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Filmemacher über Christian Wulff : Out of Großburgwedel

Fangen wir mit dem Haus an. Versailles und Ludwig XIV. zum Beispiel wären eine Komödie (verrückt in Frankreich ist immer lustig, siehe Louis de Funès), Neuschwanstein und Ludwig II. eher ein Drama (schwul in Bayern ist immer tragisch, siehe Walter Sedlmayr), der Klinkerbau von Christian Wulff aber ist gar nichts. Normal in Niedersachsen ist weder großes Theater noch großes Kino, sondern höchstens ARD-Vorabend.

Als Staatsbürger finde ich das Jörgpilawahafte von Wulff sehr beruhigend. So einer kommt nicht auf wirklich dumme Gedanken (auf schlaue natürlich auch nicht, aber das ist ein anderes Thema). Als Autor finde ich Christian Wulff einfach nur sehr langweilig.

Wenn Putin jemandem droht, dann fallen bestimmt Begriffe wie „Kopf“ oder „Eier“ in Kombination mit „eigenhändig abreißen“, wenn Wulff jemandem droht, ist „der Rubikon überschritten“. Der Rubikon! Gottogott. Das klingt nach einem Studienrat, der im Urlaub verrückt wird und einfach die Socken in den Sandalen mal weglässt. Der nach dem zweiten Glas „guten“ Rotweins zu seiner Frau sagt: „Weißt du was, Schatz, heute lassen wir das Licht mal an!“ Das ist weder lustig noch tragisch, das ist einfach nur sehr, sehr deutsch. Insofern ist Wulff ein absolut passender Präsident. Es ist nicht zu erwarten, dass wir Bilder von ihm sehen, wie er mit nacktem Oberkörper in freier Natur steht, und das ist gut so.

Sarkozy und Berlusconi haben reihenweise missliebige Journalisten beschimpft und für deren Versetzung und Entlassung gesorgt. Niemand wäre im Ernst darauf gekommen, sie deswegen zum Rücktritt aufzufordern. Im vorliegenden Fall hätte Berlusconi Springer einfach gekauft und Diekmann entlassen, allein schon, weil der seine Frisur nachmacht. Wulff wüsste nicht mal, von wem er sich so viel Geld leihen sollte. Unser Präsident muss sich ja schon seinen Bausparertraum vom Mund absparen. Unser politisches Führungspersonal ist arm. Auch finanziell. Deswegen sind selbst die Geldvorteile, die Wulff vielleicht aus seinem Amt gezogen hat, so, dass andere Staatsmänner nicht wüssten, ob sie lachen, weinen oder gähnen sollten. George Bush hätte jedenfalls in der Wulff-“Villa“ nicht mal seinen Fahrer untergebracht. Bei uns aber reicht es zum Skandal. Kennedy oder Clinton haben als Präsidenten mehr Frauen verbraucht als Casanova zu seinen besten Zeiten. Wulff, hat man das Gefühl, ist schon mit seiner Bettina überfordert, und bei der ist der größte Aufreger ihre Tätowierung. Dabei ist sie nicht großflächig bemalt wie die Sixtinische Kapelle, sondern einfach nur tätowiert, aber in der Presse war es ein Riesenthema, denn, wie gesagt, wir sind in Deutschland.

Wenn es also überhaupt einen medialen Vergleich gibt, dann ist das politische Berlin am ehesten eine Art Dschungelcamp, wo eher zweitklassige Kandidaten in ärmlichen Verhältnissen zusammenhocken, während wir sie dabei beobachten und hoffen, dass von außen genug Druck aufgebaut wird, damit einer schreit: „Ich bin der Staat, holt mich hier raus!!!“

Ralf Husmann, 47, ist Autor der Serien „Stromberg“ und „Dr. Psycho“.

Regisseur Dieter Wedel empfindet den Fall Wulff als eine „fast tragische Geschichte“. Ihn interessiert vor allem das Leben eines Politikers nach dem Rücktritt:

Herr Wedel, taugt die Causa Wulff zum Stoff fürs Fernsehen?

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