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Frauenkirche : Verfehlter Glückwunsch

Fast fertig: die Dresdner Frauenkirche Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Dresdner Frauenkirche soll nach ihrem zehnjährigen Wiederaufbau im Oktober geweiht werden. Bisher begleiten aber peinliche Pannen die Mühen der Stiftung Frauenkirche, die Plätze für den Weihegottesdienst gerecht zu vergeben.

          Die Verwirrung beginnt mit der Frage, was eigentlich genau am 30. Oktober stattfindet. An diesem Tag nämlich soll nach mehr als zehn Jahre währendem Wiederaufbau die Dresdner Frauenkirche geweiht werden. Geweiht?

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Tatsächlich spricht nicht nur die Stiftung Frauenkirche, sondern auch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens - anders als unter Protestanten sonst üblich - von einer Weihe. Auch die neu gegossenen Glocken der Frauenkirche sind geweiht worden, bevor sie im Frühjahr 2003 in den Türmen des Gotteshauses aufgehängt wurden.

          Zu viele Gewinner beim Plätze verlosen

          Die nächste Schwierigkeit ergibt sich aus dem großen Interesse, das das Ereignis am 30. Oktober hervorruft. Den ganzen Wiederaufbau der Kirche, die während des Bombardements Dresdens vor 60 Jahren ausgebrannt und wenig später in sich zusammengefallen war, haben Menschen in vielen Ländern aufmerksam verfolgt. Tausende kamen im vergangenen Juni nach Dresden, um mitzuerleben, wie mit dem Aufsetzen des Kuppelkreuzes die äußere Gestalt des Bauwerks vollendet wurde. Die Weihe aber, das war früh klar, wird noch mehr Menschen in die sächsische Landeshauptstadt bringen. Allein mit den vielen tausend Spendern könnte man jeden Sitzplatz in der Kirche mehrfach belegen.

          Also verfiel man bei der Stiftung auf den Gedanken, die Plätze zu verlosen. Eine gute Idee, wenn nicht der Druckerei, die mit den Benachrichtigungsbriefen beauftragt war, ein folgenschwerer Fehler unterlaufen wäre: Glückwunschschreiben erhielten auch Auslosungsteilnehmer, die gar nicht gezogen worden waren. Genau 259 vermeintliche Gewinner haben sich zu früh gefreut und erhielten mittlerweile schriftliche Entschuldigungen. Schon vor einigen Monaten hatte sich die Stiftung bei der Platzvergabe eine peinliche Panne geleistet. Der in New York lebende Nobelpreisträger Günter Blobel, der den Wiederaufbau mit einer Spende in Höhe von 1,6 Millionen Euro unterstützt hat, erfuhr per Post, daß er leider nicht als Ehrengast dabeisein könne, sondern am Losverfahren teilnehmen müsse.

          Verkaufsoffener Sonntag am heiligen Tag

          Aktuell herrscht aus einem weiteren Grund Aufregung in Dresden. Ende Januar beschloß der Stadtrat mit großer Mehrheit, daß der 30. Oktober einer von vier verkaufsoffenen Sonntagen sein soll. Auf die Idee, zuvor mit der Stiftung Frauenkirche und der Landeskirche zu sprechen, war niemand gekommen. Dabei hat sich Landesbischof Jochen Bohl stets vehement für die Beibehaltung des Sonntagsschutzes ausgesprochen. Bohl sagt, in der Frauenkirche werde das Wort Gottes gepredigt - unter anderem auch das dritte Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen.

          Ausgerechnet am Tag der Weihe zu dokumentieren, daß man sich nicht daran halte, sei ein massiver Fehlgriff. Auch sei es an der Zeit, einen Akzent gegen die Ökonomisierung des Lebens zu setzen. Der Dresdner Einzelhandel ersann daraufhin die bauernschlaue Auslegung, daß es sich eigentlich nur um einen halben Feiertag handele. Schließlich finde die Weihe am Vormittag statt, und die Ausnahmegenehmigung zur Öffnung der Läden gelte ohnehin nur von 13 bis 18 Uhr. Mittlerweile setzen sich allerdings einige Stadträte für einen Aufhebungsbeschluß ein.

          Bautechnische Probleme

          Als wäre das alles noch nicht genug, sind nun an der Kirche selbst neue Schwierigkeiten zutage getreten. Am Wendelgang zwischen Außen- und Innenschale der Kuppel, durch den Besucher seit dem 1. Februar auf die Aussichtsplattform gelangen können, und im inneren Laternenhof sind die Wände an manchen Stellen feucht. Offenbar haben die bislang etwa 36000 Besucher in Form von Schweiß und Atemluft zu viel Feuchtigkeit mitgebracht, die sich an den Außenmauern niederschlägt. Ein Fachmann der Stiftung Frauenkirche merkte selbstkritisch an, vermutlich wäre es aus heutiger Sicht besser gewesen, mit der Öffnung der Aussichtsplattform noch ein Jahr zu warten.

          Unterdessen schreiten die letzten Arbeiten im Innenraum des Gotteshauses nach Plan voran. Unlängst hat eine Jury die von Christoph Wetzel geschaffenen Wandgemälde in der Innenkuppel abgenommen. Der Künstler hatte zehn Monate gebraucht, die acht monumentalen Bildnisse und Allegorien - neben den Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes auch Bildnisse der Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung und Barmherzigkeit - zu vollenden. Bis Ende April werden nun noch die restlichen Vergoldungen ausgeführt.

          Orgel auf dem Weg

          In diesen Tagen reisen Fachleute aus Dresden nach Straßburg, um in der Werkstatt von Daniel Kern die Orgel für die Frauenkirche abzunehmen. Ist alles für gut befunden, wird die Orgel Stück für Stück abgebaut, sorgfältig verpackt und schließlich von einer Spezialfirma nach Dresden gebracht. Nach dem Einbau in die Frauenkirche wird das Intonieren, also das Stimmen des Instruments, nach Auskunft von Kern vermutlich zwölf Wochen dauern.

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