https://www.faz.net/-gum-708gw

Frau ermordet Liebhaber : „Da war irgendwas im Kakao“

  • Aktualisiert am

„Ganz dunkler Teil von mir“: Die Angeklagte hatte sich für den Prozess Sonnenbrille und Papiertaschentücher bereitgelegt. Bild: dpa

Der Mord begann mit einer SMS. „Ich habe eine Überraschung für Dich“, schrieb eine Frau aus Bochum ihrem Liebhaber. Dann tötete sie ihn. Ein Gericht hat die Frau jetzt verurteilt.

          Betäubt, vergiftet und dann erstochen: Vor neun Monaten hat eine Arzt-Ehefrau aus Bochum ihren Liebhaber ermordet. Am Mittwoch wurde die 32 Jahre alte Angeklagte vom Bochumer Schwurgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Kurz vor der Tat hatte sie ihrem völlig ahnungslosen Opfer noch eine SMS geschickt: „Ich habe eine Überraschung für Dich, Schnute.“

          Die Angeklagte hatte schon nach ihrer Festnahme gestanden, ihren 36 Jahre alten Geliebten mit einem Giftcocktail und einer Morphiumspritze außer Gefecht gesetzt und dann erstochen zu haben. Zwei der insgesamt 14 Stiche trafen direkt ins Herz. Ihr Motiv: Ihr Ehemann sollte nicht erfahren, dass der Liebhaber - ein Banker - der Vater ihres gerade geborenen Sohnes war. Im Prozess hatte die Angeklagte zunächst von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht, dann aber gesagt: „Ich verzweifele daran, dass er tot ist und ich dafür verantwortlich bin.“

          Die verhängnisvolle Affäre hatte Ende 2009 begonnen. Obwohl die Angeklagte verheiratet war, zeigte sich das Paar ungeniert in der Öffentlichkeit. Mehrere Zeugen hatten die beiden im Prozess als „richtig verliebt“ beschrieben. Trotzdem wollte die heute 32 Jahre alte Frau ihren Ehemann nicht verlassen.

          Als sie schließlich schwanger wurde, nahm das Drama seinen Lauf. Ihr Liebhaber bestand auf einen Vaterschaftstest und wollte den Ehebruch öffentlich machen. Genau das empfand die Angeklagte als Bedrohung. „Sie war derart verzweifelt, dass ihr Liebhaber ihre kleine Familienwelt, in die sie sich zurückziehen wollte, zerstören könnte, dass sie nur noch den Ausweg sah, ihn durch Tod dauerhaft daran zu hindern“, sagte Richter Hans-Joachim Mankel in der Urteilsbegründung.

          Als der Banker ermordet wurde, war der gemeinsame Sohn gerade geboren. Die Angeklagte war zur Bochumer Wohnung ihres Liebhabers gefahren, hatte einen Thermobecher Kakao mit Amaretto dabei. Was der Banker nicht wusste: Das Getränk vor randvoll mit Beruhigungsmitteln. „Da war irgendetwas im Kakao“ – das sollen die letzten Worte des 36-Jährigen gewesen sein. Dann brach er bewusstlos zusammen.

          Um ihr tödliches Werk zu vollenden, setzte die Angeklagte ihm noch eine Morphiumspritze und griff dann zum Messer. Im Prozess hatte die 32 Jahre alte Frau unter Tränen erklärt: „Mir ist selbst so fremd, was da passiert ist. Das war ein ganz dunkler Teil von mir.“

          Weitere Themen

          Kalifornien sagt E-Zigaretten den Kampf an

          Nach Todesfall : Kalifornien sagt E-Zigaretten den Kampf an

          Nach einem Todesfall durch E-Dampfer zieht der Pazifikstaat Konsequenzen. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom hat unter anderem eine millionenschwere Aufklärungskampagne angekündigt.

          Würde ein Register helfen?

          Fehlbildungen bei Geburten : Würde ein Register helfen?

          Nachdem der Fall dreier Säuglinge mit ähnlichen Fehlbildungen an den Händen bekannt geworden war, fordern Ärzte nun ein nationales Meldesystem. Die Bundesländer reagieren indes zurückhaltend.

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.