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Forscherpreis 2001 : Vier Erfindungen stehen beim Zukunftspreis in der engeren Wahl

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Eine künstliche Leber, Sprachsysteme für verständnisvolle Computer, Messverfahren für Laserlicht und genau dosierbare Strahlenfelder stellen die Jury bei der Entscheidung für den diesjährigen Träger des Zukunftspreises des Bundespräsidenten vor die Qual der Wahl.

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          Eine künstliche Leber, Sprachsysteme für verständnisvolle Computer, Messverfahren für Laserlicht und genau dosierbare Strahlenfelder stellen die Jury bei der Entscheidung für den diesjährigen Träger des Zukunftspreises des Bundespräsidenten vor die Qual der Wahl. Die vier Projekte wurden aus einer Vielzahl von Vorschlägen für die Endauswahl benannt und nur eines von ihnen bekommt am Donnerstag die hohe Auszeichnung.

          Künstliche Leber

          Drei der Forscher, die als Team für den Deutschen Zukunftspreis nominiert wurden, arbeiten an der Universität Rostock. Es handelt sich um Stephan Aldinger, Steffen Mitzner und Jan Stange von der „TERAKLIN AG“. Sie haben die künstliche Leber MARS entwickelt, die bei akutem und chronischem Leberversagen eingesetzt werden kann. Es handele sich um eine „weltweit einzigartige Methode“, betonten die Forscher. Die Technik ähnelt dem Dialyseprinzip: Das Blut des Patienten wird in einen externen Kreislauf geleitet. Blut und Reinigungsflüssigkeit strömen aneinander vorbei und sind durch eine Membran getrennt.

          Deren Poren sind so fein, dass durch sie nur die eiweißgebundenen und wasserlöslichen Giftstoffe passieren können. In der Reinigungsflüssigkeit befinden sich genau die Transporteiweiße, die im Körper die Entgiftungsfunktion übernehmen. Mit ihrer Hilfe werden die mit Giftstoffen überladenen Eiweiße im Blut „ausgetrickst“: Sie werden an die Membran gelockt und geben die Toxine dort frei. In einem zweiten Kreislauf wird die Reinigungsflüssigkeit von den Giftstoffen befreit und kann wieder zur Therapie eingesetzt werden. Dieser Prozess gewährleistet nach Aussage der Erfinder eine kontinuierliche Therapie und spart Behandlungskosten.

          Optischer Frequenzkamm

          Als zweiter möglicher Preisträger wird dort der Münchner Forscher Theodor Hänsch genannt. Er ist am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching tätig. Hänsch entwickelte ein Verfahren für die Messung und Regelung der Frequenz von Licht und hat damit ein 40 Jahre altes - seit Anfang der Lasertechnik bestehendes - Problem gelöst. Er zeigt auf, wie ein einziger Sekundenlaser gleichzeitig Hunderttausende von scharfen Laserlinien erzeugen kann. Der damit entstehende optische Frequenzkamm erstreckt sich über den ganzen sichtbaren und nahen infraroten Spektralbereich. Die absolute Frequenz jeder einzelnen Linie des Kammes kann Hänsch mit extrem hoher Genauigkeit bestimmen. Diese Technik eröffne vielversprechende Perspektiven insbesondere im Bereich der optischen Nachrichtentechnik, wie beispielsweise bei der Weiterentwicklung des Mobilfunkstandards UMTS.

          Neues Verfajren zur Strahlentherapie

          Bei den dritten Anwärtern auf den Preis wird ein Team vom Krebsforschungszentrum Heidelberg genannt. Es handelt sich um Wolfgang Schlegel, Thomas Bortfeld und Jürgen Peter Debus. Sie haben ein neues Verfahren zur Strahlentherapie entwickelt, bei dem die Intensität innerhalb eines Strahlenfeldes verändert werden kann. So ermöglicht es Bestrahlungen mit unterschiedlicher Dosis. Dies war bisher insbesondere bei kompliziert geformten Tumoren oder solchen, die neben empfindlichen Risikoorganen wie Rückenmark oder Sehnerv liegen, kaum möglich.

          Übersetzungsassistent

          Als vierter Kandidat darf sich der Forscher Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken Hoffnungen auf den Preis machen. Er hat sprachverstehende Computer als Dialog- und Übersetzungsassistenten entwickelt. Damit habe er Voraussetzungen geschaffen für „den weltweiten Zugriff von jedermann auf das gesamte digital gespeicherte Wissen der Welt“, wird diese Nominierung begründet.

          Durch seine Entwicklung wird der Computer vom komplexen Werkzeug für Experten zum Dialogpartner, der die menschliche Alltagssprache versteht und selbst spricht. Möglich wurde dies durch die Zusammenarbeit von Informatikern, Linguisten, Sprachpsychologen, Nachrichtentechnikern, Kommunikationswissenschaftlern, Spezialisten der Computerlinguistik und der Künstlichen Intelligenz. Der Gruppe um Wahlster ist die Entwicklung einer Sprachverarbeitungsmethode gelungen, die Spontansprache analysieren und übersetzen kann.

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