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Formel 1 : Zickenkrieg

  • -Aktualisiert am

Königin Cora oder doch nur Frau Schumacher Bild: dpa

In der Boxengasse schlägt das technische Herz der Formel 1, im Fahrerlager das emotionale. Hier spielen die Geschichten, die den Boulevard speisen. Die Boxenluder mußten den Fahrerfrauen Platz machen.

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          Das Fahrerlager ist eine schmale Asphaltstraße, gesäumt von Lastwagen. Eine Mischung aus Autoraststätte und Vier-Sterne-Campingplatz, auch wenn die Wohnmobile auf der anderen Seite der Straße Motorhomes heißen, Ausmaße von Einfamilienhäusern haben und als Statussymbole der einzelnen Rennställe gelten. Männer reden mit Männern über Startautomatik, Aerodynamik, Bremsflüssigkeit, Männer transportieren mit Sackkarren riesige Reifenstapel, Männer in Rennanzügen hetzen über die Straße, als gelte es auch im Gehen Bestzeit zu erreichen.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Boxengasse schlägt das technische Herz der Formel 1, im Fahrerlager das emotionale. Hier spielen die Geschichten, die den Boulevard speisen. Die wichtigsten Protagonisten aber sind nicht unbedingt die Fahrer, sondern die Frauen, die dem von High-Tech und Motorenlärm geprägten Männersport Glamour verleihen sollen.

          Aber sonst ist die Boxengasse frauenfrei

          Den Status von Randfiguren, von nettem Beiwerk haben sie freilich nie verlassen. Zwar gibt es Frauen, die zur Arbeit an die Rennstrecke kommen, die meisten aber machen Pressearbeit, Catering oder sind sogenannte Gridgirls - Mädchen, die hübsch anzusehen und meist auch sexy angezogen sind. Zu ihren Aufgaben an der Strecke gehören Handlangertätigkeiten wie Fahnen hochhalten. Immerhin: Toyota hat eine Elektronikerin und BMW-Williams eine Aerodynamikerin - aber sonst ist die Boxengasse frauenfrei.

          Neue Zurückhaltung: Corinna Schumacher
          Neue Zurückhaltung: Corinna Schumacher : Bild: dpa

          Früher wurden an diesen sagenumwobenen Ort vor den Rennen manchmal Mädchen gekarrt, die lasziv vor den Autos posierten. Seitdem spricht man von Boxenludern. Ihr Mythos wird aber nur noch von der "Bild"-Zeitung aufrechterhalten, die den Begriff irgendwann auch mal geprägt haben soll. Auf ihrer Homepage veröffentlichen sie eine "Weltkarte der Boxenluder", aber von den angekündigten "scharfen Schönheiten aus der Puszta" ist am Sonntag beim Grand-Prix-Rennen in Budapest nicht viel zu sehen.

          Team-Order beendet Zickenkrieg

          Bleiben die Fahrerfrauen. Aber auch die halten sich in dieser Saison auffallend zurück. Neueinsteigerin Heidi Klum ist zwar angereist und ißt mit ihrem Freund, Renault-Teamchef Flavio Briatore, artig zu Mittag. Den Rest des Tages aber sitzt sie gelangweilt im düsteren Motorhome und streichelt ausdauernd ihre angesichts des Motorenlärms sichtlich nervöse Terrier-Hündin Sheila. Heidi Klum trägt Jeans und T-Shirt, redet nicht mit der Presse und läßt sich nur ungern fotografieren, ganz so, als wolle sie demonstrieren: Ich bin hier Fahrerfrau und nicht Top-Model.

          Corinna Schumacher kümmert sich lieber um die Kinder

          Ruhe auch im Hause BMW-Williams. Angeblich bedurfte es einer Team-Order, den Zickenkrieg zwischen den beiden Fahrerfrauen zu beenden. Connie Montoya soll über das freizügige Auftreten von Cora Schumacher gelästert haben, die in den Medien als "Königin der Formel 1" tituliert wurde. Schließlich schaltete sich sogar der als bodenständig bekannte Schumacher-Manager Willi Weber ein und mahnte in einem Interview, daß die Darstellung von Cora und Ralf in der Öffentlichkeit - auch die deutschen Beckhams genannt - sich ändern müsse. "Das ist seine Frau Cora - und nicht die Königin." Artig ließen die beiden sich bei den Salzburger Festspielen fotografieren - Cora in einem hochgeschlossenen, schwarzen Kleid.

          Fahrerfrauen definieren sich zunehmend als Hausfrauen. Corinna Schumacher, die Frau von Mehrfach-Weltmeister Michael, kommt selten zu den Rennen und kümmert sich lieber um die Kinder in der Schweiz. Auch das Model Simone, seit zwei Jahren Freundin von David Coulthard, hält sich aus dem Formel-1-Zirkus heraus. Dafür sorgt sie im luxuriösen Wohnmobil, mit dem die beiden zu den Rennen kommen, für eine heimelige Atmosphäre. "Simone kocht mir abends Huhn oder frischen Fisch - immer etwas Gesundes", erzählt Coulthard fast stolz.

          Müde Fahrer kann sich kein Rennstall leisten

          Seit Eddie Irvine im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging, gibt es keinen Playboy mehr unter den Fahrern. Über den Briten kursieren wilde Geschichten, keine seiner Frauen überdauerte die Formel-1-Saison, manche nicht mal eine Nacht. Am Wochenende zeigte sich der kleine Brite auch in Budapest, diesmal in seiner Funktion als Geschäftsmann und selbstverständlich mit passendem Statussymbol auf zwei Beinen: Die amtierende Miss Slowakei stakste in High-Heels und Jeans-Minirock an seiner Seite durch das Fahrerlager, Irvine redete, sie lächelte, die beiden kennen sich seit zwei Wochen.

          Aber auch Irvine war schon immer eine Ausnahme im Fahrerlager. Die Zeiten, als das Verhältnis von Rennen und Party im Verhältnis eins zu eins stand, sind lange vorbei. In den siebziger Jahren waren verheiratete Fahrer noch die Ausnahme. "Wir hatten damals viel mehr Freizeit", erzählt Hans-Joachim Stuck, der damals einige Jahre in der Formel 1 fuhr und mittlerweile für einen Fernsehsender die Rennen kommentiert. "Die Fahrer konnten eine Stunde nach den Trainingsfahrten verschwinden und auf Partys gehen." Heute haben sie während der Rennen gar nicht die Zeit, sich mit etwas anderem als ihren Boliden zu beschäftigen. Es geht um viel Geld, und müde Fahrer kann sich kein Rennstall leisten.

          Groupies von Chipkarten gebremst

          Am wildesten ist Stuck der Grand Prix im amerikanischen Watkins Glen in Erinnerung geblieben. Nach den Rennen flogen die Fahrer mit Hubschraubern nach New York und feierten im legendären "Studio 54" bis in die frühen Morgenstunden - natürlich mit weiblicher Begleitung.

          Heute reglementieren Chipkarten den Zugang zum Fahrerlager, die nicht jedem ausgehändigt werden. Damals mußten Groupies nur einen Türsteher kennen und waren schon an der Strecke. "Das Fahrerlager bestand ohnehin nur aus Zelten und Tischen mit Gartenstühlen", erinnert sich Hans-Joachim Stuck. Früher galt James Hunt neben Jochen Maas als der größte Playboy mit den besten Chancen bei den damals noch namenlosen Boxenludern -- vielleicht, weil ihm von seinem Sponsor ein Wohnmobil gestellt wurde.

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