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Fleischskandal : Kein Fleisch, bei dem die Lust vergeht

  • -Aktualisiert am

Masse verdirbt die Qualität: In Metzgereien ist Fleisch teurer, aber besser kontrolliert Bild: picture-alliance/ dpa

Um „Gammelfleisch“ dreht sich der jüngste Lebensmittelskandal. Wo findet man noch einwandfreie Ware und woran erkennt man sie? Die Strodkötters führen eine Metzgerei mit Respekt vor der Rohware Fleisch.

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          Wenn Conny Strodtkötter über ihre Ware spricht, klingt das nach Liebe. Zusammen mit ihrer Schwester Heike Berger leitet sie die erste Metzgerei in Deutschland mit zwei Meisterinnen. Vielleicht ist das der Grund dafür, daß das Geschäft in der Fußgängerzone von Solingen-Ohligs auffallend ansprechend eingerichtet ist: keine aufgehäuften Fleischlappen, die von mürrischen Verkäufern mit Plastikschürze in Tüten geklatscht werden.

          Nur ein kurzes Stück der Theke ist mit klassischen Fleischsorten bestückt - Filets, Roastbeef, Koteletts. Mehr Platz nehmen marinierte Steaks, Schnitzel, Nackenstücke, Bauchspeck, Schweinefilet- und Hähnchenspieße ein, dazu Kohlrouladen, gefüllte Champignons und Zucchini, kleine Alupfännchen mit Ragouts und Schmorfleisch, faustgroße Schmorbraten, bordiert, gespickt, mariniert und auf phantasievolle Weise vorgewürzt, ferner Wurst, Schinken und ein Dutzend Salate. Unter der Decke tanzen gelbe Deko-Schmetterlinge, und in zwei alten Bauernschränken finden sich Feinkostartikel, Essig und Öle.

          „Gammelfleisch“ sorgt für negative Schlagzeilen

          Deutschen Metzgern geht es nicht gut. Jedes Jahr schließen mehr als 300 der 18.000 deutschen Metzgereien. Die Zahl der Neueröffnungen liegt deutlich darunter. Vor zehn Jahren gab es noch 22.000 Metzgerbetriebe. Gero Jentzsch vom Deutschen Fleischer-Verband in Frankfurt rechnet sogar damit, daß sich die Zahl bei etwa 10.000 einpendeln wird.

          Fleisch kaufen die Deutschen inzwischen immer häufiger beim Discounter. Dort ist es zwar billiger, aber meist auch deutlich schlechter - der Skandal um Hackfleisch, dessen Verfallsdatum abgeändert wurde, ist unvergessen, ebenso der Wirbel um verseuchtes Tierfutter. Momentan beherrscht „Gammelfleisch“ die Schlagzeilen: Unseriöse Fleischhändler brachten verdorbenes Geflügel in Umlauf. Wieviel davon schon auf den Tellern landete, ist ungewiß.

          Übernahme der Metzgerei ihres Vaters

          Erstaunlich genug: Verbraucher sind Meister im Verdrängen. Nach ein paar Monaten normalisiert sich der Fleischmarkt meist, und das heißt nichts anderes, als daß wiederum allein der Preis entscheidet. Und zwar der niedrigste. Im Preiskampf gegen große Ketten können immer weniger Metzger mithalten. Es gibt allerdings Betriebe, die Erfolg haben - weil sie bessere Ware verkaufen und auch, weil sie sich mehr einfallen lassen als Kollegen, die nach Schema F arbeiten.

          Als Conny Strodtkötter zusammen mit ihrer Schwester Heike nach dem Tod ihres Vaters Ewald den Laden vor 25 Jahren übernahm, war das Geschäft eine Metzgerei vom alten Schlag - gut, solide, aber nichts Ausgefallenes. Schmetterlinge unter der Decke hätte der Senior sicher ebenso als „dummes Zeuch“ abgetan wie Feinkostartikel.

          BSE sorgte für Umdenken

          Schnell merkten die beiden jungen Frauen aber, daß neben der Begeisterung für den Beruf noch mehr nötig sein würde, um den Betrieb zu erhalten. Bisher hatten sie das Rindfleisch immer in Bayern gekauft, aus konventioneller Haltung. „Es war gut, aber nichts Besonderes“, erinnert sich Strodtkötter. Vor zehn Jahren boten Ökobauern aus Mecklenburg den beiden Meisterinnen ihr Rindfleisch an. „Wir Stadtkinder wußten nicht, was wir damit sollen“, sagt Strodtkötter. „Biofleisch? Davon verstanden wir damals nicht viel.“

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