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Filmindustrie : Das Leid von Nollywood

  • -Aktualisiert am

Bessere Zeiten: Vor sechs Jahren kam Wesley Snipes (links) nach Nigeria, weil er darüber nachdachte, in Nollywood zu investieren Bild:

Nigerias Filmindustrie, die zweitgrößte der Welt, ist in der Krise. Schuld sind Produktpiraten. Und der internationale Markt ist nicht besonders interessiert an afrikanischen Filmen über dicke Autos, tiefe Dekolletés und Voodoo-Zauber.

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          Sylvester Obadigies neuer Film ist typisch für Nollywood. „Black Berry Babes“ heißt der Titel, und das Drehbuch ist von ergreifender Schlichtheit - wie in nigerianischen Filmen üblich: Vier junge Frauen buhlen um einen Mann, der natürlich reich ist und erfolgreich, und damit das auch jeder mitbekommt, steigt der Hauptdarsteller im Lauf des Films mindestens zwanzig Mal aus einem dicken Auto aus. Das bevorzugte Werkzeug der Damen wiederum ist neben tiefem Dekolleté und ständigem Wimpernklimpern ihr Blackberry, der mit fiesen Mails gefüttert wird, voller Intrigen, Lügen und Liebesschwüre, bis die einzig Aufrechte der Bande schließlich den dicken Fisch an Land zieht.

          Die Schauspielerin Oke Okoye spielt eines der „Babes“, Tonto Dikeji ein anderes, womit „Blackberry Babes“ prominent besetzt ist, was den Produzenten und Regisseur Sylvester Obadigie wiederum auf ein gutes Geschäft hoffen lässt. 50 000 Dollar hat ihn der Film gekostet, fünf Wochen haben die Dreharbeiten gedauert. Um alleine die Kosten einzuspielen, muss er mindestens 100 000 CDs verkaufen. Aber: „Der Film wird fliegen“, sagt Obadigie. Wenn er sich da mal nicht irrt.

          Der erste Film für das nigerianische Heimkino

          Nollywood produziert 1000 bis 1500 Filme im Jahr und ist damit nach Bollywood in Indien die zweitgrößte Filmindustrie der Welt. Nollywood-Produktionen werden im südafrikanischen Fernsehen gezeigt, sie laufen in Kenia und Kongo, in Ghana, in der Elfenbeinküste und Senegal. Nollywood ist nach Erdöl und Landwirtschaft die drittgrößte Industrie Nigerias mit einem geschätzten Umsatz von 200 Millionen Dollar im Jahr. Und es wird gerade Opfer des eigenen Erfolges, an dem auch andere teilhaben wollen: die Produktpiraten.

          Geboren wurde die afrikanische Erfolgsgeschichte aus einer Verlegenheit heraus. Unter den britischen Kolonialherren gab es in Nigeria zwar eine kleine Filmindustrie, deren Infrastruktur nach der Unabhängigkeit 1963 von nigerianischen Filmemachern genutzt wurde. Doch als sich die Wirtschafts- und die Sicherheitslage in den siebziger und achtziger Jahren verschlechterten, machte ein Kino nach dem anderen zu. Gleichzeitig boomte der Verkauf von Videorekordern. Der Händler Kenneth Nebue saß damals, Anfang der neunziger Jahre, auf einem großen Vorrat leerer VHS-Kassetten aus Taiwan. Der Filmemacher Okechukwu Ogunjiofor wiederum hatte eine Idee für einen Film, aber keine Möglichkeit, sie zu verwirklichen. Die beiden taten sich zusammen. Heraus kam „Living in Bondage“. Der erste Film für das nigerianische Heimkino.

          Aids, Korruption, Kinderhandel, Prostitution

          Der Inhalt war hanebüchen: Ein junger Mann lässt sich mit einer Sekte ein, die Reichtum für Menschenopfer verspricht, und er opfert seine Frau. Er wird reich, doch das Gewissen plagt ihn so lange, bis er Erlösung im Schoß der Kirche findet. 750.000 Kopien von „Living in Bondage“ gingen über die Ladentheke. Nebue und Ogunjiofor wurden reich.

          Die Geschichten, die Nollywood heute erzählt, haben sich seit „Living in Bondage“ nicht großartig geändert. Das Publikum bekommt geliefert, was es sehen will. Die nigerianischen Filmemacher sind keine Künstler, sondern Geschäftsleute. Nollywood zeigt immer Menschen auf ihrem Weg nach oben. Die Themen sind Aids, Korruption, Kinderhandel, Prostitution, Voodoo und Religion. Es geht um die Sehnsucht nach luxuriösen Häusern und dicken Autos, und am Ende siegt immer das Gute. Wenn man so will, ist Nollywood die gutgelaunte Antwort auf das Klischee vom dunklen Kontinent. Trotzdem ist Nollywood zwei Jahrzehnte nach seinem fulminanten Start in der Krise. Zwar laufen die Filme über betrogene Ehefrauen und untreue Ehemänner, intrigante Kobolde und rachsüchtige Schwiegermütter immer noch gut. Doch die Raubkopierer schmälern die Einkünfte der Industrie.

          Bevor die Piraten kommen

          Teco Bensons Büro liegt im Stadtteil Surulere der nigerianischen Metropole Lagos. Unter seinem Fenster verkaufen fliegende Händler Wasser in Plastiktüten, neben dem Eingang hat einer seine Imbissbude aufgebaut, und die offen vor dem Haus verlaufende Kanalisation müsste dringend gesäubert werden. In Tecos Büro stapeln sich Auszeichnungen, Pokale, Urkunden und Preise. Fast 40 Filme hat er in den siebzehn Jahren gedreht, die er im Geschäft ist, und er hat damit sehr gut verdient.

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