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Filmindustrie : Das Leid von Nollywood

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Die Industrie, sagt Teco Benson, sei an einem Wendepunkt angelangt, weil durch die Tätigkeit der Piraten die Verdienste immer geringer ausfielen und deshalb immer billiger produziert werde: Masse statt Klasse. Ein durchschnittlicher Nollywood-Film hat ein Budget von 30.000 bis 100.000 Dollar - eine Winzigkeit gegenüber den Hollywood-Produktionen mit ihren Multi-Millionen-Dollar-Budgets. Und trotzdem sei es schwierig, alleine die Produktionskosten wieder hereinzuholen. Bensons Thriller „Mission to nowhere“ hat 300.000 Dollar gekostet. Amortisieren würde sich der Film von einer halben Million verkaufter DVDs zum Stückpreis von zwei Dollar an. Tatsächlich aber können die Produzenten froh sein, wenn sie 100.000 Kopien verkaufen, bevor die Piraten kommen.

International keine Chance

„Was ich sehe, ist ein radikaler Verlust von Qualität“, sagt Eventus Amaechi. Er handelt in Alaba, dem mutmaßlich größten Markt Afrikas vor den Toren von Lagos, en gros mit Filmen. In engen Gassen drängt sich dort Laden an Laden, die Millionen von CDs anbieten. Eventus ist „Vermarkter“, das heißt, er kauft dem Produzenten eine gewisse Anzahl Kopien eines Films ab und verkauft sie mit Aufschlag weiter. Da der Produzent weiß, wie viele Kopien Eventus hat, kann das Geschäft halbwegs vernünftig abgewickelt werden. Früher, sagt Eventus, habe er 10.000 Kopien eines neuen Filmes innerhalb von drei Tagen verkauft. Heute kann er froh sein, wenn er 2000 CDs unter die Leute bringt, weil die Raubkopierer einfach zu schnell sind. Deshalb hat er die „Blackberry Babes“ von Sylvester Obadigie gar nicht erst in sein Sortiment aufgenommen. Eventus hält sich mit billigen Schinken über Wasser. Wie etwa dem Softporno „Days of Sodom“, den er gerade im Angebot hat. „Unter uns: Der ist nicht einmal die zwei Dollar wert, die ich dafür verlange“, seufzt der Händler.

Also sucht Nollywood sein Glück in einer Flucht zurück ins Kino. Alleine in Lagos sind in den vergangenen drei Jahren acht neue Lichtspielhäuser eröffnet worden, weil es inzwischen wieder kaufkräftige Kundschaft gibt. „Dort aber konkurrieren wir mit Hollywood, und das ist eine ganz andere Gewichtsklasse“, sagt Regisseur Teco Benson. Sein Film „Mission to nowhere“ lief drei Wochen, was er als Erfolg verbucht. Die Geschichte handelt von einem Mord an einer bekannten Schriftstellerin, und die Ermittlungen gestalten sich schon deshalb schwierig, weil der Ex der Toten ein bekannter Politiker ist und die Ermittler ausgerechnet dessen Sohn verdächtigen. Der „Thriller“ und sein Kommissar kommen allerdings eher nervtötend daher, man muss schon viel Geduld aufbringen, es bis zum Ende auszuhalten. International hat eine solche Produktion keine Chance. Teco weiß das, und er weiß auch, dass er den amerikanischen Markt nur dann für Nollywood interessieren kann, wenn er amerikanische Stars aufbieten kann. „Ich habe mal den Agenten von Will Smith gefragt, ob er nicht Interesse habe. Der wollte zehn Millionen Dollar. Ich habe gesagt, ich überlege es mir“, erinnert sich Benson an den ersten und bislang einzigen Kontakt nach Los Angeles.

„Wir Nigerianer gucken patriotisch“

Kunle Afolayan hingegen glaubt an die Zukunft von Nollywood im Kino. Im vergangenen Jahr hat der Sohn eines Schauspielers mit „Figurine“ einen Film abgeliefert, der so etwas wie eine Sensation war. Die Geschichte handelt von zwei abgebrannten Männern und einer ebenso abgebrannten Frau, die durch Zufall eine Voodoo-Statue finden, deren Besitz ihnen sieben Jahre Glück beschert. Doch niemand hat ihnen erzählt, dass die ersten sieben Jahre nur der Testlauf für die nachfolgende Zeit sein sollen. Es ist eine typisch afrikanische Geschichte, in der sich Glückssuche mit Voodoo mischt. 400.000 Dollar hat der Film gekostet. Die Kosten, sagt Kunle, habe der Film längst wieder eingespielt. Dabei ist die DVD noch gar nicht auf dem Markt. Acht Wochen lief „Figurine“ in den Kinos von Lagos gegen die Konkurrenz aus Hollywood. Für einen heimischen Film ist das ein Rekord. „Wir Nigerianer gucken patriotisch“, sagt Kunle und lacht.

Doch selbst ein Star wie er hat Schwierigkeiten, seine Projekte zu finanzieren. Er sagt, er leide unter der Bezeichnung „Nollywood“. „Das steht für verwackelte Kameraführung, schlechte Schauspieler und billige Produktion. Wenn ich erzähle, ich bin ein Filmemacher aus Nigeria, werde ich meist mit einem wissenden Lächeln bedacht“, erzählt er. Dann gebe es freundliche Klapse auf die Schulter. Aber niemals Geld für einen neuen Film.

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