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Flughafen Köln-Bonn : Ursache für Beinahe-Katastrophe weiter unklar

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Öldampf im Cockpit: Da merkt der 35 Jahre alte Pilot, wie ihm wie ihm „im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne“ schwinden. Bild: dpa

Dem Piloten war schwindlig, der Co-Pilot konnte nicht mehr fliegen. Im Dezember 2010 geriet ein Airbus A319 von Germanwings beim Landeanflug in Schwierigkeiten. Nach zwei Jahren bleiben die Ermittler ratlos zurück.

          Die Ursache für den schweren Zwischenfall an Bord eines Airbus A319 der Germanwings während des Landeanflugs auf den Flughafen Köln-Bonn im Dezember 2010 bleibt ungeklärt. „Es hat ein heftiges Ereignis gegeben, das steht außer Frage. Seine Entstehung konnte aber nicht ermittelt werden“, sagte Johann Reuß von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bei der Vorstellung des Abschlussberichts in Braunschweig. Technische Ursachen könnten ausgeschlossen werden, auch auf eine Vergiftung habe es keine Hinweise gegeben. Die Ermittler meinen, dass „physiologische und psychologische Wirkungen der Gerüche auf beide Besatzungsmitglieder“ zu der Situation beigetragen haben könnten.

          Die Piloten hatten kurz vor der Landung im Cockpit einen „verbrannten“ und „elektrischen“ Geruch wahrgenommen, sie verspürten dann starke Übelkeit und Schwindel. Beide Männer setzten ihre Sauerstoffmasken auf. Der Co-Pilot war aber nach eigenen Angaben nicht mehr „in der Lage zu fliegen“. Der Kapitän landete die Maschine mit insgesamt 149 Menschen an Bord. „Die Piloten haben sich mit dem Aufsetzen der Masken richtig verhalten. Der Anflug und die Landung waren stabil“, erklärte Untersuchungsführer Reuß.

          „Medizinisches Gutachten fragwürdig“

          Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisierte den Abschlussbericht. „Es gibt einige Aspekte, die sich widersprechen. Er ist aus unserer Sicht nicht wirklich unabhängig und tendenziös“, erklärte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg. Ohne ausreichende Faktenlage würden mögliche Ursachen ausgeschlossen, das medizinische Gutachten sei zudem fragwürdig. Psychologische Effekte sieht Handwerg nicht. „Wir wissen sehr detailliert, was im Cockpit passiert ist. Es gab starke körperliche Beschwerden.“ Ein bestimmter Blutwert beim Co-Piloten sei zudem so hoch gewesen, dass von einer Vergiftung auszugehen sei.

          Die Braunschweiger Experten hatten erst ein Jahr nach dem Zwischenfall begonnen zu ermitteln. Sie trugen technische Daten des Flugzeugs, medizinische Befunde, Zeugenaussagen und Expertenbewertungen zusammen. Aus einer Panne bei der Erstmeldung nach dem Zwischenfall seien Konsequenzen gezogen worden. „Mitarbeiter sind nachgeschult und eine Checkliste überarbeitet worden“, erklärte Chefermittler Reuß.

          Germanwings begrüßte den Abschlussbericht. Die Piloten hätten alle Maßnahmen ergriffen, um die Maschine sicher zu landen und einer Gefährdung der Menschen an Bord vorzubeugen. Der Vorfall sei aufgearbeitet worden. „Wir sind dadurch sensibilisiert und wir gehen den Vorfall mit allen Piloten durch“, sagte Germanwings-Sprecher Heinz-Joachim Schöttes.

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