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FAZ.NET-Spezial : Das globale Huhn

  • Aktualisiert am

Nicht jedes Ei gleicht dem anderen Bild: Dieter Rüchel

Der Besuch einer Hühnerschlachterei ist nichts für schwache Nerven. Hühner sterben dort im Akkord und werden restlos verwertet. Wegen der Vogelgrippe herrscht derzeit allerdings eine Flaute in der Branche.

          4 Min.

          Hühner, nichts als Hühner. Etwa 14.000 sind es in dieser Halle, in der man sich nur schreiend verständigen kann. Doch aus den Hühnerkehlen kommt der ohrenbetäubende Lärm nicht - die wurden den Vögeln kurz zuvor durchgeschnitten. Der Krach stammt von der Kühlanlage; sie hält die Temperatur konstant zwischen null und vier Grad Celsius. Auch das Transportband, an dem die bereits kopf-, bein- und federlosen Hühnerschlachtkörper hängen, ist nicht gerade leise.

          Zwei Stunden und zehn Minuten brauchen die noch körperwarmen Broiler für ihren Übertritt in die geschlossene Kühlkette. Mit konstanter Schrittgeschwindigkeit gondeln sie durch die Produktionsanlage von "Frikifrisch" im brandenburgischen Storkow. Dreimal werden sie dabei umgehängt: Per Hand fädeln die Arbeiter sie anfangs kopfüber in das Schlachtband, der Kopf taucht zur Betäubung in ein Wasserbad, das unter Gleichstrom steht, ein automatisch gesetzter Schnitt durch die Halsader beendet das Broilerleben. Vom Schlachtband geht es zum Ausnehmen und Beschauen, von da auf das Kühlband. Insgesamt legt ein Broiler dabei 4,5 Kilometer zurück, auf mehreren Etagen und in zahllosen engen Schleifen. Der Himmel über den Köpfen der Schlachter hängt buchstäblich voller toter Hühner.

          Der Wettbewerb ist gnadenlos

          Der Lärm, der Nebel im Abkühlbereich, die Parade der nackten Broiler - eine Werksbesichtigung in Storkow ist nichts für empfindsame Seelen. Aber irgendwo müssen die leckeren Hähnchen ja herkommen. Immerhin ist der Betrieb in Storkow eine der modernsten Hühnerschlachtereien Deutschlands. Hervorgegangen ist er aus dem "Kombinat für industrielle Mast", das zu DDR-Zeiten die beliebten Goldbroiler lieferte. Über zehn Millionen Euro investiert der niederländische Mutterkonzern Plukon Royale gerade in den Ausbau der Anlage.

          Bild: F.A.Z.

          160 Mitarbeiter sollen dort bald täglich 90.000 Hähnchen verarbeiten. Zerlegt in Flügel, Brust und Keule gehen sie an Supermärkte in ganz Deutschland. Der Wettbewerb ist gnadenlos, und er wird immer härter. "Mitte der Neunziger zahlte man noch fast zwanzig Mark für ein Kilo Hühnerbrust, heute sind es gerade mal fünf, sechs Euro", sagt Vertriebsleiterin Ulrike Rücker. Da komme es dann auf jedes Gramm mehr oder weniger an, etwa beim Schneiden der Filetstücke aus der Brustkappe, das Arbeiter einer externen Spezialfirma in Akkordarbeit von Hand besorgen.

          Derzeit herrscht außerplanmäßige Flaute

          Nicht nur die Schlachtung ist bei der Hühnerproduktion auf höchste Effizienz getrimmt. Knallhart kalkuliert wird entlang der gesamten Produktionskette. Wo genau die beginnt, ist schwer zu sagen. Die Storkower Schlachthühner jedenfalls schlüpfen zu Beginn ihres kurzen Lebens in niederländischen Großbrütereien aus Eiern, die aus deutschen Vermehrungsbetrieben kommen. Deren Elterntiere wiederum stammen von einem der global operierenden Hybridproduzenten (siehe "Geschäftsgeheimnis Hybridhuhn"). Die Küken werden anschließend an 18 Mästereien in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern geliefert, die exklusiv für Frikifrisch arbeiten. "Die müssen sich an unsere strengen Qualitätsvorgaben halten, profitieren dafür aber von langfristigen Lieferverträgen", sagt Rücker.

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