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Chaos am Flughafen München : Ein Plastikbeutel, gestrichene Flüge und ein Großeinsatz

  • Aktualisiert am

Lange Wartezeit in Aussicht: Am Münchner Flughafen ist ein komplettes Terminal gesperrt worden. Bild: dpa

Sicherheitskräfte sperrten über sieben Stunden zwei Terminals, mehr als 200 Flüge fielen aus: Der Münchener Flughafen erlebte einen Chaos-Tag in der Hitze. Die Frau, die all das auslöste, ist nun identifiziert.

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          Zunächst wusste niemand so recht, was eigentlich los war. Zahlreiche Passagiere verharrten im Terminal 2 des Münchener Flughafens, warteten darauf, dass sie ihr Gepäck abgeben können, bevor es endlich in den Urlaub gehen sollte. Doch daraus wurde erst einmal für Viele nichts. Sicherheitskräfte hatten das Terminal zum Teil sogar geräumt. Per Lautsprecherdurchsage wurde schließlich dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. In der Hitze, die durch die gläserne Fassade hereinbricht, kein so leichtes Unterfangen. Viele Passagiere verloren die Geduld. Erst rund fünf Stunden nach dem Vorfall konnte der Sicherheitsbereich des Gebäudes wieder freigegeben werden.

          Erst danach erfahren die zahlreichen Fluggäste, dass eine Frau unkontrolliert in den Sicherheitsbereich der Halle eingedrungen war, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte. Nach ihr wurde mit Videoaufnahmen gefahndet. Sie wurde mittlerweile identifiziert, gilt aber nicht als gefährlich. Wahrscheinlich hat sie von dem ganzen Trubel gar nichts mitbekommen, weil sie schon längst abgeflogen sei, wie der Bayrische Rundfunk (BR) berichtet.

          Nach Angaben einer Sprecherin des Flughafens war sie zunächst ordnungsgemäß an einem Bodyscanner kontrolliert worden. Jedoch beanstandeten Sicherheitsleute ihr Handgepäckstück. Konkret sei sie dazu aufgefordert worden, ihre zahlreichen mitgeführten Flüssigkeiten in die vorgeschriebenen 100-Milliliter-Fläschchen zu verpacken. Dafür sei sie noch einmal aus dem Sicherheitsbereich herausgegangen, um sich diese zu besorgen. Später sei die Frau ohne das Gepäckstück zurückgekommen und dann ohne Kontrolle in den gesicherten Bereich gelangt. Entgegen einer klaren Anweisung habe das Sicherheitspersonal keinen Alarm ausgelöst, sagte die Sprecherin weiter. Erst nachdem die Aufsichtsbehörde, das Luftamt Südbayern, über den Vorfall Kenntnis hatte, wurde die Bundespolizei informiert. Diese wiederum ordnete die Räumung von Terminal 2 und des dazugehörigen Satelliten-Terminals an.

          Ganz schön enges Gedränge: Passagiere warten auf ihre Flüge wegen eines Sicherheitslecks am Münchener Flughafen.

          Deshalb fielen mindestens 200 Flüge aus. Bei rund 60 Flügen sei es zu Verspätungen von mehr als einer halben Stunde gekommen, teilte der Flughafenbetreiber mit. Erst mehr als sieben Stunden nach Beginn des Polizeieinsatzes hoben wieder erste Flieger von den betroffenen Terminals ab. Weil in den Lautsprecherdurchsagen zunächst nur von einem Polizeieinsatz die Rede war, machte sich unter den Passagieren auch Unsicherheit breit. Dazu sei das Internet überlastet gewesen, Informationen erhielten die Fluggäste keine. Das berichtet Stefanie Fach, die mit ihren Kindern nach Irland wollte, in der überhitzten Abflughalle der dpa. Wie sie wollten Tausende Urlauber am Wochenende zu Beginn der sechswöchigen Sommerferien in Bayern vom Münchner Airport in den Urlaub starten. Vor den Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Das Flughafenpersonal verteilte Wasser an die Wartenden und die Feuerwehr leitete mit speziellen Großlüftern frische Luft in die überhitzte Wartehalle, bis etwa ab 14 Uhr der Flugbetrieb von den betroffenen Terminals wieder aufgenommen werden konnte.

          Auswirkungen auf Landungen am Flughafen München hatte die Räumung nicht. Von der Sperrung nicht betroffen war das Terminal 1. Flüge starteten dort weitgehend planmäßig.

          Der Flug von Familie Fach nach Irland wurde gestrichen. Wann und wo es wie weitergeht – davon haben sie am frühen Nachmittag immer noch keine Ahnung. Die Großeltern aus Rosenheim sind mittlerweile zum Flughafen gekommen und kümmern sich um die Kinder. „Am Ende müssen sie uns wieder mit heim nehmen“, sagt Stefanie Fach enttäuscht.

          Der Flughafen München ist der größte Airport im Freistaat und der zweitgrößte in Deutschland. In den kommenden sechs Wochen werden nach Angaben der Betreiber voraussichtlich mehr als 6,5 Millionen Reisende am Flughafen starten, landen oder umsteigen. Der Airport hat zwei Abfertigungsgebäude. Das betroffene Terminal 2 wird gemeinsam von der Betreibergesellschaft und der Lufthansa betrieben. Von dort aus heben die Maschinen von Deutschlands größter Fluggesellschaft und deren Partner-Airlines ab.

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