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Frank Goosen im Gespräch : „Manufactum-Männer sind das Schlimmste“

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Ist Männern ihr Aussehen wichtig? Comedian Frank Goosen hat sich zumindest eine neue Jacke für das Interview gekauft Bild: Pein, Andreas

Warum bekommen Loser immer die schönsten Frauen, und: Steckt der Mann in der Krise? Frank Goosen, bekannt als Autor von „Liegen lernen“, hat da so seine Theorien.

          6 Min.

          Erstaunlich: Frank Goosen, der Comedian und Autor aus Bochum, der sein Geld auch damit verdient, auf Firmenfeiern den Schenkelklopferhumor von Versicherungsvertretern zu bedienen, ein Koloss von einem Mann, der seit 2010 im Aufsichtsrat des VfL Bochum sitzt und am allerliebsten über Fußball redet, wirkt geradezu schüchtern, als er sich hinter den Tisch eines Cafés in Berlin-Kreuzberg zwängt. Es ist laut, es ist eng, und Goosen redet immer leiser, je persönlicher es wird.

          Goosen, Jahrgang 1966 und Sohn eines Elektrikers, ging aufs Gymnasium, studierte Geschichte, Germanistik und Politik und machte bald mit literarisch-kabarettistischen Programmen von sich reden. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Sein Roman „Liegen lernen“ wurde verfilmt. Sein neues Buch dreht sich um das vermeintlich starke Geschlecht und heißt „Raketenmänner“ - Zeit für ein Gespräch über Kerle

          Herr Goosen, was sind „Raketenmänner“?

          Männer, die von ihrem Leben etwas anderes erwartet haben als das, was daraus geworden ist. Sie wollten die Rakete starten. Aber sie hadern mit dem, was sie erreicht haben und was nicht. Der Begriff geht auf einen Song von Elton John zurück, „Rocket Man“, in dem es heißt: „I am not the man they think I am at home.“ Durch diese Zeile bin ich auf den Titel für mein Buch gekommen.

          Kleine Jungs wollen Astronauten werden, Feuerwehrmänner, Lokführer: maximale Potenz als Traum schon mit fünf. Haben Familienväter um die fünfzig dieselbe Sehnsucht?

          Nee, die wissen, dass zumindest der Zug mit dem Astronauten abgefahren ist. Die haben mehr damit zu tun, mit den Tatsachen in ihrem Leben umzugehen, mit den Sachzwängen.

          Was meinen Sie?

          Mit zwanzig hätte ich zum Beispiel sagen können: Ich gehe von jetzt auf gleich für eine Woche nach Berlin. Jetzt habe ich zu Hause Verpflichtungen. Da muss geplant werden. Man ist an der Erziehung beteiligt, an den ganzen äußeren Abläufen, die so ein gemeinsames Leben mit sich bringt.

          Ist es hart anzuerkennen, dass die Wirklichkeit hinter den eigenen Träumen zurückgeblieben ist?

          Das hängt davon ab, wie viel von den eigenen Träumen man verwirklicht hat. Ich habe einen super Job, in dem ich gut verdiene und genau das mache, was ich machen wollte: Geschichten erzählen. Mir ist es vielleicht nicht gelungen, den VfL Bochum in die erste Liga zu bringen. Das schmerzt. Und warum bin ich jetzt 47 und immer noch nicht geduldiger, ordentlicher, disziplinierter? Aber das sind Luxusprobleme, Kleinigkeiten.

          Die Männer in Ihrem neuen Buch verlieren ihren Job oder ihre Frau, sie hadern mit sich und dem Leben.

          Früher nannte man das Midlife-Crisis. Tatsächlich habe ich in meinem Freundeskreis die klassischen Geschichten, dass sich jemand nach über 40 Jahren Ehe trennt. Oder jemand ist verlassen worden und sitzt jetzt ohne Freunde in einer fremden Stadt, muss aber dableiben, weil das gemeinsame Kind dran hängt. Das sind Sachen, die streift man nicht mehr ab wie mit Mitte zwanzig, wenn man denkt, das ist alles sowieso eine Durchgangsstation.

          Heute ist viel von der Krise des Mannes die Rede. War früher alles besser? Jedenfalls für Männer?

          Früher mussten Männer in den Krieg. Da nehm’ ich lieber eine Midlife-Crisis in Kauf. Aber der Mann ist schon in der Krise, seit die tradierten Rollenverhältnisse hinterfragt wurden, seit er sich nicht mehr von Ast zu Ast hangeln und Jane hinter sich herschleifen konnte. Es wird anders diskutiert. Früher hatten Männer keine Krise, sondern nur schlechte Laune.

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