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Euro-Skulptur in Frankfurt : „Das ist eine Beleidigung für Europa“

Hörls Zeichen der Zeit Bild: Wolfgang Eilmes

Die Frankfurter Euro-Skulptur ist in einem schlechten Zustand. Manche fordern einen Rettungsschirm für das Kunstwerk, andere würde das „Götzenbild des Geldes“ lieber abreißen. Wir haben den Urheber der Skulptur gefragt, was er von der Diskussion hält.

          Herr Hörl, Ihre Euro-Skulptur vor dem alten Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt ist in keinem guten Zustand. 60.000 Euro soll deren Instandhaltung allein in diesem Jahr kosten, doch es findet sich niemand, der das bezahlen will. Nun sollen die Banken spenden. Halten Sie das für realistisch?

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Eigentlich ist das nicht mehr meine Skulptur, sondern die der Banken, die sie damals auch bezahlt haben. Wenn ich jetzt höre, dass es an 60.000 Euro scheitern soll, kann ich mich nur halb tot lachen. Das würde ich aus meiner Portokasse zahlen. Dieses Euro-Zeichen ist extrem erfolgreich, es ist das am meisten veröffentlichte Kunstwerk. Es trägt damit auch zur Popularität Frankfurts in der ganzen Welt bei. Dass jetzt diese Diskussion geführt wird, ist doch eine Beleidigung für Europa.

          Der scheidende Intendant am Schauspiel Frankfurt, Oliver Reese, forderte unlängst, die Statue abzureißen. Sie sei ein Götzenbild des Geldes und eine Zumutung für arme Menschen.

          Ich finde es arrogant, dass jemand vom Theater, der Millionen von Steuergeldern bekommen hat, nun sagt, dass dieses Zeichen ein Götzenbild des Geldes sei. Das ist doch Quatsch. Man kann das Geld nicht dafür verantwortlich machen, wenn man damit Blödsinn macht. Die Skulptur ist kein Zeichen des Geldes, sondern eines der Währung, die wir haben. Die Skulptur symbolisiert eigentlich nur die damaligen Gründungsmitglieder des Euroraums, es ist Ausdruck seiner Zeit.

          Ottmar Hörl: Muss sich der Künstler für seine Kunst rechtfertigen?

          Deswegen wollen sie ja auch manche ins Museum stellen.

          Das Ding gehört nicht ins Museum. Das Gute daran ist, dass eine Putzfrau dieses Zeichen genau so schnell versteht wie ein Universitätsprofessor. Mir leuchtet nicht ein, wie man das nicht akzeptieren kann. Manchmal habe ich mir gedacht, man hätte eine Achterbahn dahin stellen sollen, um dann zu behaupten, das sei das Zeichen für Europa. Irgendein abstraktes Förmchen zu entwickeln, wäre für mich doch viel einfacher gewesen. Ob das Kunst ist oder nicht, ist für einen Berufskünstler wie mich vollkommen uninteressant. Ich habe eine Aufgabe gelöst.

          An Ihrer Skulptur entlädt sich immer wieder der Protest gegen die Banken, zum Beispiel jener der „Blockupy“-Demonstranten.

          Seit Jahren muss ich immer wieder lesen, was für ein Idiot ich bin, weil ich diese Skulptur aufgestellt habe. Dabei ist es so ein harmloses Teil. Es symbolisiert, wie sich die Stadt Frankfurt verändert hat. Kultur ist Teil einer Lebenskonzeption und nichts, was ständig geschützt werden muss.

          Tat es Ihnen aber nicht trotzdem weh, als Demonstranten die Skulptur besprüht haben?

          Sobald jemand meine Arbeit gekauft hat, gehört sie ihm. Ich bin nur derjenige, der sie hergestellt hat. Deswegen muss ich das akzeptieren und bin nicht beleidigt. Die Symbole, das Euro-Zeichen und die Sterne, sind ja nicht von mir, sondern ich habe sie nur neu kombiniert. Es repräsentiert, was es repräsentieren soll. Es gibt nicht die Meinung eines Künstlers zu Europa wieder. Man kann sagen, dass das einfach und aufs Wesentliche reduziert ist, von mir aus.

          Manche Leute behaupten, die Skulptur sei gar keine Kunst.

          Soll sich ein Künstler jedes Mal dafür rechtfertigen müssen, ob er Kunst macht oder nicht? Ist Kunst erst dann wertvoll, wenn sie viele Millionen Euro kostet? Ich finde diese Diskussion bigott.

          Was wünschen Sie sich für die Euro-Skulptur?

          Ich finde es in Ordnung, dass sie mitten in der Stadt steht, und diese Stadt repräsentiert natürlich auch die Finanzwelt. Ich wäre auch bereit, gelbe Sterne zu signieren oder etwas Ähnliches, damit Geld für die Restaurierung aufgetrieben wird. Weil die in Frankfurt ja alle so arm sind.

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