https://www.faz.net/-gum-6uw84

Wenn die Großeltern die Enkel erziehen : Oma, Opa, Kind

Oma ist die Beste - wenn Mama nicht da ist. Das war in früheren Zeiten nicht anders als heute bei Familie Tigger. Bild: Schneider, Holde

Wenn Mama arbeiten will, muss Oma wieder ran: Ohne die Hilfe der Großeltern bekämen viele Paare Kinder und Job nicht unter einen Hut. Ist das gut für die Kinder?

          Oskar Roehler fühlte sich abgeschoben. „Meine Mutter hat mich verlassen.“ Er hat ihr das übelgenommen, so sehr, dass er sein Leben lang in Selbstmitleid baden könnte, wenn er mit dem Regie führen und nun auch Bücher schreiben nicht viel zu beschäftigt wäre: „Diese Verachtung meiner Person!“ Die Großeltern haben ihn aufgenommen und zu einem ganz altmodischen Menschen gemacht - sie hatten eine Gartenzwergfabrik im Fränkischen und lebten ihm seltsame Dinge vor. „Ich habe eine merkwürdig skurrile Sparsamkeit entwickelt, ich werfe kein Brot weg. Ich habe bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr eine Verbeugung gemacht bei Frauen, und ich habe bis heute Umgangsformen, die mir zu schaffen machen. Im Hotel grüße ich jeden, und dann werde ich manchmal nicht zurückgegrüßt, das ist scheiße.“

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn Großeltern ihre Enkel erziehen, läuft einiges anders, als wenn die Eltern das tun. Deswegen gab es früher in vielen Familien Vorbehalte dagegen. „Die Erziehungsleistung von Großeltern wurde jahrhundertelang latent negativ bewertet. Es hieß ganz pauschal, sie seien körperlich und geistig im Abbau. In vielen pädagogischen Ratgebern heißt es noch bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein, man solle die Kinder eher nicht von den Großeltern erziehen lassen. Das sei gefährlich, weil die nicht schnell genug hinterherkämen“, so Erhard Chvojka, Sozial- und Kulturhistoriker und Autor des Buches „Geschichte der Großelternrollen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert“.

          Ein mehr als kuscheliges Verhältnis

          Momentan sieht das Verhältnis zwischen den Generationen allerdings mehr als kuschelig aus. Ohne den Einsatz von Oma und Opa geht in vielen jungen Familien mit Kindern gar nicht mehr viel. Barack Obama wuchs bei seinen Großeltern auf. Ebenso Eric Clapton, Pierce Brosnan, Jean-Paul Sartre, Loriot und der Telekom-Vorstand René Obermann. Meist war die Scheidung der Eltern oder der Tod der Mutter der Grund dafür. In jüngerer Zeit führt aber auch der Wunsch vieler Mütter, berufstätig zu sein, zu einer mehr oder weniger umfassenden Betreuung der Enkel durch die Großeltern.

          „Ich hätte sonst nicht arbeiten gehen können“, sagt zum Beispiel Elisa Tigger, 38, aus Havixbeck-Hohenholte, einem kleinen Dorf in der Nähe von Münster. „Das wäre mit der Tagesbetreuung, die es hier im Ort für unter Dreijährige gibt, ökonomisch nicht sinnvoll gewesen. Und mein Arbeitgeber hätte mir keine Stelle mit weniger Stunden angeboten.“ Nur weil ihre Schwiegereltern ein- bis zweimal in der Woche nachmittags auf Jakob, 6, und Ruben, 3, aufpassen, kann sie zwanzig bis dreißig Stunden in der Woche als Sozialpädagogin im Jugendamt arbeiten. Und das schon, seit ihr Jüngster acht Monate alt ist.

          Weitere Themen

          Indien muss Talsperre öffnen Video-Seite öffnen

          Regenmassen : Indien muss Talsperre öffnen

          Nach heftigen Regenfällen mussten die Behörden im Norden Indiens die Talsperre an einem Staudamm öffnen. Im nördlichen Bundesstaat Himachal Pradesh wurden die höchsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 70 Jahren registriert. Der Monsun hat in diesem Jahr schon mehr als 1000 Todesopfer gefordert.

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.