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Gespräch mit Modell-Bauer : „Seehofers Modellbahn ist richtig gut gebaut“

  • -Aktualisiert am

Frederik Braun ist Gründer des Miniatur Wunderlandes, der größten Modelleisenbahn der Welt. Natürlich hat er verfolgt, wie Horst Seehofer erstmals seine Modelleisenbahn vorgeführt hat.

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          Herr Braun, seit einem ARD-Beitrag vom Dienstagabend kennt Deutschland endlich Horst Seehofers Modellbahnanlage, eine mehr als 20 Quadratmeter große Märklin-Welt im Maßstab 1:87, auf einer solide gezimmerten Holzkonstruktion aufbauend. Als Sie im Jahr 2000 die Idee zum Miniatur-Wunderland hatten, baute Horst Seehofer gerade seit fünf Jahren an seiner Anlage. Sehen Sie auf den ersten Blick Parallelen in der verwendeten Technik?

          Da fällt zunächst die durchgehende Ausstattung mit Märklin-Dreileitergleis bei Herrn Seehofer auf. Dieses System verwenden wir auch für unsere Hauptbahnen. Die Nebenbahnen dagegen sind im Miniatur-Wunderland eher mit Zweileiter-Gleis ausgeführt. Auch die durchgehend digitale Steuerung der Anlage über einen Computer mit spezieller Software hat durchaus Anspruch, soweit man das im Beitrag sehen konnte.

          Was auffällt, ist die karge Anmutung der Anlage. Die Landschaft ist nur angedeutet und nicht durchgestaltet. Die wenigen Bäume, Gebäude und Fahrzeuge wirken mehr wie Symbole. Das unterscheidet sich doch sehr von Ihren detaillierten Szenerien mit tausenden Figuren?

          Ja, die Anlage des bayerischen Ministerpräsidenten ist reduziert, hat einen klaren Fokus auf den Betrieb. Dafür sieht man aber auch, dass Herr Seehofer offenbar richtig gut gebaut hat. Das gilt beispielsweise für das Raster aus Holzbrettern, aus denen die Basis der Anlage besteht. So ähnlich ist auch das Fundament unserer Landschaften im Wunderland konstruiert – allerdings aus dickerem Holz, mit geringeren Abständen und teils noch mit Stahlkonstruktionen verstärkt. Auch werden Trassen bei uns nicht auf Stelzen, sondern durch massive Spanten geführt.

          Frederik Braun (links), 48 Jahre alt, gründete zusammen mit seinem Bruder Gerrit das Miniatur-Wunderland in Hamburg, die größte H0-Modellbahnanlage der Welt. Wenn im September 2016 die Abteilung „Italien“ des Wunderlandes in der Speicherstadt eröffnet, misst die Anlage fast 1500 Quadratmeter.

          Wie passt die bunte Mischung des Rollmaterials auf der Anlage des Ministerpräsidenten zum Anspruch vieler Modellbahner, die akribisch auf Vorbildtreue achten und präzise zwischen den Epochen trennen? In der Reportage begegnen sich auf Herrn Seehofers Anlage ja ICE, Schienenbus und Dampflok, aber auch ein Lokalbahn-Zug im Bayern-Look und ein Diesel-Gigant aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Entscheidend ist offenbar, dass Weltenbauer Seehofer einen biografischen oder regionalen Bezug zum jeweiligen Fahrzeug findet.

          Bunte Mischungen verschiedener Fahrzeuge gibt es auch bei uns. Aber in dieser Hinsicht sind wir vielleicht auch keine klassische Modellbahn, sondern eher eine Wunderwelt, in der vieles nebeneinander passiert. Andererseits gibt es erstens keine Regel, dass sich Modellbahner streng an eine Epochenregel halten müssen, und zweitens könnten ältere Fahrzeuge ja durchaus Museumsloks sein – die gibt es ja auch in der Wirklichkeit. Worauf wir achten, sind in sich schlüssige und weitgehend authentische Zugkompositionen. Schließlich haben wir täglich knapp 1000 Modelleisenbahner unter unseren Gästen.

          War Horst Seehofer auch schon einmal bei Ihnen zu Gast?

          Leider noch nicht, dabei haben wir ihn schon mehrmals eingeladen.

          Gibt es überhaupt eine Schnittstelle zwischen Politik und Modellbahn? In Herrn Seehofers H0-Welt stehen immerhin eine Playmobil-Kanzlerin und ein Kunststoff-Vizekanzler am Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs, nicht ganz maßstabsgerecht, aber mit einem schönen Schuss Ironie in Szene gesetzt.

          Wir selbst haben kein politisches Spitzenpersonal als Modellfiguren dauerhaft auf der Anlage, denn das Miniatur-Wunderland selbst ist unparteiisch. Aber wir sind keineswegs unpolitisch. So haben wir schon 2009 ein Zeichen gegen Politikverdrossenheit gesetzt, indem wir jeder im Bundestag vertretenen Partei einen Quadratmeter Land zur Gestaltung spendiert haben. Wie würde Deutschland aussehen, wenn Sie den Bundeskanzler stellen? Das haben wir damals gefragt. Und die Fraktionen haben sich tatsächlich lebhaft an dem Projekt „Utopia“ beteiligt.

          Und was hat die CSU beigetragen, deren Vorsitzender Horst Seehofer damals ja schon war?

          Ihr Coup war 2009 die Idee, das Brandenburger Tor umzugestalten – inklusive der Bavaria statt der Quadriga. Das Motto der CSU damals: „Mehr Bayern in Berlin“.

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