher Zuschüsse drohe. Als Grund für das bisherige Scheitern des Vorhabens nannte Sieling die "völlige Fehleinschätzung des Marktes" Mitte der neunziger Jahre. "Statt eines Einkaufscenters mit Rakete haben wir nun eine Rakete ohne Einkaufscenter."

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Pläne der Senderführung beim HR sind ein Misstrauensvotum gegen die eigenen Mitarbeiter.

          Kurs des Hessischen Rundfunks : Weniger Kultur wagen?

          Beim Hessischen Rundfunk soll das Radio-Kulturprogramm hr2 nach dem Willen der Senderführung verschwinden. Die Argumentation für diesen Schritt ist typisch. Sie zeugt von Verachtung – für die Kultur, die Mitarbeiter und die Beitragszahler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.