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„Skyrun“ : In voller Montur den Himmel stürmen

  • -Aktualisiert am

Am Schlauchturm in Rüsselsheim-Bauschheim: Trainieren für den „Skyrun“. Bild: Peter Thomas

Es wird ein Rennen der besonderen Art: Mehr als 1000 Läufer sprinten am Sonntag auf den Frankfurter Messeturm. Unter den Startern sind fast 500 Feuerwehrleute.

          Im dumpfen Rhythmus prallen die Sohlen auf die Stufen. Mit jedem Schritt und jedem harten Atemzug geht es ein Stück dem Himmel näher, von wo die Sonne heiß auf die dunkelblaue Schutzkleidung brennt. Endlich ist die Spitze des Turms erreicht. Doch für Aaron Jung (19), Enis Celik (26) und Sven Kresalek (28) beginnt die Tour gleich aufs Neue: runter in den Hof und wieder die Treppen hoch. Die drei Männer haben ein größeres Ziel vor Augen als die Außentreppe des Schlauchturms der Rüsselsheimer Feuerwache.

          Sie bereiten sich auf den „Skyrun“ vor, der am Sonntag zum elften Mal im Frankfurter Messeturm ausgetragen wird. Insgesamt sind es sechs Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Rüsselsheim-Bauschheim, die in der Kategorie „Fire Fighter’s Cup“ (FFC) starten: Auch Ferdinand Kirchner (25), Jonas Gimbel (27) und Konstantin Klyk (24) gehören zur sechsköpfigen Gruppe. Ihre Anfahrt aus der Hessentags-Stadt ist kurz im Vergleich zu den anderen Mannschaften, die aus ganz Deutschland und aus dem europäischen Ausland kommen.

          Für Treppenläufer von besonderer Bedeutung

          Die Läufer in der sportlichen Sprint-Kategorie sind sowieso international aufgestellt. Denn der Messeturm hat für Treppenläufer eine besondere Bedeutung: Nirgendwo in Europa ist die vertikale Wettkampfdistanz in einem Gebäude größer. Im Vergleich zum Marathon der Skyrunner zählt der Ulmer Münsterlauf zur Spitze des höchsten deutschen Kirchturms nur rund halb so viele Stufen. Und wer zum ersten Mal am Fuße des Messeturms startet, den überwältigt beim Blick die Fassade entlang nach oben ein Mount-Everest-Moment.

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          Die besten Himmelsstürmer schaffen den Lauf in weniger als zehn Minuten. Den Rekord erzielte Christian Riedl 2016 mit 6:25,5 Minuten; Suzy Walsham stellte 2014 die aktuelle Bestzeit der Damen mit 7:35,2 Minuten auf. So leicht wie möglich machen es sich die Athleten bei der Auswahl von Laufkleidung und Schuhen. Anders die Brandschützer, die in genau der schweren Montur antreten, in der sie im Ernstfall zum Einsatz in einem Hochhaus ausrücken müssten. Die Spitzenteams brauchen aber trotz Atemschutzausrüstung, Schutzkleidung, Stiefeln und Helm jeweils nur gut zehn Minuten pro Person.

          Immense körperliche Belastung

          Die körperliche Anstrengung unter Atemschutz gilt aus Sicht der Arbeitsmedizin als eine der größten körperlichen Belastungen, der sich Menschen im Beruf aussetzen. Deshalb müssen alle Atemschutz-Geräteträger deutscher Feuerwehren jährlich einen Test nach Feuerwehr-Dienstvorschriftsieben bestehen. Dazu kommt mindestens alle drei Jahre eine arbeitsmedizinische Tauglichkeitsuntersuchung. Da ist ein Treppenlauf in voller Montur das beste Training.

          Wenn ein Dreiertrupp aber erst einmal durchs Spalier der Zuschauer auf das Portal des Turms losstürmt, über dem das Hochhaus endlos in den Himmel ragt, dann spielen nur die nächsten 222 Höhenmeter, 1202 Treppenstufen und 61 Etagen eine Rolle – und der Zusammenhalt in der Mannschaft. „Das Team ist für uns entscheidend“, sagt Sven Kresalek, der 2013 seinen ersten Skyrun absolvierte. Im vergangenen Jahr startete er mit Jonas Gimbel und Ferdinand Kirchner. 2017 kommt nun ein zweites Dreierteam aus den Reihen ihrer freiwilligen Feuerwehr dazu. Eine Mannschaft wird dabei ohne, die andere mit angelegtem Atemschutz an den Start gehen.

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          Was treibt vier Studenten (Maschinenbau, Bauingenieurwesen, Geologie), einen Wirtschaftswissenschaftler und einen Bankkaufmann an, sich in der FFC-Wertung des Skyrun mit Berufsfeuerwehrleuten aus ganz Europa zu messen? Es geht vor allem darum, gemeinsam eine besondere Herausforderung zu meistern, darin sind sich die sechs Brandschützer einig. Deshalb wird auch keiner der sechs Läufer davonsprinten und seine Mannschaft hinter sich lassen, um in der addierten Teamwertung einige Sekunden gutzumachen. „Wir gehen gemeinsam an den Start und wollen auch gemeinsam ins Ziel kommen“, sagt Enis Celik. „Das ist im Einsatz bei der Feuerwehr genauso. Da weiß jeder in einem Trupp, dass er sich immer voll auf die anderen verlassen kann“, sagt Jonas Gimbel.

          Sportlicher Ehrgeiz ist dabei

          Sportlicher Ehrgeiz ist natürlich auch mit dabei, wenn die Feuerwehrleute am Sonntag von 13.30 Uhr an starten. Um diesen Ehrgeiz in eine gute Plazierung umzusetzen, muss man sich gut vorbereiten. Seit dem Frühjahr trainieren die Rüsselsheimer deshalb gemeinsam das Treppenlaufen mit voller Ausrüstung.

          Das ist auch notwendig, um ein Gefühl für die richtige Strategie zu haben. Denn wer unter Atemschutz antritt, der muss mit einer Füllung Pressluft in der Rückenflasche auskommen. „Es ist nicht unüblich, dass Läufer oben im Turm ankommen und das Atemschutzgerät bereits wegen niedrigen Drucks in der Flasche das typische Warnpfeifen von sich gibt“, sagt Sven Kresalek. Daher muss man auch üben, richtig zu atmen und die Kraft gut einzuteilen. Der Dank der Männer gilt daher dem Amt für Brandschutz mit den hauptamtlichen Kollegen und ihrer Atemschutzwerkstatt, die sie bei der Vorbereitung und beim Wettkampf unterstützen.

          Konditionelle Anstrengung ist nicht der einzige Stressfaktor während des Laufs, sagen diejenigen im Team, die schon einen Skyrun absolviert haben. Auch der Wärmestau in der gut isolierenden Einsatzkleidung belastet extrem. Bei Sommerhitze auf der Außentreppe des Schlauchturms ins Schwitzen zu kommen – das sehen die Skyrunner als Teil der Übung an, obwohl der Wettbewerb im klimatisierten Treppenhaus stattfindet.

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