https://www.faz.net/-gum-oydg

Fernsehen : Spielend zu Geld kommen

  • -Aktualisiert am

Geschafft: Günther Jauch mit Millionärin Dr. Maria Wienströer Bild: RTL

Wie werde ich Millionär? Quizshows laufen im Fernsehen auf allen Kanälen. Für den großen Gewinn braucht man gute Nerven und Geschick. So wird es gemacht.

          2 Min.

          Steuerfrei Geld verdienen, das geht. In der wunderbaren Welt der Quizshows. Menschen bejubeln hysterisch jeden Punktgewinn, Kunstnebel wabert, und zum Finale gibt es Glitzerkonfetti.

          Was bleibt von dem Spektakel? Ein paar Tausender oder gar eine Million mehr auf dem Konto - mit etwas Glück.

          Moderne Klassiker

          Das englische Format "Who wants to be a millionaire?" ging 1998 auf Sendung. Das Konzept ist simpel: Wer fünfzehn Fragen beantwortet, nimmt eine Million mit nach Hause. Mittlerweile läuft das Programm in 100 Ländern, von China bis Aserbaidschan.

          "Von Quizmüdigkeit merken wir nichts", sagt Andreas Gerling, Redakteur der ARD-Sendung "Das Quiz" mit Jörg Pilawa. Nach drei Jahren habe sich die Sendung bei circa 18 Prozent Marktanteil etabliert. "Sendungen wie ,Das Quiz' oder ,Wer wird Millionär?' haben das Zeug, moderne Klassiker zu werden und auch in 25 Jahren noch zu laufen", schätzt Fernsehmacher Gerling.

          Verlierer oder Star

          Die 34 Jahre im Scheinwerferlicht des Robert Lembke werden wohl unerreicht bleiben. Vor 50 Jahren hieß sein Programm noch "Ratesendung" im Gegensatz zur neudeutschen "Quiz-Show". Der Tisch-Gong, die Schweinderl und Prämien in Höhe von fünf Mark wirken heute rührend. Eine treue Fangemeinde behielt Lembke aber bis zum Schluß im Jahre 1989.

          Während in früheren Jahrzehnten Hans-Joachim Kulenkampff und Wim Thoelke bei ARD und ZDF mit Oberlehrer-Attitüde Bildungsgut einforderten, stellen Günther Jauch und Jörg Pilawa Fragen von Einstein bis Britney Spears, die einen Akademiker zum Verlierer und einen Heizungsmonteur zum Star machen können.

          Extreme Sendungen

          Die Raterei nach dem Motto "Antwort A, B, C oder D" läßt die Deutschen auch während der Sommerpause von "Wer wird Millionär?" nicht los. RTL bietet auf seiner Webseite virtuelle Übungsmöglichkeiten an ("Quizzen Sie mit täglich neuen Fragen im W.W.M.-Trainingslager"). Außerdem halten sich angehende Millionäre mit Brett- und Computerspielen fit. "An dem Flaggschiff wollen wir nichts ändern", heißt es bei RTL.

          "Wer wird Millionär?" läuft schon seit September 1999, es seien aber keine Abnutzungserscheinungen zu beklagen. "Im Schnitt haben wir knapp 26 Prozent Marktanteil", sagt ein RTL-Sprecher. Aber man habe immer ein Auge darauf, wie Deutschlands Nachbarn so raten. So entwickelte der Wiener Sender ATV ein Konzept für "Nimm Platz in der Hölle", wo der Showmaster nicht väterlich-beruhigender Freund ist, sondern dafür sorgen soll "daß die Show für den Kandidaten tatsächlich zur Hölle wird". "Extreme Sendungen, wo die Kandidaten leiden, würden wir nie eins zu eins übernehmen. Schließlich sind wir ein Familiensender", sagt ein Sprecher von RTL. Insgesamt habe der Sender aber immer um die 75 Ideen für Shows in Entwicklung.

          Zeichen aus dem Publikum

          Fernsehexperten entwickeln eine eigene Terminologie, um das Potential neuer Konzepte zu messen. Dazu gehört der Schreifaktor - mit welcher Intensität rufen die Zuschauer vom Sofa aus ihrem Fernseher die vermeintlich richtigen Antworten zu? "Wir bekommen pro Woche etwa 150 Vorschläge für Quizsendungen von unseren Zuschauern. Das ist so wie mit dem Job des Fußballtrainers - jeder glaubt, er könne es eigentlich besser", sagt Kristina Faßler von Sat. 1. Sinnvoller sei es, sich mit seiner Idee an eine Produktionsfirma zu wenden, da diese die Erfahrung habe, Konzepte mediengerecht auszuarbeiten.

          Das Genre hat sich weit von seinen unschuldigen Anfängen wegbewegt. In England sieht ein frischgebackener Millionär einem Gerichtsverfahren entgegen. Er hat angeblich ein Hustencode-System ausgetüftelt, mit dem ihm Komplizen im Publikum Zeichen gaben. Die Produktionsfirma machte das Beste aus dem Skandal und sendete eine Dokumentation des Vorfalls unter dem Titel "Who wants to steal a million?".

          So bewerben Sie sich richtig

          Sie wollten schon immer einmal bei einer Quizshow mitspielen? Wir zeigen, wo und wie man sich bewirbt:

          1. RTL: Wer wird Millionär?

          15 Fragen stehen zwischen den Kandidaten und der Million. Günther Jauch prüft Wissen von Pop bis Physik. Nach der Sommerpause lädt er wieder freitags, samstags und montags zum Rätseln ein, jeweils um 20.15 Uhr.

          Der Kandidat hat drei Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen. Wählt er die 50:50-Chance, fallen von vier Antwortmöglichkeiten zwei weg. Beim Telefonjoker kann ein Freund um Rat gefragt werden. Oder das Publikum beantwortet die Frage.

          Bewerben kann man sich telefonisch wieder ab dem 1. September unter der Nummer 0190-523523 oder online unter www.rtl.de.

          2. ARD: Das Quiz.

          Zwölf Fragen müssen Teilnehmer unter Anleitung von Jörg Pilawa beantworten. Als Anreiz winkt jeden Dienstag und Freitag um 19.20 Uhr eine Prämie in Höhe von 300.000 Euro.

          Kandidatenpaare spielen gemeinsam um das große Geld. Mitmachen können alle, die verliebt, verlobt oder verheiratet sind oder sonst in einer Beziehung zueinander stehen, zum Beispiel Sandkastenfreunde. Die Partner können abwechselnd aus vier Antworten wählen.

          Potentielle Kandidaten haben folgende Möglichkeiten, sich zu bewerben: telefonisch unter 0190-636 637 oder online bei www.daserste.de.

          3. Sat.1: Die Quiz-Show.

          Bei der Show mit Matthias Opdenhövel werden den Kandidaten täglich um 11 Uhr vormittags mehrere Antworten angeboten - aber nur eine ist richtig. In elf Fragerunden muß Wissen unter Beweis gestellt werden. Mit der Superfrage können Kandidaten bis zu 512.000 Euro gewinnen.
          Kandidaten können sich telefonisch unter 0190-24 25 24 anmelden oder online über die Webseite www.sat1.de.

          4. Neun Live: Quizzo und andere.

          Wer lieber vom Wohnzimmer aus miträtselt, kann dies auf dem Privatsender Neun Live per Telefon tun. Dort laufen fast durchgehend Programme mit Denksportaufgaben. Es locken Gewinne von bis zu 1.000 Euro. Ein Anruf unter der Nummer 01379-444 999 kostet 0,49 Cent pro Minute.

          Weitere Themen

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Das Coronavirus bestimmt weiterhin über unseren Alltag. Die Infektionszahlen ziehen deutlich an, noch immer sind viele in Deutschland nicht geimpft. Wie sich das Virus im In- und Ausland verbreitet – unsere Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Sieben-Tage-Inzidenz fällt auf 432,2

          Corona-Pandemie : Sieben-Tage-Inzidenz fällt auf 432,2

          Die Gesundheitsämter melden dem Robert-Koch-Institut 36.059 Corona-Neuinfektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht. Bei der Einordnung der Zahlen weist das RKI auch auf eine mögliche Untererfassung hin.

          Topmeldungen

          Da ist das Ding: Die Ampel-Koalitionäre mit dem frisch unterschriebenen Koalitonsvertrag

          Ampel-Koalition steht : Fortschritt in zehn Minuten

          SPD, Grüne und FDP unterzeichnen ihren Koalitionsvertrag im „Futurium“. Wer die Chefs der drei Koalitionspartner sind, ist dabei völlig klar.