https://www.faz.net/-gum-6lgx0

Flughafen Frankfurt : Die Ruhe vor dem Schneesturm

  • -Aktualisiert am

Normalerweise dauert die Enteisung eines Flugzeugs eine Viertelstunde Bild: dapd

Schon bei gutem Wetter ist es eng auf dem Frankfurter Flughafen. Sind Eis und Schnee angesagt, ist das Chaos programmiert. Doch der Ausnahmezustand trifft das Bodenpersonal nicht unvorbereitet.

          Kurz bevor der Schnee kommt, müssen die Schoko- und Müsliriegel da sein. In der Mitte des großen Tischs muss das DIN-A-4-Blatt, „TelCon“ liegen, auf dem die Einwahlnummern für Telefonkonferenzen stehen. Wichtig sind noch: der Beamer, die Leinwand, die Reservetanks für den Wasserspender, dreißig Stühle. Wenn all das im Lagezentrum des Frankfurter Flughafens besorgt ist, kann der Schnee kommen. Und während draußen die Flocken wirbeln, die Start- und Landebahnen zu vereisen beginnen, die Passagiere in langen Schlangen vor den Schaltern stehen und bang jeder Durchsage lauschen, sitzen Thomas Mohr und seine Mitarbeiter in dem ziemlich kleinen und wenig gemütlichen Raum mit der Adresse Terminal 1, Hub-Kontrollzentrum, Raum „ST Lagezentrum“ und versuchen, das ganz große Chaos zu verhindern.

          Mohr leitet das Hub-Kontrollzentrum der Lufthansa am Flughafen Frankfurt: ein riesiges Büro, von dem aus die meisten Flüge abgewickelt werden, die am größten deutschen Flughafen starten und landen. Mehr als fünfzig Schreibtische, mehr als zweihundert Monitore, 24-Stunden-Betrieb – kein Ort, an dem erst wenige Stunden vor Beginn eines Schneesturms über diesen Schneesturm geredet wird. Mohr und seine Leute haben sich in dieser Woche auf das Tief „Petra“ vorbereitet: Den Schnee vom Donnerstagnachmittag hatten sie zu Wochenbeginn schon auf dem Schirm. „Wir haben uns den Donnerstag schon längst für's Schneechaos freigehalten“, sagt Mohr am Dienstag. Noch plaudern und scherzen seine Kollegen an diesem Nachmittag – „daran sehen Sie, dass heute gutes Wetter ist.“ Doch alle wissen, dass es so entspannt nicht mehr lange weitergeht – und die Schokoriegel, Nervennahrung für lange Abende, liegen schon bereit.

          50.000 Passagiere von Verspätungen betroffen

          Es hat in diesem Dezember schon viel Schnee am Frankfurter Flughafen gegeben, und es hat auch schon viel Streit darüber gegeben. Reisende waren wütend, weil sie nicht fortkamen, lange warten oder gar auf Feldbetten im Terminal oder in Hotels übernachten mussten. Die Fluggesellschaften ärgerten sich über Verdienstausfälle; vor allem die Lufthansa, deren Heimatflughafen Frankfurt ist, klagte über die ihrer Meinung nach zu langsame Enteisung der Flugzeuge. Für diese ist die Fraport-Tochter „N*ice“ zuständig. Flughafenchef Stefan Schulte wiederum wies diese Vorwürfe zurück und hielt im Gegenzug der Fluggesellschaft vor, im Wetterchaos vor gut einer Woche nicht genug Boden- und Kabinenpersonal bereitgehalten zu haben. In der vergangenen Woche mussten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag alle drei Flugbahnen für vier Stunden gesperrt werden. Der Ärger war groß, bei allen Beteiligten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimaschutz : Vertraut nicht den Verboten!

          Im Kampf um das Klima gibt es viele Einzelideen. Sie versperren den Blick auf das Notwendige: ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dafür gilt: Lieber gründlich als überhastet.
          Formiert sich gerade eine breite politische Front gegen Salvini? Der italienische Innenminister strebt weiter Neuwahlen an.

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.