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Frauen-Football : Die Dessous-Liga

Anstelle der sonst im Football üblichen Ganzkörperrüstungen spielen die Lingerie-Mädchen in Minimal-Outfits Bild: AFP

In der amerikanischen Lingerie Football League spielen Frauen mit knappen Outfits. Sex-Appeal ist mindestens genauso wichtig wie der Sport. Trotzdem geht es bei den Spielen richtig zur Sache.

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          Mitch Mortaza kann dem Frauensport normalerweise wenig abgewinnen. „Schauen Sie sich doch mal weibliche Sportlerinnen genau an: Die meisten von denen sind einfach nicht besonders attraktiv“, sagt er. Das Problem damit: „Diese Frauen sind schwer zu vermarkten.“ Mortaza hat deshalb andere Vorstellungen, wie Damensport aussehen soll. Frauen dürfen gerne athletisch sein, aber genauso wichtig ist Sex-Appeal. Das ist die Idee hinter seiner neuen Frauenliga im American Football, die gerade ihre erste Saison spielt. Es ist die „Lingerie Football League“ - die Dessous-Football-Liga.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Name ist Programm: Anstelle der sonst im Football üblichen Ganzkörperrüstungen spielen die Lingerie-Mädchen in Minimal-Outfits. Die Uniformen bestehen aus knappen Höschen und BH-großen Oberteilen, beides mit Spitze. Für ein Mindestmaß an Sicherheit tragen die Spielerinnen immerhin Schulterschutz, Knieschoner und Helm. Der etwas schlüpfrige Charakter der Sache zeigt sich schon in den Namen der Teams. Die Palette reicht von „San Diego Seduction“ über „Dallas Desire“ bis zu „Philadelphia Passion“. Verführung, Begierde und Leidenschaft.

          Am liebsten lauter Anna Kournikovas

          Mortaza weiß genau, welchen Typ Frau er für die Teams sucht. „Wir können keine Spielerinnen gebrauchen, die mehr als 100 Kilo wiegen. Unsere Mädchen sollten zwischen 50 und 60 Kilo sein.“ Sportlichkeit ist Voraussetzung, aber es geht nicht darum, Weltklasseathleten zu finden. „Denken Sie an Anna Kournikova: Sieht toll aus, spielt gut Tennis, ist aber nicht die Beste. Wir wollen am liebsten eine Liga mit lauter Anna Kournikovas.“

          Anstelle der sonst im Football üblichen Ganzkörperrüstungen spielen die Lingerie-Mädchen in Minimal-Outfits Bilderstrecke

          Krystal Gray dürfte dem Idealtyp von Mortaza recht nahe kommen. Die 24 Jahre alte Frau ist Quarterback und damit der Kopf der Offensive im Team „New York Majesty“. Auf ihrer Internetseite zeigt sie sich halbnackt in einer Serie von Fotos. In einem der Bilder räkelt sie sich auf dem Boden, bekleidet nur mit Unterwäsche, inmitten Hunderter von Marshmallows. Eines der Marshmallows nimmt sie in den Mund und blickt dabei einladend in die Kameras.

          „Ich bin zum Killen trainiert“

          Gemessen an den Eindrücken, die Gray mit ihrer Internetseite hinterlässt, gibt sie im wahren Leben ein völlig anderes Bild ab. Ein Besuch beim Training ist fast ernüchternd unglamourös: Das Team trifft sich auf einem Sportplatz im ländlichen Nirgendwo außerhalb von New York. Gray erscheint in einer grauen Schlabber-Jogginghose. Ohne die Schminke von den Hochglanzfotos hat ihr Gesicht fast etwas Jungenhaftes. Sie legt großen Wert auf die Feststellung, dass sie und ihre Kolleginnen sich hier nicht nur als Pin-ups zur Schau stellen wollen, sondern es ernst meinen mit dem Sport: „Wir sind nicht irgendwelche doofen Barbies.“ Wie um das zu unterstreichen, geben sich die Mädels im Umgangston betont undamenhaft: Hier ein Rülpser, dort ein Titten-Spruch, zwischendrin eine großmäulige Kampfansage („ich bin zum Killen trainiert“).

          Beim Training geht es ziemlich zur Sache: Die Spielerinnen rennen aufeinander los, sie werfen Gegnerinnen zu Boden, sie hechten sich auf den Ball. „Setzt eure Hände stärker ein“, brüllt Trainer Eric Mas. Den Mädchen wird hier einiges abverlangt, sagt Mas: „Es reicht nicht, gut auszusehen. Einige haben hingeschmissen, weil es ihnen zu hart war.“

          Ein Weg, um Aggressionen loszuwerden

          Die Lingerie Football League spielt in diesem Jahr zum ersten Mal eine volle Saison, das Konzept gibt es aber schon etwas länger. Geboren ist die Idee als Halbzeitunterhaltung beim Super Bowl, dem jährlichen Endspiel um die Meisterschaft im American Football. Im Jahr 2004 traten in der Pause des Super Bowl erstmals Damenmannschaften in Dessous zum „Lingerie Bowl“ an. Seit dem ersten Jahr hat der Lingerie Bowl immer mehr Zuschauer gefunden und wurde zu einer lukrativeren Angelegenheit - was Gründer Mortaza auf den Gedanken brachte, daraus eine ganze Liga zu machen. In dieser Liga treten nun zehn Teams gegeneinander an.

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