https://www.faz.net/-gum-nul0

Fossilien : Die Herrscher des Erdaltertums

  • Aktualisiert am

Vor mehr als 100 Millionen Jahren beherrschten Trilobiten die Meere Bild: Dieter Rüchel

Sie kamen aus dem Nirgendwo und bevölkerten binnen kurzer Zeit sämtliche Weltmeere. Trilobiten gehörten zu den erfolgreichsten Lebewesen aller Zeiten. Es hat ihnen nichts genutzt.

          Zu Lebzeiten von Harpes macrocephalus muß es dort, wo 380 Millionen Jahre später die Stadt Frankfurt am Main stehen sollte, ähnlich ausgesehen haben wie heute vor der Küste Thailands. Süd- und Norddeutschland lagen damals, in der erdgeschichtlichen Epoche des mittleren Devon, auf verschiedenen Kontinenten. Dazwischen schwappte ein 300 Kilometer breiter Meeresarm, der Lebensraum jenes Gliedertieres, das mit der breiten Krempe seines Kopfschildes seinem lateinischen Namen alle Ehre machte. Trotz tropischen Klimas sproß an den Küsten seines Heimatmeeres seinerzeit erst spärliches Grün. Bis die Ahnen der späteren Dinosaurier (und einer noch späteren zweibeinigen Spezies) durch die immer dichteren Schachtelhalmwälder streiften, sollten noch etliche Millionen Jahre vergehen. Kein Nachfahre dieser ersten Landwirbeltiere würde Harpes macrocephalus jemals lebend begegnen, ebensowenig wie irgend einem Abkömmling der über tausend anderen Trilobitenarten, die aus dem mittleren Devon bekannt sind.

          Die Trilobiten sind trotz ihres Aussehens weder die Ahnen der Krebse noch der Käfer, sondern teilen sich mit diesen einen unbekannten gemeinsamen Vorfahren. Auch befanden sie sich, als das Leben im Devon aufs Land strebte, bereits auf dem absteigenden Ast. Ihre große Zeit lag damals schon mehr als 100 Millionen Jahre zurück. In der Jugend des Erdaltertums war die Erde der Planet der Trilobiten gewesen, allerdings nur die Ozeane, denn die Kontinente waren - bis auf winzige moosartige Gewächse, wie man seit kurzem vermutet (Nature vom 18. 9. 2003) - noch kein Teil der Biosphäre. Die Eroberung des Landes im Devon fand ohne die Trilobiten statt. In den 130 Millionen Jahren, die dieser Tierklasse bis zu ihrem vollständigen Aussterben am Ende des Perm noch blieben, haben sie selbst Süßwasser immer gemieden.

          Alle Nischen genutzt

          In den Ozeanen dagegen besetzten sie offenbar jede erdenkliche ökologische Nische, nicht nur in ihrem bevorzugten Lebensraum, dem sonnendurchfluteten Grund flacher Meere, sondern bis hinab in die lichtlose Tiefsee und hinaus in den offenen Ozean. Im Meer wuchsen sie aus Larven heran, im Meer häuteten sie sich und streiften dabei wiederholt ihre vielgliedrigen Panzer ab - und das Meer war ihr Grab.

          Als dieser Trilobit gefunden wurde, durfte im Trilobitendorado bei Gerolstein noch jeder sammeln. Heute ist das streng verboten

          Etwa 120 Kilometer westlich der heutigen Mainmetropole gab es eine Lagune, in der besonders viel feiner Kalkschlamm ihre Häutungsreste und Leichen bedeckte und so deren mal schlichte, mal pompöse, mal bizarre Formen konservierte. Die Trilobitenfelder bei Gees in der Eifel gehören zu den klassischen Fundorten versteinerter Trilobiten des Devon. Schon Alexander von Humboldt kam zum Fossiliensammeln hierher, und einer Anekdote zufolge fand er so viele, daß er Bauersfrauen, die dort auf den Feldern arbeiteten, ihre langen Wollstrümpfe abkaufte, um seine Schätze abtransportieren zu können.

          Nur weniges gut erhalten

          Weitere Themen

          Verhängnisvolle Selbstverteidigung

          Notwehr-Urteil : Verhängnisvolle Selbstverteidigung

          Der Prozess gegen Fredy Pacini, der einen Einbrecher erschoss, bewegt Italien seit Monaten. Nun hat die Staatsanwaltschaft die Klage fallen lassen – dem Werkstattbesitzer hilft das aber nur wenig.

          Kuhdung statt Klimaanlage Video-Seite öffnen

          Inderin will Umwelt schützen : Kuhdung statt Klimaanlage

          Wenn Sejal Shah durch ihre Stadt Ahmedabad fährt, machen Passanten große Augen. Denn die indische Hausfrau hat ihr Auto mit Kuhdung verkleidet. Ziel ist es, das Auto auf umweltfreundliche Weise zu kühlen - ohne Klimaanlage.

          Neuer Atomeisbrecher vom Stapel gelaufen Video-Seite öffnen

          In Russland : Neuer Atomeisbrecher vom Stapel gelaufen

          In der russischen Stadt Sankt Peterburg ist ein neuer Eisbrecher vom Stapel gelaufen. Das Schiff trägt den Namen „Ural" und wird durch einen Kernreaktor angetrieben. Es kann eine bis zu drei Meter dicke Eisdecke durchbrechen und ist damit einer der stärksten Eisbrecher der Welt.

          Topmeldungen

          Lega-Chef Matteo Salvini

          Europawahl : Salvini verbucht Rekordergebnis in Italien

          Die ausländerfeindliche Partei Lega hat in Italien erstmals bei einer landesweiten Wahl die meisten Stimmen geholt. In einer Siegesrede verspricht Parteichef Matteo Salvini seinen Anhängern, „dass sich die Regeln Europas ändern werden“.
          Angst vor Populisten und der Wunsch nach einer anderen Klimapolitik haben die Menschen in Europa an die Wahlurnen getrieben.

          Die EU hat gewählt : Europas Ängste

          Zu wenig Klimaschutz, zu viel Nationalismus: Wegen dieser Sorgen haben sich viel mehr Bürger an der Europawahl beteiligt. Nicht in allen Ländern wurden die Rechtspopulisten jedoch ausgebremst.
          Großer Jubel bei Sebastian Wippel, dem AfD-Landtagsabgeordneten und Oberbürgermeisterkandidaten in der sächsischen Stadt Görlitz

          Europawahl : AfD siegt in Brandenburg und Sachsen

          Die AfD erreicht bei der Europawahl in Ostdeutschland große Zugewinne. In zwei Ländern ist sie nun stärkste Kraft – ein Fingerzeig für die Landtagswahlen im Herbst?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.