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Florida : 55 Kinder hinter Erziehungsheim begraben

  • -Aktualisiert am

Erschreckender Fund: Forscher gruben auf dem Gelände der Dozier School for Boys die sterblichen Überreste von 55 Kindern aus. Bild: AP

Dutzende Kinder und Jugendliche waren in den vergangenen Jahrzehnten aus einem Erziehungsheim in Florida verschwunden. Eine Wissenschaftlerin suchte nach Spuren – und stieß auf viele Gräber.

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          Bei Grabungen auf dem Gelände eines amerikanischen Erziehungsheims, das im Sommer 2011 nach jahrzehntelangen Spekulationen über den Missbrauch der dort untergebrachten Jungen geschlossen wurde, sind die sterblichen Überreste von insgesamt 55 Kindern entdeckt worden. Wie die forensische Anthropologin Erin Kimmerle am Dienstag mitteilte, wurden die Knochen und Zähne in unmarkierten Einzelgräbern in der Nähe des verwahrlosten Friedhofs der ehemaligen Arthur G. Dozier School for Boys in Marianna (Florida) gefunden.

          Nach Hinweisen früherer Heiminsassen hatte die Forschungsgruppe der Universität von Südflorida (USF), die unter Kimmerles Leitung im September mit den Exhumierungen begann, etwa 30 Grabstellen erwartet. Die Wissenschaftlerin war vor einigen Jahren auf das rätselhafte Verschwinden Dutzender Kinder und Jugendlicher aus der vor mehr als 100 Jahren eröffneten Reformschule aufmerksam geworden.

          Ehemalige Bewohner des Heims, die meist wegen kleinerer Vergehen nach Marianna gebracht wurden, hatten damals berichtet, sie seien sexuell missbraucht und mit Lederriemen geschlagen worden. Auf Flüchtende sei geschossen worden, Mitinsassen seien unter rätselhaften Umständen verschwunden. Bei Ermittlungen, die der damalige Gouverneur Charlie Crist im Jahr 2008 veranlasste, waren aber keine Sterbeurkunden entdeckt worden. Die White House Boys, eine Gruppe Überlebender, warfen den Jugendämtern und Justizbehörden des Bundesstaats 2010 in einer Sammelklage vor, sie hätten seit Jahrzehnten über den Missbrauch hinweggesehen.

          Obwohl die meisten Verbrechen inzwischen verjährt sind, versuchen etwa 50 Forscher der University of South Florida in den kommenden Monaten, die sterblichen Überreste der 55 Begrabenen mittels DNA-Analyse zu identifizieren. „Wir sehen das als Hilfe für Angehörige, die erfahren wollen, was ihren Verwandten zugestoßen ist. Sie haben das Recht, ihre Familienmitglieder angemessen zu bestatten“, teilte die Grabungsleiterin Kimmerle mit.

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