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Fehlbildungen bei Geburten : Würde ein Register helfen?

In dieser Klinik im Gelsenkirchen wurden die Säuglinge geboren. Bild: dpa

Nachdem der Fall dreier Säuglinge mit ähnlichen Fehlbildungen an den Händen bekannt geworden war, fordern Ärzte nun ein nationales Meldesystem. Die Bundesländer reagieren indes zurückhaltend.

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          Nachdem in der vergangenen Woche bekanntgeworden ist, dass in einer Klinik in Gelsenkirchen innerhalb von zwölf Wochen drei Kinder mit Fehlbildungen an den Händen geboren wurden, wollen die Bundesländer mehr Informationen einholen. Dazu soll bei Krankenhäusern abgefragt werden, ob ähnliche Fehlbildungen aufgefallen seien. Das sei am Dienstag bei einer Telefonkonferenz vereinbart worden, teilte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums mit. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, es gelte zunächst die Faktenlage zu klären. Er warnte davor, „durch Spekulationen aller Art“ Menschen zu verunsichern.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mediziner fordern, eine nationales Fehlbildungsregister einzuführen. So könne man schneller und systematischer als derzeit nachvollziehen, an welchen Orten und mit welchen Fehlbildungen Kinder zur Welt kommen. Unter anderem der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte spricht sich für ein solches Register aus. Bei der Ursachenforschung für Fehlbildungen könne das weiterhelfen.

          Das Bundesgesundheitsministerium äußerte sich zunächst zurückhaltend zu den Forderungen nach einem Meldesystem. „Bevor wir jetzt über Ursachen und Konsequenzen spekulieren, warten wir die Untersuchungsergebnisse ab“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Wo wir können, werden wir die Aufklärungsarbeiten unterstützen.“ Medien gegenüber hieß es aus dem Ministerium weiter: Informationen zu Fehlbildungen beinhalteten die Perinatalstatistik des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen sowie die Krankenhausdiagnosestatistik. Nach Angaben von Ärzten sind diese Daten wiederum zu ungenau für die Ursachenforschung.

          Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt

          Als Vorbild für ein Melderegister könnte das Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt dienen, das seit 1980 Daten zu Fehlbildungen vor der Geburt, zum Zeitpunkt der Geburt und bis ein Jahr nach der Geburt anonymisiert sammelt und auswertet. Die Zahlen erhält die Einrichtung vor allem von Geburts- und Kinderkliniken. Auf der Internetseite des Fehlbildungsmonitorings Sachsen-Anhalt findet man seit Dienstag die Daten aus dem Bundesland zu Reduktionsfehlbildungen der Extremitäten, unter denen auch die Neugeborenen aus Gelsenkirchen leiden. Demnach wurde 2018 eine solche Fehlbildung der Extremitäten in Sachsen-Anhalt bei einem Kind pro 1602 Geburten beobachtet. Im Vergleich zum Untersuchungszeitraum ab dem Jahr 2000 zeichne sich damit ein rückläufiger Trend in der Region ab. Der Blick auf die Jahre bis 2000 zeigt aber auch, dass die Häufigkeit dieser Anomalien Schwankungen unterliegt.

          Als mögliche Ursachen für Fehlbildungen nennen Ärzte genetische Faktoren, Umweltgifte und Infektionen während der Schwangerschaft, aber auch die Einnahme von Medikamenten, Alkohol, Drogen oder anderen Genussmitteln durch die werdende Mutter. In bis zu zwei Drittel der Fälle bleiben die Gründe für Fehlbildungen ungeklärt.

          Auch ist weiterhin unklar, ob es überhaupt einen Zusammenhang zwischen den Fällen in Gelsenkirchen gibt oder ob es sich um eine zufällige Häufung handelt. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hat alle Geburtskliniken des Bundeslands zu Fehlbildungen bei Säuglingen angefragt. Ergebnisse sollen Ende nächster Woche vorliegen. Anschließend werde man einschätzen, ob die Zahlen auffällig sind, und gegebenenfalls weitere Schritte besprechen.

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