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Wie erkläre ich es meinem Kind? : Wozu eine Fußballmannschaft einen Kapitän braucht

An der Armbinde sollt ihr ihn erkennen: Philipp Lahm als Spielführer der Nationalmannschaft im September 2012 Bild: dpa

Philipp Lahm ist gegangen, Bastian Schweinsteiger neuer Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft. Ein Umstand, der Eltern durchaus in Erklärungsnot bringen kann: Was ist das eigentlich für eine Aufgabe?

          Warum Philipp Lahm am Mittwoch nach dem Spiel gegen Argentinien aus der Nationalmannschaft verabschiedet wurde, ist Kindern schwer zu erklären. Ihr Einwand: Der sei doch noch gut genug gewesen. Auch dass nun Bastian Schweinsteiger die Aufgabe des Kapitäns übernimmt, bringt uns in Erklärungsnot. Nicht weil die Wahl auf ihn gefallen ist, sondern wegen der Funktion. Der soll nun als Kapitän die Mannschaft führen? Diese Antwort fordert sofort die nächsten Gegenfragen heraus: Wozu braucht man einen Kapitän, wenn man einen Trainer hat? Nur wegen der Seitenwahl am Anfang? Ist das so etwas wie ein Klassensprecher?

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Antwort auf die letzte Frage ist natürlich ein eindeutiges Jein. Der Unterschied fängt ja schon damit, dass ein Klassensprecher nicht vom Lehrer ausgesucht wird, sondern von den Mitschülern gewählt wird. Was in der Grundschule den ersten Schritt zum Demokratieverständnis darstellt, spielt im Profisport allerdings kaum eine Rolle. In den meisten Fällen sucht der Trainer den Kapitän aus. Und ja, das ist gemein.

          Es hat aber durchaus Gründe: Im Idealfall harmonieren Trainer und Kapitän so besser. Zudem weiß der Trainer vermutlich als Einziger, auf wenn er besonders setzt, wer eine außergewöhnliche Rolle in seinen Planungen spielt. Ein Kapitän, der auf der Ersatzbank sitzt, wäre schließlich keine große Hilfe. Allerdings wäre er dann auch nicht Kapitän – es muss nämlich immer einer auf dem Spielfeld sein, der durch eine Binde am Arm als solcher gekennzeichnet ist. Die Anweisungen des Trainers an die Mitspieler weitergeben, das könnte nämlich natürlich auch jeder andere. Der Kapitän aber ist der erste Ansprechpartner für den Schiedsrichter auf dem Platz, nicht etwa der Trainer. Zu dem läuft er ja meistens nur, wenn er ihn entweder ermahnen will oder gleich auf die Tribüne schickt. Und damit der Schiedsrichter mit dem Kapitän reden kann und der Kapitän mit seinen Kollegen, nehmen die Trainer so ungern einen Torhüter. Der steht ja, außer Manuel Neuer, meistens in seinem Tor, weit weg von allen anderen.

          In Amateurvereinen hat der Kapitän natürlich noch viele andere Aufgaben, und je kleiner der Verein wird, desto größer wird dieses Gebiet. Dann muss der Kapitän ein großes Organisationstalent sein, weil er sich manchmal um alles kümmern muss, was die Mannschaft betrifft. Im Profisport machen das die Betreuer und Manager, dafür hat der Kapitän andere Sachen zu erledigen – er muss die Mannschaft in der Öffentlichkeit repräsentieren, und er kann auch nicht, wie mancher Mitspieler, sich nach dem Spiel die dicken Kopfhörer auf die Ohren setzen und einfach im Bus verschwinden. Manchmal muss er sogar dem Trainer sagen, dass etwas in der Aufstellung und Taktik geändert werden muss. Ob er deshalb besonders mutig sein muss? Vielleicht nicht mutig, aber er sollte eine Persönlichkeit sein. Was das wieder ist? Eine ganz andere Frage.

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