https://www.faz.net/-gum-nocb

Flugzeugunglück im Kongo : Auch Frauen und Kinder unter den mehr als 120 Opfern

  • Aktualisiert am

Das Flugzeugunglück im Kongo Bild: dpa

Mehr als 120 Passagiere, darunter auch Kinder, sind vermutlich über der Demokratischen Republik Kongo aus einem Flugzeug gestürzt, als sich während des Fluges in 2.200 Metern die Laderampe öffnete. Der kongolesische Informationsminister spricht hingegen von sieben Toten.

          Vermutlich mehr als 120 Passagiere sind bei einem Flug über der Demokratischen Republik Kongo aus einem Flugzeug gestürzt, darunter auch Kinder. Das berichteten Militärs am Freitag in der Hauptstadt Kinshasa.

          Bei der Maschine sowjetischer Bauart, Typ Iljuschin-76, hätten sich bei einem Flug am Donnerstag abend von Kinshasa nach Lubumbashi in einer Höhe von 2.200 Metern plötzlich Türen und Laderampe geöffnet. Ursache sei ein Versagen des Drucksystems gewesen, sagte am Freitag ein Militärvertreter in Kinshasa. „Alle wurden herausgesogen und sind vermutlich tot.“

          Widersprüchliche Angaben

          Aus russischen Luftfahrt-Kreisen verlautete, es seien wohl 129 Menschen an Bord gewesen. Allein die aus Rußland stammende Crew habe überlebt. Das Flugzeug habe auf halber Strecke kehrtgemacht und landete am Abend wieder in Kinshasa. Kongos Minister für Frieden, Vital Kamere, bestätigte bislang lediglich, die Rampe des Flugzeugs habe sich in der Luft geöffnet. Es habe Notfälle gegeben.

          Das Unglücksflugzeug: eine Iljuschin 76 (Archivbild)

          Ein überlebender Soldat in einem Krankenhaus in Kinshasa berichtete der Nachrichtenagentur Reuters zufolge: „Etwa 200 Menschen waren im Flugzeug - Soldaten und ihre Familien, Frauen und Kinder". Es gebe nur rund 20 Überlebende.

          In einer im staatlichen Fernsehen verlesenen Erklärung der kongolesischen Regierung hieß es dagegen, es gebe keine Opfer. Die Regierung teilte mit, die Armee werde Journalisten zum Flughafen der Hauptstadt bringen, damit sie die Transportmaschine sehen könnten. Informationsminister Kikaya Bin Karubi erklärte, nur sieben Soldaten seien bei dem Unfall ums Leben gekommen.

          „Sie sollten den Frachtflug von Kinshasa nach Lubumbashi begleiten und wurden aus der offenen Rampe gerissen“, sagte Karubi. Armee und Hilfskräfte suchten den Boden der Unglücksregion bis zum Freitagabend vergeblich nach Körpern ab. Zuvor hatte die kongolesische Regierung im staatlichen Fernsehen verlauten lassen, es habe keine Todesopfer gegeben.

          Charterflug der Armee

          Die viermotorige Iljuschin war von der kongolesischen Armee für einen Flug in die südliche Stadt Lubumbashi gechartert worden. Bei den Fluggästen habe es sich sowohl um Militärs als auch Zivilisten gehandelt. In Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt des Landes, unterhält die Armee eine große Militärbasis.

          Professor Cord Rossow vom Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig vermutet, daß die Passagiere aus dem offenen Laderaum „herausgerutscht“ sind. „Der Druckunterschied spielt in dieser Höhe keine so große Rolle“, erklärte der Experte in einem dpa-Gespräch. Der Pilot habe eventuell nach dem plötzlichen Verlust der Ladeluke versucht, die Lage der Iljuschin zu stabilisieren und dabei die Nase der Maschine nach oben gezogen.

          „Zusammen mit den Turbulenzen und der Panik kann das dazu geführt haben, daß die Menschen herausgefallen sind“, sagte Rossow. Hinzu käme, daß die Frachtmaschinen keine fest geschraubten Sitzreihen hätten, die den Menschen Halt bieten könnten.

          Alte Maschinen

          Die Iljuschin 76 ist ein Transportflugzeug mit vielen Einsatzmöglichkeiten, das in Afrika, dem Nahen Osten, Indien und China trotz seines Alters noch häufig eingesetzt wird. Weil die Straßen Kongos in einem sehr schlechten Zustand sind, müssen weite Entfernungen mit dem Flugzeug zurückgelegt werden. Die Maschinen sind jedoch häufig alt und schlecht gewartet.

          In der Demokratischen Republik Kongo kommt es immer wieder zu schweren Flugzeugunglücken. Das bislang folgenschwerste Unglück ereignete sich im Januar 1996, als die Besatzung einer überladenen russischen Antonow den Start vom Flughafen Kinshasa abbrechen mußte. Die Maschine raste in einen belebten Markt, der direkt neben der Startbahn aufgebaut war. Nach offiziellen Angaben starben damals 365 Menschen, inoffizielle Schätzungen gingen von mehr als 800 Todesopfern aus.

          Weitere Themen

          Hauptsache, die Sache ist überstanden

          Brustkrebs : Hauptsache, die Sache ist überstanden

          Zwei kleine weiße Flecken in der Brust veränderten ihr Leben: Sylvia Reichardt ist eine von 70.000 deutschen Frauen, die jedes Jahr an Brustkrebs erkranken. Über den Weg zu einer neuen Brust.

          Topmeldungen

          Es bleibt ein Rätsel, woher May die politische Kraft nehmen will, das Land wieder zu befrieden.

          May nach dem Misstrauensvotum : Das kleinste Übel

          Theresa May ist unfähig, eine – zugegeben – schwierige Situation zu meistern. Aber ihr steht keine organisierte und regierungsfähige Opposition gegenüber. So darf die Premierministerin also weitermachen. Ein Kommentar.
          Ministerpräsident Tsipras kann weiterregieren

          Umbenennung von Mazedonien : Tsipras gewinnt Vertrauensabstimmung

          Alexis Tsipras hat die Vertrauensabstimmung knapp gewonnen. 151 der insgesamt 300 Abgeordneten stellten sich hinter den griechischen Ministerpräsidenten. Damit kann der Namensstreit mit Mazedonien beendet werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.