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Flughafen Bangkok : Die Taktgeber im Kobra-Sumpf

  • -Aktualisiert am

Alexander Larisch dirigiert Test-Passagiere durch den neuen Flughafen Bild: F.A.Z. - Andreas Spaeth

Der Flughafen Bangkok zieht im September um. Vier Milliarden Dollar kostet das Vorhaben. Damit alles klappt, bereiten Spezialisten aus München diese logistische Herausforderung vor. Eine Reportage von Andreas Spaeth.

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          „Eintritt für Unbefugte streng verboten.“ Der Mann mit Schirmmütze und schwarzer Uniform auf dem Stuhl neben dem Eingang sieht allerdings nicht so aus, als wolle er die Anweisung auf dem Türschild in Englisch und Thai mit vollem körperlichem Einsatz durchsetzen. Er sitzt schlaff an die Wand gelehnt im Halbdunkeln. Es ist stickig und schummrig tief unten in den Katakomben der neuen Vier-Milliarden-Dollar-Anlage.

          Als plötzlich Oliver Kiesewetter vor ihm steht, nimmt der Uniformierte blitzartig Haltung an und salutiert. Kiesewetter öffnet die Tür und entledigt sich seiner Schuhe. Wie in einem der vielen buddhistischen Tempel Bangkoks steht schon eine umfangreiche Sammlung an Schuhwerk am Eingang. Denn auch hier handelt es sich um ein Allerheiligstes: die Kontrollzentrale für die Gepäckförderanlage tief unter dem Passagierterminal des neuen Flughafens der thailändischen Hauptstadt.

          Größte Abfertigungsflächen der Welt unter einem Dach

          Vor ein paar Jahren tummelten sich hier noch meterlange Kobras im sumpfigen Marschland. Nicht umsonst hieß der Landstrich gut 30 Kilometer östlich von Bangkok damals Nong Ngu Hao, übersetzt: Kobra-Sumpf. Dann taufte König Bhumipol das 32 Quadratkilometer große Areal auf den viel klangvolleren Namen Suvarnabhumi: Goldenes Land. Und jetzt steht hier ein nagelneuer Großflughafen mit den größten Abfertigungsflächen der Welt unter einem einzigen Dach. Im September soll er seine Tore für bis zu 45 Millionen Passagiere im Jahr öffnen. Deshalb ist Oliver Kiesewetter schon seit acht Monaten in Thailand: Er berät gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Spezialisten vom Flughafen München die Thailänder beim Probebetrieb und bei der Umzugsplanung.

          Seit ihrem eigenen Umzug von Riem ins Erdinger Moos im Mai 1992 sind die Bayern die erste Adresse, wenn es um die Betreuung einer derartigen logistischen Herausforderung geht. Dabei sind in einer Nacht unter anderem mehr als 20.000 Mitarbeiter, 2000 Gepäckcontainer, 741 Fahrzeuge und 70 Flugzeuge vom alten Flughafen Don Muang zu ihrer neuen Wirkungsstätte in Suvarnabhumi zu expedieren - was wiederum schon bis zu einem Jahr vorher mit 180 beteiligten Firmen und Behörden koordiniert werden muß.

          „Das System darf nicht stehenbleiben“

          Aber der beste Umzug ist nutzlos - wenn am neuen Standort nicht alles vorbereitet und betriebsbereit ist. Genau daran hat es gerade in Asien bei der Eröffnung von Mega-Flughäfen immer wieder gehapert. Vielen Passagieren sind die mißglückten Starts der beiden Großflughäfen von Kuala Lumpur und Hongkong 1998 in schlechter Erinnerung, wo nach glanzvollen Eröffnungsfeiern schon am ersten Tag die Systeme zusammenbrachen und Chaos herrschte. Das größte Problem war jeweils die hochsensible Gepäckanlage. Für Oliver Kiesewetter ist gerade deswegen heute ein besonders wichtiger Tag, denn heute wird die neue Anlage mit ihren über hundert Kilometer langen Förderbändern erstmals auf die Probe gestellt: „Wir nennen das integrierten fortgeschrittenen Probebetrieb.“

          Dazu geben 180 Testpassagiere oben in der Abfertigungshalle Hunderte von Koffern auf. Weitere 2000 Gepäckstücke für fiktive Frachtflüge werden zusätzlich innerhalb einer halben Stunde ins System gefüttert. Obwohl die Anlage eigentlich nur 140 Koffer pro Minute bewältigen kann, wird sie alle 60 Sekunden mit 180 Gepäckstücken vollgestopft. „Das System muß das abarbeiten und darf nicht stehenbleiben“, sagt Kiesewetter.

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