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Klimawandel Fidschi-Inseln : Heimatvertrieben auf der Flucht vor dem steigenden Meeresspiegel

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Der 14-jährige Ratusela Waqanaceva watet durch das Meerwasser, das bei Flut in das Dorf Serua auf den Fidschi-Inseln fließt. Bild: Loren Elliott/Reuters

Für Fidschi, eine Inselgruppe mit Hunderten von Inseln etwa 2000 Kilometer nördlich von Neuseeland, diktiert der Meeresspiegel, wo die Menschen leben können. Mit Serua steht die zweite Insel vor der Umsiedelung.

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          Auf der Fidschi-Insel Serua dringt das Wasser bei Flut in die Dörfer ein. Die Boote der Bewohner liegen direkt an ihren Häusern. Holzbretter spannen sich zwischen einzelne Häuser und bilden einen behelfsmäßigen Gehweg, während das Salzwasser des Meeres die Gärten überflutet.

          Die Dorfältesten sind immer davon ausgegangen, dass sie auf diesem wertvollen Land sterben werden, wo bereits ihre Vorfahren begraben sind. Doch da die Gemeinde keine Möglichkeiten mehr hat, sich an den steigenden Pazifik anzupassen, stehen die 80 Inselbewohner vor der schmerzhaften Entscheidung, ihren Heimatort zu verlassen.

          Der 38-jährige Semisi Madanawa zieht auf der Insel drei Kinder groß. Er sagt, dass das Dorf angesichts der Überschwemmungen und der extremen Wetterbedingungen auf die Hauptinsel der Fidschi-Inseln, Viti Levu, umsiedeln müsste, um die Zukunft der nächsten Generation zu sichern. Doch dagegen weigern sich die Dorfältesten. Mit Hilfe von Landgewinnung versuchen sie das Meer davon abzuhalten ihnen die Häuser und Gräber ihrer Vorfahren auf der Serua-Insel zu nehmen.

          "Es braucht Zeit, bis sich eine Idee in den Herzen der Menschen festsetzt, um die kommenden Veränderungen zu akzeptieren", sagt Madanawa. "Der Klimawandel findet statt und wir müssen bald eine Entscheidung treffen."

          Die 63-Jährige lebt mit ihrer Familie seit 20 Jahren in dem Haus im Dorf Veivatuloa. Der Damm hinter ihrem Haus schützt sie nicht mehr vor den Fluten.
          Die 63-Jährige lebt mit ihrer Familie seit 20 Jahren in dem Haus im Dorf Veivatuloa. Der Damm hinter ihrem Haus schützt sie nicht mehr vor den Fluten. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Semisi Madanawa, 38 Jahre alt, hält seine dreijährige Tochter Aliti Madanawa während eines Angelausflugs auf seinem Boot in der Nähe des Dorfes Serua, Fidschi.
          Semisi Madanawa, 38 Jahre alt, hält seine dreijährige Tochter Aliti Madanawa während eines Angelausflugs auf seinem Boot in der Nähe des Dorfes Serua, Fidschi. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Blick auf das ins Landesinnere umgesiedelte Dorf Vunidogoloa. Fidschi, ein Archipel aus Hunderten von Inseln, war 2014 der erste Inselstaat im Pazifik, der eine Gemeinde wegen des steigenden Meeresspiegels umsiedelte.
          Blick auf das ins Landesinnere umgesiedelte Dorf Vunidogoloa. Fidschi, ein Archipel aus Hunderten von Inseln, war 2014 der erste Inselstaat im Pazifik, der eine Gemeinde wegen des steigenden Meeresspiegels umsiedelte. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Einheimische Kinder spielen im Dorf Serua am Damm, der das Eindringen von Wasser bei höheren Gezeiten nicht mehr aufhält.
          Einheimische Kinder spielen im Dorf Serua am Damm, der das Eindringen von Wasser bei höheren Gezeiten nicht mehr aufhält. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Adi Latianara und ihre Nichte Tokasa Robanakadavu bereiten im Dorf Serua Maniokwurzeln zum Verzehr vor.
          Adi Latianara und ihre Nichte Tokasa Robanakadavu bereiten im Dorf Serua Maniokwurzeln zum Verzehr vor. : Bild: Loren Elliott/Reuters

          Auf einem Gipfeltreffen im Juli 2022 in der Hauptstadt Fidschis Suva erklärten die Staats- und Regierungschefs von 15 niedrig gelegenen pazifischen Inselstaaten den Klimawandel zu ihrer „größten existenziellen Bedrohung“. Sie fordern, dass Industrienationen, die am meisten zur globalen Erwärmung beitragen, nicht nur ihre Emissionen einschränken, sondern auch für die Maßnahmen aufkommen, die die Inselbewohner egreifen müssen, um ihre Bevölkerung vor dem steigenden Meeresspiegel zu schützen. Dieser Vorstoß ist zu einem der Hauptstreitpunkte auf den Klimakonferenzen der Vereinten Nationen geworden.

          Das Wasser im Dorf Serua ist so nah an den Häusern, sodass die Boote direkt daneben liegen.
          Das Wasser im Dorf Serua ist so nah an den Häusern, sodass die Boote direkt daneben liegen. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Gemeindemitglieder versammeln sich zu einem Sonntagsgottesdienst im Dorf Vunidogoloa, Fidschi. Vunidogoloa war 2014 die erste Gemeinde, die umgesiedelt wurde.
          Gemeindemitglieder versammeln sich zu einem Sonntagsgottesdienst im Dorf Vunidogoloa, Fidschi. Vunidogoloa war 2014 die erste Gemeinde, die umgesiedelt wurde. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Der Einheimische Selai Uluivuya fischt mit einer Handleine in einem verlassenen, von der Flut überschwemmten Friedhof im Dorf Togoru, Fidschi.
          Der Einheimische Selai Uluivuya fischt mit einer Handleine in einem verlassenen, von der Flut überschwemmten Friedhof im Dorf Togoru, Fidschi. : Bild: Loren Elliott/Reuters

          Der Bau von Dämmen, das Pflanzen von Mangroven und die Verbesserung der Entwässerung reichen in den meisten Fällen nicht mehr aus, um die Dörfer zu retten, sagt Shivanal Kumar, ein Spezialist für die Anpassung an den Klimawandel im Wirtschaftsministerium von Fidschi.

          „Die Auswirkungen des Klimawandels sind seit vielen Jahren zu spüren und irgendwann haben sie aufgegeben und sagen nun, es ist an der Zeit umzuziehen. Die Umsiedlung soll Menschenrechte wahren, indem sie vor dem steigenden Meeresspiegel, größeren Sturmfluten und extremeren Wirbelstürmen geschützt werden sollen, sagt Kumar.

          Doch die von den Industrienationen zugesagten Mittel auf den UN-Klimakonferenzen decken keine Umsiedlung ab, sondern nur die Anpassungen an den Klimawandel, wie etwa den Bau eines Dammes.

          Roemoni Tubivuna und sein zehnjähriger Enkel Roemoni Tubivuna Jr., bereiten sich auf einen Angelausflug im Dorf Veivatuloa vor.
          Roemoni Tubivuna und sein zehnjähriger Enkel Roemoni Tubivuna Jr., bereiten sich auf einen Angelausflug im Dorf Veivatuloa vor. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Dorfkinder vertreiben sich die Zeit während der Flut vor einem Haus im Dorf Serua.
          Dorfkinder vertreiben sich die Zeit während der Flut vor einem Haus im Dorf Serua. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Kinder steigen im Dorf Vunidogoloa aus einem Schulbus aus.
          Kinder steigen im Dorf Vunidogoloa aus einem Schulbus aus. : Bild: Loren Elliott/Reuters

          Insgesamt sind seit 2014 sechs Dörfer auf den Fidschi-Inseln umgesiedelt worden. Weitere 795 Dörfer werden umziehen müssen, sagt die jugendliche Klimaaktivistin Salote Nasalo, die nicht schlafen kann, wenn sie daran denkt, wo sie hingehen können. Die pazifische Jugend wird weiterhin gegen die Untätigkeit der großen Emittenten bei der Finanzierung protestieren, sagt Nasolo, die an der University of South Pacific studiert.

          Die erste Gemeinde, die umgesiedelt wurde, war Vunidogoloa, nachdem die Dorfbewohner die Beamten eingeladen hatten, sich anzuschauen, wie es ist, mit Wasser bis zu den Knien zu leben. Das Salzwasser hinderte die Bewohner daran Pflanzen anzubauen und nahm damit ihnen ihre Lebensgrundlage und Ernährungssicherheit.

          In dem neuen Dorf, etwa 1,5 Kilometer landeinwärts, auf der Insel Vanua Levu, stehen die Bewohner nun mit trockenen Füßen fest auf dem Boden.

          Ramatu, 63 Jahre alt, sagt, es habe eine Zeit gedauert die Ältesten von einem Umzug zu überzeugen, aber das Dorf hätte sich zusammengerauft und auf Experten gehört. Auch er fordert Hilfe und dass Industrienationen für die Verluste der Bewohner aufkommen sollen.

          Das Meer flutet an einem unwirksamen Damm vorbei in die Gemeinde Veivatuloa, Fidschi.
          Das Meer flutet an einem unwirksamen Damm vorbei in die Gemeinde Veivatuloa, Fidschi. : Bild: Loren Elliott/Reuters
          Das einheimische Mädchen Tokasa Robanakadavu, zehn Jahre alt, läuft durch das Meerwasser, das ihre Gemeinde im Dorf Serua auf der Fidschi-Insel bei Flut überschwemmt.
          Das einheimische Mädchen Tokasa Robanakadavu, zehn Jahre alt, läuft durch das Meerwasser, das ihre Gemeinde im Dorf Serua auf der Fidschi-Insel bei Flut überschwemmt. : Bild: Loren Elliott/Reuters

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