https://www.faz.net/-gum-71yka

Fossilienfund : Unser artenreicher Urahne

Dank dieses Schädels, 1972 gefunden, stellte sich heraus, dass Homo erectus nicht allein war Bild: dapd

Eine Analyse fossilierter Gesichts- und Kieferfragmente aus dem Turkana-See in Kenia beweist, dass es neben Homo erectus noch zwei weitere Menschenarten gab.

          Der direkte Vorfahr des modernen Menschen in Afrika teilte sich seinen Lebensraum vor beinahe zwei Millionen Jahren mit zwei anderen Menschen in Ostafrika. Homo erectus hatte offenbar zwei „Konkurrenten“, die ihm ähnelten. Das belegen drei fossilierte Gesichts- und Kieferfragmente, die zwischen 2007 und 2009 im Osten des Turkana-Sees in Kenia entdeckt worden waren.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Eine Analyse zeigt nun, dass die Fossilien zwei anderen Vertretern der frühen Hominiden angehören. Die Forschergruppe um Meave Leakey vom Turkana Basin Institute in Nairobi, die Mitgründerin des Koobi-Fora-Forschungsprojekts, hat zusammen mit Fred Spoor vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig die Analyse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

          „Endlich haben wir einige Antworten gefunden“

          Demnach hatte Homo erectus mutmaßlich ein größeres Gehirn als seine beiden Zeitgenossen. Bei den drei neuen Fossilien, die innerhalb eines Radius von zehn Kilometern gefunden wurden, handelt es sich um einen Gesichtsschädel, einen sehr gut erhaltenen Unterkiefer und den Teil eines zweiten Unterkiefers. Sie werden auf ein Alter von 1,78 bis 1,95 Millionen Jahren datiert.

          Jahrzehntelang hatten Anthropologen darüber gestritten, wie viele verschiedene Arten des frühen Homo es neben Homo erectus während des Pleistozäns noch gab. Im Zentrum steht dabei ein Fossil mit der Bezeichnung KNM-ER 1470, das vor 40 Jahren entdeckt worden war. Der Schädel bot Platz für ein großes Gehirn und hatte ein langes flaches Gesicht.

          Allerdings wurden keine Unterkiefer und vor allem auch keine Zähne gefunden. Damit war ein Vergleich mit Homo-erectus-Funden aus anderen Regionen kaum möglich. Einige Wissenschaftler führten die ungewöhnlichen Eigenschaften des Schädels auf sexuelle Unterschiede und die natürliche Variation innerhalb ein und derselben Art zurück. Viele glaubten allerdings an eine andere Menschenart.

          „Endlich haben wir einige Antworten gefunden“, sagt Fred Spoor zu seiner Erkenntnis. „Zusammengenommen geben uns die drei neuen Fossilien Aufschluss darüber, wie Fossil 1470 tatsächlich ausgesehen hat. Jetzt ist klar, dass zwei weitere frühe Vertreter der Gattung Homo neben Homo erectus lebten.“

          Weitere Themen

          Das Einmaleins des Lebens

          FAZ Plus Artikel: Gefängnisschule Adelsheim : Das Einmaleins des Lebens

          Jugendliche, die ins Gefängnis kommen, können dennoch einen Abschluss machen. In der größten Gefängnisschule Baden-Württembergs werden jungen Männern Wissen und Perspektiven vermittelt. Eine Reportage aus einem besonderen Ort.

          Topmeldungen

          Proteste gegen China : Hongkong ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft

          Chinas innenpolitischer Konflikt bedroht die ohnehin schon trübe Weltkonjunktur. Auch Pekings Vorgehen gegen die Fluggesellschaft Cathay sollte deutschen Unternehmen eine Warnung sein – denn auch Daimler und Lufthansa gerieten schon mal ins Fadenkreuz.

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.