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Film : "Kandahar": Schauspieler soll Terrorist gewesen sein

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Attentäter? Hassan Tantai in „Reise nach Kandahar” Bild: Makhmalbaf Film House

Der Hauptdarsteller des preisgekrönten Films "Reise nach Kandahar" soll 1980 einen Diplomaten ermordet haben.

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          Es ist ein Schock für die internationale Filmwelt: Der Hauptdarsteller des Films "Reise nach Kandahar", Hassan Tantai, soll nach Angaben amerikanischer Behörden ein Terrorist und Mörder sein. Tantai habe 1980 den iranischen Oppositionellen Ali Akbar Tabatabai in Washington DC mit drei Schüssen getötet. "Er ist ein Attentäter und Mörder", sagt der amerikanische Staatsanwalt Doug Gansler.

          Falsche Identität

          Die amerikanische Justiz beschuldigt den Iraner, zur Zeit des Attentats unter dem falschen Namen David Belfield in Amerika gelebt zu haben. Der Schauspieler selbst hatte in früheren Interviews zugegeben, dass er in den letzten Jahrzehnten mehrere Identitäten angenommen habe: "Das ist in meiner Generation, den Sechzigern, nichts Ungewöhnliches". Der Regisseur des Films, Mohsen Makhmalbaf, betont, dass er sich vor den Dreharbeiten nicht mit der politischen Vergangenheit der Darsteller auseinandergesetzt habe.

          "Reise nach Kandahar" ist international auf große Resonanz gestoßen. Er erhielt den Preis der ökumenischen Jury in Cannes und den Unesco-Filmpreis. Besonders ironisch: Terroristenjäger George W. Bush persönlich hatte angeordnet, den Film in Sondervorführungen dem amerikanischen Volk zugängig zu machen, um zu ein besseres Verständnis für die afghanische Kultur zu erreichen.

          Reaktionen

          Mohammed Tabatabai, der Bruder der Ermordeten, fordert jetzt ein sofortiges Verbot des Films. Es könne nicht angehen, so der 71-jährige, dass zum jetzigen Zeitpunkt, nach der amerikanischen Kriegserklärung gegen den Terrorismus, ein seit 21 Jahren flüchtiger Terrorist in Amerika als Film-Star verehrt werde. Auf den Filmstart (3. Januar) wird die Nachricht keinen Einfluss nehmen, erklärte ein Specher der Verleihgesellschaft. Auch von den Kinobetreibern sind bisher keine Stornierungen gemeldet worden.

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