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Familienplanung : Der Kinderschreck

  • -Aktualisiert am

Immer weniger Nachwuchs in Deutschland Bild: dpa

Das Land vergreist, der Nachwuchs fehlt. Aber wer ist schuld daran? Von zögerlichen Männern ist in der Debatte um Kinder-Mangel selten die Rede.

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          Sabine Christiansen, Maybritt Illner, Sandra Maischberger. Angela Merkel, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Edelgard Bulmahn, Annette Schavan, Heide Simonis - was haben diese Frauen gemeinsam? Genau: Sie sind erfolgreiche Moderatorinnen, Parteifunktionäre und Ministerinnen. Und sie alle haben keine leiblichen Kinder. Das muß nicht unbedingt in einem Zusammenhang stehen. Aber machen wir die Gegenprobe: Fallen uns auf Anhieb ebenso viele bekannte Frauen ein, die auch Mutter sind? Seit einigen Tagen wird, angestoßen durch eine in den Medien frei ausgelegte Bemerkung des SPD-Europa-Kandidaten Vural Öger, die Kinderlosen-Debatte wieder vorangetrieben und beschleunigt durch das Wort von den "gebärfaulen Frauen".

          Es gibt keinen idealen Zeitpunkt

          Längst ist die Reproduktionsrate in Deutschland eine Zahl, die in Diskussionen mit allen Anzeichen des Entsetzens angeführt wird: Sie liegt bei 1,3. Das bedeutet, daß 100 deutsche Frauen "im gebärfähigen Alter" 130 Kinder bekommen. Weniger als in Dänemark (1,7), weniger als in Frankreich (1,9). Besonders beunruhigt die Demographen, daß 42 Prozent der Akademikerinnen zwischen 35 und 40 keine Kinder haben. In nur sechs Jahren wird diese Zahl bei 50Prozent liegen. Völlig untypisch, wie eine Studie der OECD belegt: In anderen europäischen Ländern entscheiden sich gerade gut ausgebildete Frauen für ein drittes Kind. In Frankreich, einem Land, in dem Kinderlose die Ausnahme darstellen, wird ein Trend zur Großfamilie beobachtet.

          Warum nicht bei uns? Aus Egoismus? Sind Frauen, einer Geheimabsprache folgend, in den Gebärstreik getreten? Zunächst hilfreich ist vielleicht der Hinweis, daß die Demographie-Debatte allein noch keine Abhilfe schafft. Schließlich bekommt niemand Kinder, nur um das Rentensystem zu retten. Immer noch ist das "faktische Fertilitätsverhalten" zu allem Unheil von einer Fiktion beherrscht, nämlich der vom "idealen Zeitpunkt". Es gibt ihn aber nicht. "Ein Kinderwunsch ist immer ambivalent", sagt eine erfahrene Therapeutin. Weil eben auch immer viel dagegen spricht, zu einem bestimmten Zeitpunkt schwanger zu werden. Weil eine entscheidende Hürde im Job ansteht. Weil die Partnerschaft noch nicht erprobt ist. Weil man umgezogen ist, eine befristete Stelle ergattert oder sich zu einer Fortbildung durchgerungen hat. Dann braucht Frau nicht nur eigenen Mut oder Entschlußkraft. Dann braucht sie Menschen ringsum, die ihr sagen: Das packen wir schon.

          Männer machen sich weniger Gedanken über die Kinderfrage

          Die Gießener Familienforscherin Uta Meier schreibt in ihrer Untersuchung über die Gründe von Kinderlosigkeit: "Was bei Männern schon immer akzeptiert wurde, nämlich eine Verbindung von Familien- und Berufsleben, trifft bei Frauen nach wie vor auf ideologische und handfeste materielle Barrieren." Männer machen sich in der Regel um die Kinderfrage nicht halb so viele Gedanken wie Frauen und begründen ihre Vorbehalte auch rundheraus mit eigenen Interessen. Genannt werden im wesentlichen "Scheu vor der finanziellen Verantwortung", Angst vor der Unruhe, die ein Leben mit Kind bedeutet, sowie die Sorge davor, "daß meine Partnerin von mir verlangen könnte, die Hälfte des Alltagskrams zu übernehmen". Diese Einstellung zementiert die innerfamiliäre Arbeitsteilung - laut Zeitbudgeterhebungen werden immer noch circa 80Prozent der Haus- und Fürsorgearbeit in Partnerschaften mit Kindern von den Müttern geleistet. Bekanntlich haben Väter selten Skrupel, von ihnen gezeugte Kinder zurückzulassen und sich einer neuen Beziehung zuzuwenden.

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