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Film : „Wegen Salat geht doch keiner zu McDonald's“

  • Aktualisiert am

Appetitverderber: Morgan Spurlock Bild: AP

Warum sind so viele meiner Landsleute eigentlich so wahnsinnig fett? Der Regisseur Morgan Spurlock hat nachgeforscht: Einen Monat lang hat er sich nur von Fast food ernährt - und einen Film darüber gedreht.

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          Warum sind so viele meiner Landsleute eigentlich so wahnsinnig fett? Der Regisseur Morgan Spurlock hat nachgeforscht: Einen Monat lang hat er sich nur von Fast food ernährt - und einen Film darüber gedreht.

          Haben Sie nach dem Ende Ihres dreißigtägigen Fast-food-Selbstversuchs jemals wieder bei McDonald's gegessen?

          Ich war zwar hinterher noch ein paar Mal dort - jedoch nur für Dreharbeiten. Gegessen habe ich bei McDonald's nicht mehr. Aber um eines klarzustellen: Ich selbst mag Hamburger sehr gern - wenn die Qualität stimmt und die Zutaten gut sind. Leider ist das
          bei den Ketten-Schnellrestaurants eben nicht der Fall.

          Woraus bestand Ihre erste Mahlzeit nach dem Fast-food-Marathon?

          Gegenüber von meinem Büro in New York gibt es so eine japanische Nudelküche, und da habe ich mir eine große Schale Miso-Suppe bestellt mit Bergen von Gemüse drin. Ich habe dem Besitzer gesagt: "Machen Sie richtig viel Gemüse rein." Der arme Mann konnte gar nicht fassen, wieviel frisches Gemüse ich haben wollte - mein Appetit darauf war einfach unbändig.

          Welche körperlichen Veränderungen haben Sie an sich während des Selbstversuchs festgestellt?

          Die deutlichste Veränderung war nicht einmal körperlicher, sondern eher seelischer Art. Nach einiger Zeit war es so, daß ich nach einem Essen bei McDonald's geradezu euphorisiert war, dann aber später in einen Zustand der Niedergeschlagenheit und Erschöpfung verfiel. Außerdem bekam ich Kopfschmerzen, die erst verschwanden, wenn ich wieder bei McDonald's gegessen hatte. Völlig verrückt. Mal abgesehen davon, daß ich irgendwann Erektionsstörungen bekam, daß mein Cholesterinspiegel und mein Blutdruck besorgniserregend anstiegen und meine Leber so fett wurde, daß mein Arzt sie mit einer Pastete verglich. Natürlich nahm ich auch an Gewicht zu, rund elf Kilo in dreißig Tagen.

          Klingt ziemlich ungesund...

          Das war es auch. Die Ärzte rieten mir, das Experiment abzubrechen.

          Kann man süchtig nach Fast food werden?

          Ich glaube nicht, daß die Fast-food-Ketten irgendwelche Zusatzstoffe in ihre Produkte mischen, um ihre Kunden süchtig danach zu machen. Aber ich bin überzeugt davon, daß der menschliche Körper sich an eine übermäßige Fett- und Zuckerzufuhr so sehr gewöhnen kann, daß ein regelrechtes Suchtverhalten daraus entsteht. Das gilt ja nicht nur für Hamburger oder Pommes frites, sondern zum Beispiel auch für Kaffee. Denken Sie doch nur daran, wieviel Zucker und Sirup man sich in Läden wie "Starbucks" in den Latte Macchiato schütten kann.

          Ist McDonald's ein Fall für die Drogenfahnder?

          (lacht) Das müssen die Drogenfahnder schon selbst entscheiden.

          In Ihrer Heimatstadt New York ist das Rauchen an öffentlichen Orten verboten, gleichzeitig gibt es aber Tausende Fast-food-Filialen. Wenn Ihr Selbstversuch tatsächlich so ungesund war, ist das eigentlich inkonsequent...

          Na ja, die Konsequenz wäre dann ja, daß man Hamburger-Essen in der Öffentlichkeit verbietet. Aber der Unterschied besteht natürlich darin, daß niemand rauchen muß, wohingegen Essen lebensnotwendig ist.

          Niemand ist gezwungen, sich von Fast food zu ernähren.

          Stimmt, aber zumindest in Amerika ist Fast food inzwischen so dominierend, daß es für die meisten Menschen zum ganz normalen Bestandteil ihres Lebens geworden ist. Selbst in jeder Tankstelle wird man ja heute mit Fett und Zucker geradezu bombardiert - überall stehen Chips oder Schokoriegel rum. In meiner Kindheit gab es an Tankstellen allenfalls noch Motorenöl oder Scheibenwischer zu kaufen.

          Aber wenn man bedenkt, daß Studien zufolge fettreiche Ernährung in Amerika nach dem Rauchen die zweithäufigste vermeidbare Todesursache ist, müßten die Gesundheitsbehörden doch alarmiert sein. Warum schreitet der Staat nicht ein?

          Wahrscheinlich, weil man sich dieser ganzen Problematik derzeit erst richtig bewußt wird.

          Werbeverbote für Fast food? Warnhinweise auf Hamburger-Schachteln?

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