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Gefängnisse in Honduras : Isoliert hinter Gittern

  • Aktualisiert am

Die Insassen des Gefängnisses La Esperanza blicken durch ein Gittertor, nachdem sie wie jeden Abend für die Nacht eingeschlossen worden sind. „Der Abend ist hier der Anfang der Hölle“, meint ein Insasse. Bild: Adrees Latif/Reuters

In den überfüllten Gefängnissen von Honduras gilt seit Ausbruch der Corona-Pandemie Besuchsverbot. Der Reuters-Fotograf Adrees Latif hat das Leben in dem Gefängnis La Esperanza dokumentiert, bevor die Tore geschlossen wurden.

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          La Esperanza, auf deutsch Hoffnung, ist eines der vielen überfüllten Gefängnisse von Honduras. Ursprünglich wurde das Gefängnis für 70 Menschen errichtet, am Tag des Besuchs des Fotografen Adrees Latif zählte die Strafanstalt 454 Insassen. Nachts schlafen mehr als 100 Männer in einem Raum, der eigentlich für 50 Betten vorgesehen wurde. Neuankömmlinge müssen sich irgendwo einen Platz zum Schlafen suchen. Auch Wasser gibt es nur ein paar Mal in der Woche. Der einzige Waschraum des Gebäudes ist für Frauen reserviert, Männer waschen sich im Hof.

          Um die Haft in La Esperanza zu überstehen, folgt man besten der Regel „ver, oír, callar“, die überall an die Wände des Gefängnisses geschrieben wurde: „sehen, hören, Mund halten“. Diese Regel galt vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Jetzt ist das Gefängnis durch das Besuchsverbot der Regierung von der Außenwelt abgeschnitten, Festnetztelefone gibt es nur wenige.

          Welchen Regeln das Leben der Insassen nun folgt, können die Angehörigen kaum in Erfahrung bringen und ihre Sorge wächst. Adrees Latif, der in Pakistan geborene Fotograf arbeitet seit über 20 Jahren für die Nachrichtenagentur Reuters und wurde schon mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet. Darunter auch 2008 mit dem Pulitzer Preis für Breaking News. Er erhielt noch Zugang zu den Häftlingen und seine Fotos zeigen die Zustände in La Esperanza, bevor die Häftlinge isoliert wurden.

          Die Gefangenen warten mit ihren Eimern auf die Wasserausgabe, um sich waschen und ihre Kleidung säubern zu können.
          Die Gefangenen warten mit ihren Eimern auf die Wasserausgabe, um sich waschen und ihre Kleidung säubern zu können. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Feliciano Diaz Sanchez nutzt Seife und einen alten Lappen, um sich zu waschen.
          Feliciano Diaz Sanchez nutzt Seife und einen alten Lappen, um sich zu waschen. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Yerbin Israel Estrada trainiert im Hof von La Esperanza mit Gewichten: „Der beste Weg, um hier heil wieder herauszukommen, ist den Kopf unten zu behalten“.
          Yerbin Israel Estrada trainiert im Hof von La Esperanza mit Gewichten: „Der beste Weg, um hier heil wieder herauszukommen, ist den Kopf unten zu behalten“. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Männer spielen um Geld. Geld braucht man in La Esperanza, um beispielsweise Seife kaufen zu können.
          Männer spielen um Geld. Geld braucht man in La Esperanza, um beispielsweise Seife kaufen zu können. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Ein Gefängniswärter überwacht den Hof von La Esperanza, auf dem die Häftlinge ihren Tag verbringen.
          Ein Gefängniswärter überwacht den Hof von La Esperanza, auf dem die Häftlinge ihren Tag verbringen. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          An seinem ersten Tag in La Esperanza wird dem Neuankömmling Carlos Javier Gomez das Haar von einem Mithäftling geschoren.
          An seinem ersten Tag in La Esperanza wird dem Neuankömmling Carlos Javier Gomez das Haar von einem Mithäftling geschoren. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Kinder von Insassen spielen während ihres Besuchs Ball im Hof des Gefängnis. An der Mauer reihen sich Häftlinge, die an diesem Tag keinen Besuch empfangen haben.
          Kinder von Insassen spielen während ihres Besuchs Ball im Hof des Gefängnis. An der Mauer reihen sich Häftlinge, die an diesem Tag keinen Besuch empfangen haben. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Savino Diaz schält in der Gefängnisküche eine Zwiebel, um Essen für seine Mithäftlinge zuzubereiten.
          Savino Diaz schält in der Gefängnisküche eine Zwiebel, um Essen für seine Mithäftlinge zuzubereiten. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Marcaria Perdom isst ihr Mittagessen in einer Zelle für Frauen. Im Hintergrund schaut Vilma Alicia Rodriguez Banegas fern.
          Marcaria Perdom isst ihr Mittagessen in einer Zelle für Frauen. Im Hintergrund schaut Vilma Alicia Rodriguez Banegas fern. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Ein Besucher nimmt an der katholischen Messe des Gefängnisses teil, als Besuche noch erlaubt waren.
          Ein Besucher nimmt an der katholischen Messe des Gefängnisses teil, als Besuche noch erlaubt waren. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Während der katholischen Messe singen Edin Alfredo Ramos und andere Häftlinge Kirchenlieder.
          Während der katholischen Messe singen Edin Alfredo Ramos und andere Häftlinge Kirchenlieder. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Die Häftlinge reinigen den Hof des Gefängnisses, bevor sie für die Nacht eingeschlossen werden. Die Aufgabe des Hofsäuberns wird nach dem Rotationsprinzip vergeben.
          Die Häftlinge reinigen den Hof des Gefängnisses, bevor sie für die Nacht eingeschlossen werden. Die Aufgabe des Hofsäuberns wird nach dem Rotationsprinzip vergeben. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Tiburcio Hernandez umarmt seine Kinder Gerson und Alexis zum Abschied ihres Besuchs in La Esperenza.
          Tiburcio Hernandez umarmt seine Kinder Gerson und Alexis zum Abschied ihres Besuchs in La Esperenza. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Gefangene waschen ihre Kleidung im Gefängnishof. Sie müssen im Gefängnis Geld verdienen, um sich Seife kaufen zu können.
          Gefangene waschen ihre Kleidung im Gefängnishof. Sie müssen im Gefängnis Geld verdienen, um sich Seife kaufen zu können. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Im Hof hängt Wäsche zum Trocknen. Jose Israel Orellana Ferrera knotet  ein Seil zusammen, das von den Häftlingen genutzt wird, um Taschen, Hängematten und Fischernetze zu knüpfen. Sie versuchen, die Ware dann außerhalb von La Esperanza zu verkaufen.
          Im Hof hängt Wäsche zum Trocknen. Jose Israel Orellana Ferrera knotet ein Seil zusammen, das von den Häftlingen genutzt wird, um Taschen, Hängematten und Fischernetze zu knüpfen. Sie versuchen, die Ware dann außerhalb von La Esperanza zu verkaufen. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Catalino Rodriguez und Santos Primitivo liegen auf Betten in ihrer Zelle. Die Vorhänge erlauben ihnen ein bisschen Privatsphäre.
          Catalino Rodriguez und Santos Primitivo liegen auf Betten in ihrer Zelle. Die Vorhänge erlauben ihnen ein bisschen Privatsphäre. : Bild: Adrees Latif/Reuters
          Gefängniswärter stehen vor einer Mauer außerhalb des Gefängnisses, während sie beten.
          Gefängniswärter stehen vor einer Mauer außerhalb des Gefängnisses, während sie beten. : Bild: Adrees Latif/Reuters

          Instagram: @AdreesLatif

          Twitter: @AdreesLatif

          Webseite: adreeslatif.com

          Webseite: widerimage.reuters.com/photographer/adrees-latif

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