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Findelkind Kaspar Hauser : Der Prinz und der Bettelknabe

Ein „pudelnärrischer“ Unbekannter: Eine Lithographie des legendären Findelkindes Kaspar Hauser Bild: dpa

Vor 200 Jahren soll Kaspar Hauser zur Welt gekommen sein, angeblich als Sohn des Großherzogs Karl von Baden und einer Adoptivtocher Napoleons. Mit wohl 21 Jahren starb er durch einen Stich in die Brust. Der Fall bleibt bis heute mysteriös.

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          Nur wenige Wochen nach seinem Tod reimte ein unbekannter Autor ihm zu Ehren schon ein Bänkellied: „Könntet Leute, Ihr doch sagen, wer dieses Kind, wer Kaspar Hauser war“. Das Werk aus dem Jahr 1834 war nur das erste von inzwischen Tausenden Gedichten, Romanen, Theaterstücken, wissenschaftlichen Abhandlungen und mindestens fünf Kinofilmen, die sich mit dem bis heute ungelösten Kriminalfall beschäftigen. Wurde das arme Findelkind kurz vor Weihnachten 1833 im Ansbacher Hofgarten tatsächlich heimtückisch ermordet? Oder hat sich der damals wohl schon 21Jahre alte Kaspar Hauser den tödlichen Stoß selbst versetzt? Der Stich in die Brust wäre dann nur ein Versehen gewesen, so wie es in Heines zehn Jahre zuvor entstandenem und in diesem Zusammenhang gerne zitiertem Gedichtzyklus „Junge Leiden“ heißt: „Da nahm ich den Dolch behende - Und stach mich ein bisschen zu tief.“ Hausers Motiv wäre demnach gewesen, das schwindende Interesse an seiner Person neu zu wecken.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Sterben wollte der junge Mann an dem Nachmittag, an dem er sich heimlich zum Denkmal des Johann Peter Uz in den Hofgarten schlich, gewiss nicht. Dass er dort allerdings tatsächlich seinen Mörder traf, ist mehr als unbewiesen. Trotzdem gilt Kaspar Hauser bis heute - besonders nach dem 1993 erschienenen und schon im Titel eindeutigen Film „Kaspar Hauser: Verbrechen am Seelenleben eines Menschen“ - allgemein als unschuldiges Opfer einer Intrige, in die Mitglieder des hochadeligen Hauses Baden verstrickt waren. Nicht berücksichtigt wird dabei, dass hochangesehene Zeitgenossen des Jungen, die sich intensiv um ihn bemühten und ihm zumindest anfangs auch wohlgesinnt waren, geradezu vernichtende Urteile über ihn fällten.

          Durchtriebener Kauz, Schelm und Taugenichts

          Sein offizieller Vormund, Freiherr Gottlieb von Tucher, bei dem Kaspar Hauser eineinhalb Jahre in Nürnberg lebte, berichtete etwa von Hausers „in hohem Grade ausgebildeter Eitelkeit, seiner ungemessenen Lügenhaftigkeit, Falschheit und Heuchelei“. Und vom Gerichtspräsidenten Anselm Ritter von Feuerbach, bei dem das Findelkind danach weitere zwei Jahre in Ansbach verbrachte, ist eine Notiz überliefert, in der es heißt: „Caspar Hauser ist ein pfiffiger, durchtriebener Kauz, ein Schelm, ein Taugenichts, den man todmachen sollte.“

          Unzweifelhaft fest steht wenig im Fall Kaspar Hauser. Allerdings könnten die beiden Briefe, mit denen er als Sechzehnjähriger die Welt betrat, doch einiges Wahres enthalten. Als der Jüngling am 26. Mai 1828 auf dem Nürnberger Unschlittplatz in die Arme zweier Handwerker torkelte, trug er unter anderem ein Schreiben bei sich, in dem der „30.Aperil 1812“ als Geburtsdatum angegeben wird. Auch der Name Kaspar, den der Junge eigenhändig mit Papier, Tinte und Feder noch am Tag seines Erscheinens durch „Hauser“ auf der Polizeiwache ergänzte, findet sich auf dem sogenannten Mägdleinzettel, auf dem sich die angebliche Mutter als „armes Mägdlein“ bezeichnet. Sie könne „das Kind nicht ernehren“, sein Vater sei gestorben. Glaubt man dem Brief, wäre an diesem Montag Hausers 200.Geburtstag zu feiern.

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