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Flugzeugabsturz vor libanesischer Küste : Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Die Angehörigen mussten inzwischen alle ihre Hoffnungen begraben Bild: AFP

Vor der libanesischen Küste suchen Helfer weiter nach möglichen Überlebenden des Flugzeugabsturzes. Bis zum späten Nachmittag bargen die Einsatzkräfte die Leichen von 30 Passagieren aus dem Meer, darunter die von zwei Kindern.

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          Eine Armada von Schiffen, Flugzeugen und Hubschraubern hat am Montag nach überlebenden Insassen einer Passagiermaschine gesucht, die mit 90 Menschen an Bord vor der Küste Libanons abgestürzt ist. Für die 90 Menschen an Bord des verunglückten Verkehrsflugzeugs der Ethiopian Airlines bestand kaum Hoffnung, den Absturz ins Meer vor der libanesischen Küste überlebt zu haben. Bis zum späten Nachmittag bargen die Einsatzkräfte die Leichen von 30 Passagieren aus dem Meer, darunter die von zwei Kindern.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die libanesische Regierung hält einen Terroranschlag als Ursache für den Absturz für unwahrscheinlich. Staatspräsident Michel Suleiman sagte, es spreche nach ersten Ermittlungen nichts für einen terroristischen Hintergrund oder für Sabotage. Die Boeing 737-800 der Gesellschaft „Ethiopian Airlines“ war mit 90 Menschen an Bord am Montagmorgen wenige Minuten nach dem Start ins Meer gestürzt. Der libanesische Verkehrsminister Gahzi Aridi wies laut Agenturberichten auf das stürmische Wetter hin, das zum Zeitpunkt des Unglücks geherrscht habe. Die libanesische Armee teilte mit, die Maschine habe unmittelbar nach dem Start kurz nach zwei Uhr morgens Feuer gefangen. Augenzeugen berichteten, dass das Flugzeug, das auf dem Weg in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba war, in einem Feuerball ins Meer gestürzt sei. Ein Flughafensprecher sprach von einem Blitz, der ins Flugzeug eingeschlagen sein könnte. Es kommt allerdings selten vor, dass Blitze ein Flugzeug zum Absturz bringen.

          Das Wrack soll in 500 Metern Tiefe liegen

          Rettungskräfte aus dem Libanon, aus Zypern sowie von der UN-Friedenstruppe Unifil machten sich sofort auf die Suche nach Überlebenden. Das seit dem Wochenende herrschende äußerst schlechte Wetter mit Stürmen und Gewittern, die im Land schon Überschwemmungen zur Folge hatte, erschwerte die Bemühungen; bis zum Nachmittag wurde nur die Bergung von mehreren Leichen gemeldet. Den Einsatz an der Absturzstelle, die knapp vier Kilometer von der Küste entfernt liegt, leitete das deutsche Marineschiff „Mosel“. Auch das Marineboot „Laboe“ beteiligte sich nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam an der Aktion und habe mehrere Leichen geborgen. Das Wrack soll nach Aussagen von Rettern auf dem Meeresgrund in 500 Meter Tiefe liegen. Tatsache ist jedenfalls, dass der Funkkontakt zur Maschine schon kurz nach dem Start abriss.

          Trümmer der Boeing werden an der Küste angespült

          Nach Angaben des libanesischen Verteidigungsministers Elias Murr hat der Pilot des Passagierflugzeugs vor dem Unglück die letzten Instruktionen des Towers ignoriert. Der Kontrollturm in Beirut habe den Piloten wegen eines Sturms zur Umkehr aufgefordert, stattdessen sei die Maschine in die entgegengesetzte Richtung weitergeflogen, sagte Murr am Abend im libanesischen Fernsehen. „Wir wissen nicht, was passiert ist und ob der Pilot das Flugzeug noch unter Kontrolle hatte“, fügte der Minister hinzu.

          Das libanesische Verkehrsministerium teilte weiter mit, an Bord des Flugzeugs hätten sich 54 Libanesen und 22 Äthiopier befunden. Zu den Passagieren zählten auch zwei Briten, ein Iraker, ein Syrer sowie die Ehefrau des französischen Botschafters im Libanon, wie die französische Botschaft in Beirut unterdessen bestätigte. Mehrere Libanesen hatten offenbar eine zweite Staatsangehörigkeit. Zudem waren sieben Besatzungsmitglieder im Flugzeug.

          Herzzerreißende Szenen

          In der VIP-Lounge des Beiruter Flughafens spielten sich am Montagvormittag herzzerreißende Szenen ab: Weinende Väter und schluchzende Mütter und Ehefrauen trauerten um ihre Angehörigen. „Mein Sohn und meine Neffen waren an Bord“, klagte die Hausfrau Um Ali Dschaber, die aus der Kleinstadt Nabatijeh im südlichen Libanon angereist war. „Mein Mitgefühl ist mit Ihnen“, versuchte sie der junge Ministerpräsident Saad al-Hariri zu trösten. „Wir werden alles tun, um die Überlebenden zu finden.“ Tatsächlich hatten sich die Hoffnungen der verzweifelten Angehörigen noch eine Zeitlang an erste Medienberichte geklammert, denenzufolge die libanesische Armee sieben Menschen aus dem stürmischen Meer gerettet hätte. Doch diese Hoffnungen zerstoben, als klar wurde, dass die Rettungskräfte bislang nur Leichen geborgen haben.

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