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Flug MH370 : Schnellschuss aus Bollywood

Bislang keine Ergebnisse: Auch die Suche mit einem australischen U-Boot blieb erfolglos. Bild: dpa

Es ist noch nicht lange her, da verschwand Flug MH370 von den Radarschirmen. Seither schlagen findige Menschen Profit aus dem Rätsel.

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          Das Rätsel um Flug MH370 beflügelt auch Wochen nach seinem Verschwinden die Phantasie vieler Menschen. In Cannes stellte Anfang der Woche der indische Regisseur Rupesh Paul den Trailer für den ersten geplanten Spielfilm über das verschollene Flugzeug vor. Er deutet in einer Bildsprache, die für Action-Filme typisch sind, eine sich an Bord anbahnende Katastrophe an. Der Regisseur (der auch für den Film „Kamasutra 3D“ verantwortlich zeichnet) wurde dafür von Kommentatoren und Familienangehörigen der auf dem Flug verschollenen Passagiere kritisiert. Sie halten eine solche Ausschlachtung des Themas für verfrüht und unsensibel zu einer Zeit, in der das Wrack des Flugzeugs noch nicht einmal gefunden wurde.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die malaysische Boeing 777 war am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden. Unter den Augen der gebannten Weltöffentlichkeit haben die von Malaysia und Australien angeführten Suchmannschaften große Teile des Südchinesischen Meers und des südlichen Indischen Ozeans durchsucht. Bisher hatten sie keinen Erfolg. Erst am Donnerstag wurde nach einer längeren Unterbrechung wegen technischer Probleme die Untersuchung des Meeresbodens im Indischen Ozean mit der Unterwasserdrohne Bluefin-21 wieder aufgenommen.

          Ohne einen Fund können die Verschwörungstheorien weiter blühen. Anfang der Woche hat der Autor Nigel Cawthorne das erste Buch über MH370 veröffentlicht. Der Londoner Schriftsteller ist Autor von mehr als 100 Titeln („Das Sexleben der Päpste“ und „Das Intimleben amerikanischer Präsidenten“ sind auch auf Deutsch erhältlich). Sein neues Werk „Flight MH370. The Mystery“ ist eine Zusammenstellung der aus Presseberichten bekannten Fakten der vergangenen zehn Wochen, angereichert mit Berichten über frühere Flugzeugunglücke. Es scheint ihm vor allem darum zu gehen, in der Verwertung des wohl größten Rätsels der Luftfahrtgeschichte einer der Ersten zu sein.

          Jedes Buch dieser Art braucht eine neue oder provokante These, um den Verkauf anzukurbeln. Am Ende stellt der Autor deshalb die Vermutung auf, dass das Flugzeug versehentlich abgeschossen worden sei. Sein lapidarer Kommentar: „Solche Dinge passieren.“ Er stützt sich dabei auf zwei schwache Indizien: den nur als Mail bekannten angeblichen Augenzeugenbericht eines neuseeländischen Arbeiters, der zu passender Zeit von einer Bohrinsel im Südchinesischen Meer aus einen Feuerball beobachtet haben will; und die bloße Tatsache, dass zu jener Zeit auf dem Meer eine Übung amerikanischer und asiatischer Militärs abgehalten worden sei. Nach seiner Argumentation versuchen die Beteiligten nun, den wahren Hintergrund zu verschleiern.

          Angehörige der Passagiere kritisierten das Buch sogleich als „voreilig“ und „spekulativ“. Es sind Vorwürfe, die auch auf andere Berichte über MH370 passen. So hat sich in dieser Woche auch ein prominenter Malaysier in die Riege der Verschwörungstheoretiker eingereiht. In seinem Blog räsonierte der frühere Ministerpräsident Mahathir Mohamad über mögliche Machenschaften des Herstellers Boeing sowie der CIA. „Das Flugzeug ist noch irgendwo, vielleicht ohne Beschriftungen“, spekulierte der immer noch einflussreiche frühere Regierungschef, der für seine anti-amerikanische Rhetorik bekannt ist. Mit seiner Äußerung wollte er wohl auch Kritik an seinem Land entgegentreten. Es sei unfair, so schrieb der frühere Regierungschef, dass Malaysia und der Fluggesellschaft Malaysia Airlines die Schuld zugeschoben werde.

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