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Frankfurter Flughafen : Wetterdienst und Flughafenbetreiber streiten über Prognosen

  • Aktualisiert am

Vom Eise befreit werden Rumpf und Flügel: hier bei der Maschine einer türkischen Fluggesellschaft auf dem Frankfurter Flughafen Bild: dpa

„Spätestens seit Mitternacht war Fraport im Bilde“: Ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes hat Vorwürfe des Frankfurter Flughafenbetreibers zurückgewiesen, der neuerliche Schneefall sei nicht prognostiziert worden. Nach über drei Stunden Vollsperrung wird gestritten.

          Nach den neuerlichen Schneeproblemen auf Deutschlands größtem Flughafen ist ein Streit zwischen dem Betreiber Fraport und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) entbrannt. DWD-Sprecher Uwe Kirsche wies den Fraport-Vorwurf zurück, die Niederschläge nicht vorhergesagt zu haben. Allerdings habe seine Behörde den Schnee erst gegen Mitternacht prognostiziert, wie er einräumte. „Aber Wettervorhersage ist kein Flugplan. Hundertprozentige Genauigkeit gibt es nicht.“

          Der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, sagte dagegen am Dienstagmorgen auf dem Flughafen: „Wir wurden heute Nacht entgegen aller Prognosen von den starken Schneefällen überrascht.“ Fraport-Sprecher Jürgen Harrer hatte zuvor gesagt, die massiven Niederschläge seien nicht vorausgesagt worden. Der Frankfurter Flughafen war am Morgen für mehrere Stunden gesperrt.

          „Eine unglückliche Verknüpfung von Umständen“

          Nach Angaben von Kirsche hatten die DWD-Modelle am Montag um 14.00 Uhr für den Flughafen noch leichten oder gar keinen Niederschlag berechnet. Im Laufe des Abends habe sich das aber deutlich geändert. Das Schneefallgebiet habe sich um 50 Kilometer südlich verlagert - direkt über das Rhein-Main-Gebiet. Kurz vor Mitternacht habe der DWD bis zu zehn Zentimeter Neuschnee prognostiziert. Am Flughafen seien dann sieben Zentimeter gefallen.

          Am Dienstagmorgen auf dem Frankfurter Flughafen

          „Spätestens seit Mitternacht war Fraport im Bilde“, sagte Kirsche. Die neuen Schneefälle seien eine „unglückliche Verknüpfung von Umständen“ gewesen, da es über dem Rhein-Main-Gebiet eine Luftmassengrenze gegeben habe. Der DWD unterhält eine eigene Luftfahrtberatungszentrale am Flughafen.

          Auch im Laufe des Tages ist noch mit erheblichen Behinderungen und Flugausfällen zu rechnen. Zunächst sind 300 der insgesamt rund 1300 geplanten Flüge gestrichen worden. Auf den anderen großen deutschen Verkehrsflughäfen gab es wetterbedingt keine großen Beeinträchtigungen. In München wurden nach Angaben eines Flughafensprechers bislang 40 von 1000 Verbindungen gestrichen, was aber nicht auf Probleme in München zurückzuführen sei. Alle Bahnen seien frei, und es gebe strahlenden Sonnenschein. Aufgrund der Sperrung anderer Airports standen in München 24 Flugzeuge mehr als geplant. Sie waren dorthin umgeleitet worden. Auch in Düsseldorf startete der Flugbetrieb normal. 20 Flüge seien wegen Sperrungen anderer Flughäfen annulliert worden, sagte ein Sprecher.

          „Hier ist es glatt, aber ruhig“

          Auf den Straßen hatte der Winter am Montagabend auf der Autobahn 40 bei Duisburg noch für Schrecksekunden gesorgt: Vier Lastwagen und acht Autos prallten in einer Massenkarambolage gegeneinander. Trotz der teils schwer beschädigten und ineinander verkeilten Fahrzeuge verlief der Unfall für alle Beteiligten glimpflich: Es gab lediglich vier Leichtverletzte. Der Grund für die Karambolage war laut Polizei vermutlich der Fehler eines Lkw-Fahrers beim Wechseln der Fahrspur.

          In den anderen Teilen Deutschlands gab es hingegen kaum Einsätze für die Polizei. „Hier ist es glatt, aber ruhig“, hieß es aus Bonn. „Oft rutschig, aber bisher ohne Folgen“, meldete Darmstadt. „Wir wundern uns selber, dass es so ruhig ist“, sagte ein Polizist in Frankfurt/Oder. Der Kollege in Göttingen berichtete: „Es ist neblig und glatt, aber nichts passiert.“ Jena meldete: „Diesmal angenehm ereignisarm.“ Für die Polizei Heidelberg „hat sich alles beruhigt“. In Magdeburg mutmaßte eine Sprecherin gar „Die sind wohl alle zu Hause geblieben.“ Und auch in Kempten im Allgäu, wo am Montagabend 14 Zentimeter Schnee lagen, berichtete die Polizei: „Wir haben gar keine Wetterunfälle.“ Oldenburg in Niedersachsen meldete: „Bisschen diesig, aber kein Neuschnee.“ Und in Stralsund herrschte „absolute Ruhe“.

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