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Flug QZ8501 wird vermisst : Am Flughafen bangen die Angehörigen

Bange Stunden für die Angehörigen am Flughafen von Surabaya Bild: Picture-Alliance

Das Verschwinden des Air-Asia-Flugs QZ8501 in Indonesien besiegelt ein schwarzes Jahr für die Luftfahrt. Die Menschen am Flughafen von Singapur suchen nach Antworten. Doch die Suche nach dem Flugzeug wird erst morgen fortgesetzt.

          Mehr als acht Stunden nach dem Verschwinden der Airbus-Maschine wird der Flug mit der Nummer QZ8501 an seinem Zielflughafen in Singapur immer noch angezeigt. Geplante Ankunftszeit: 8.30 Uhr Ortszeit, heißt es auf dem Bildschirmen. Daneben fehlt allerdings die übliche Angabe über den Status des Flugs der südostasiatischen Billigfluglinie Air Asia. Stattdessen die lapidare Nachricht: „Bitte gehen Sie zum Informationsschalter“. Doch gerade an Informationen mangelt es zu diesem Zeitpunkt noch. Niemand scheint zu wissen, warum die indonesische Flugkontrolle um 7.24 Uhr Ortszeit den Kontakt zu der Maschine verloren hat. Es ist lediglich bekannt, dass der Flugkapitän wegen schlechten Wetters die indonesische Luftfahrtbehörde bat, eine andere Flugroute nehmen zu dürfen. Hinweise auf einen Anschlag und einen politischen Hintergrund gibt es nicht. Ein Mitarbeiter der indonesischen Suchbehörden bestätigte lediglich, dass die Maschine wahrscheinlich abgestürzt sei. Am Sonntagabend haben indonesische Rettungsmannschaften die Suche nach dem verschollenen Flugzeug zunächst unterbrochen. Die Suche soll am Montagmorgen bei Tageslicht fortgesetzt werden, erklärte die zuständige Behörde. Mehr ist noch nicht bekannt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die vielen offenen Fragen treiben offensichtlich auch die anderen Passagiere am Flughafen von Singapur um. Warum schon wieder eine malaysische Airline? Und warum gibt es auch Stunden nach dem Verschwinden immer noch keine genaueren Informationen? „Schon wieder schlechte Nachrichten für mein Land“, sagt die Malaysierin Jessica Ong, die in dem Stadtstaat berufstätig ist und gerade einen Bekannten am Flughafen verabschiedet hat. Erst der Flug MH370, der im März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwand, und der heute immer noch nicht gefunden wurde. Dann der Abschuss des Flugs MH17 über der Ostukraine. „Ich bete für die Sicherheit der Passagiere“, sagt die Frau.

          Die Gerüchteküche brodelt schon

          Für die Passagiere am Flughafen ist es unfassbar, dass nun schon wieder ein Flugzeug mit Verbindungen in Singapurs Nachbarland verschollen ist. „Immer ist Malaysia betroffen. Derzeit machen ihnen dort außerdem noch Überschwemmungen zu schaffen“, sagt Tan Choosen, ein Taxifahrer, der nahezu täglich Passagiere zum Flughafen von Changi fährt. Er glaubt, dass angesichts der Unsicherheit über den Flug von der indonesischen Stadt Surabaya nach Singapur wieder die Verschwörungstheorien blühen werden, wie schon nach dem Verschwinden des malaysischen Flugs MH370. „Solange es keine Beweise gibt, werden viele Geschichten die Runde machen“, sagt der Taxifahrer.

          Die Gerüchteküche brodelt auch am Sonntag schon. Da hilft es auch nicht, dass es sich bei dem Airbus genau genommen gar nicht um ein malaysisches Flugzeug handelt. Es gehört dem Unternehmen Indonesia Air Asia, der indonesischen Schwestergesellschaft der erfolgreichen malaysischen Billigfluglinie. Fast alle Menschen an Bord waren indonesische Staatsbürger, dazu kamen offenbar noch drei Koreaner, ein Franzose, ein Brite, ein Malaysier und ein Passagier aus Singapur. Insgesamt 155 Passagiere und sieben Mitarbeiter der Fluggesellschaft befanden sich in dem Airbus 320-200.

          Keine erhöhte Sicherheitsstufe

          In dem Stadtstaat sind viele erleichtert, dass nicht noch mehr Singapurer unter den mutmaßlichen Opfern befinden. Die Angehörigen werden dort von dem Informationsschalter in das psychologische Betreuungszentrum im Terminal 2 begleitet, sobald anhand der Passagierliste ihre Verwandtschaft zu den Menschen an Bord des Flugzeugs geklärt seien, wie ein Mitarbeiter des Flughafens berichtet. Trotz der ruhigen Zeit zwischen den Feiertagen haben sich Dutzende Journalisten vor dem Zentrum eingefunden. Für sie gibt es wenig zu berichten, ab und zu läuft eine offizielle Person in das mit blickdichten Wänden abgeschottete Betreuungszentrum, darunter ein Flughafenmitarbeiter, ein Psychologe und der Botschafter Indonesiens in Singapur.

          Militärpolizisten laufen am Flughafen Patrouille, aber von einer erhöhten Sicherheitsstufe wegen des verschwundenen Flugzeugs ist bisher keine Rede. Manche Reisende gehen trotzdem nun mit einem mulmigen Gefühl an Bord. „Wir hoffen einfach, dass unser Flugzeug sicher ist“, sagt ein Mann von den Philippinen, der auf seinen Weiterflug wartet. In seinem Arm hält er eng den Körper seines schlafenden Sohnes. „Es ist ein solches Unglück“, sagt der Mann mit dem Namen Ray, der mit seiner Familie auf dem Weg nach Kambodscha ist. Der Stress der Reise ist ihm schon jetzt deutlich anzusehen.

          Am Flughafen herrscht ansonsten die übliche Hektik, wie immer an einem Sonntagabend, wenn viele aus dem Urlaub zurückkehren. Man könnte in dem Trubel schnell vergessen, dass nur Stunden vorher Dutzende Angehörige vergeblich auf ihre Familienmitglieder gewartet hatten. Insgesamt haben sich fast 50 Personen in dem Betreuungszentrum angemeldet. Ein Stockwerk darunter leuchtet noch die Weihnachtsdekoration, einige Reisende lassen sich vor einem Tannenbaum fotografieren. „Es ist schrecklich, besonders so kurz nach Weihnachten und vor dem Neujahr“, sagt der Taxifahrer Tan Choosen. „Keine gute Art, dieses Jahr zu beenden.“

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