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Wenn die Großeltern die Enkel erziehen : Oma, Opa, Kind

Oma ist die Beste - wenn Mama nicht da ist. Das war in früheren Zeiten nicht anders als heute bei Familie Tigger. Bild: Schneider, Holde

Wenn Mama arbeiten will, muss Oma wieder ran: Ohne die Hilfe der Großeltern bekämen viele Paare Kinder und Job nicht unter einen Hut. Ist das gut für die Kinder?

          11 Min.

          Oskar Roehler fühlte sich abgeschoben. „Meine Mutter hat mich verlassen.“ Er hat ihr das übelgenommen, so sehr, dass er sein Leben lang in Selbstmitleid baden könnte, wenn er mit dem Regie führen und nun auch Bücher schreiben nicht viel zu beschäftigt wäre: „Diese Verachtung meiner Person!“ Die Großeltern haben ihn aufgenommen und zu einem ganz altmodischen Menschen gemacht - sie hatten eine Gartenzwergfabrik im Fränkischen und lebten ihm seltsame Dinge vor. „Ich habe eine merkwürdig skurrile Sparsamkeit entwickelt, ich werfe kein Brot weg. Ich habe bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr eine Verbeugung gemacht bei Frauen, und ich habe bis heute Umgangsformen, die mir zu schaffen machen. Im Hotel grüße ich jeden, und dann werde ich manchmal nicht zurückgegrüßt, das ist scheiße.“

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn Großeltern ihre Enkel erziehen, läuft einiges anders, als wenn die Eltern das tun. Deswegen gab es früher in vielen Familien Vorbehalte dagegen. „Die Erziehungsleistung von Großeltern wurde jahrhundertelang latent negativ bewertet. Es hieß ganz pauschal, sie seien körperlich und geistig im Abbau. In vielen pädagogischen Ratgebern heißt es noch bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein, man solle die Kinder eher nicht von den Großeltern erziehen lassen. Das sei gefährlich, weil die nicht schnell genug hinterherkämen“, so Erhard Chvojka, Sozial- und Kulturhistoriker und Autor des Buches „Geschichte der Großelternrollen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert“.

          Ein mehr als kuscheliges Verhältnis

          Momentan sieht das Verhältnis zwischen den Generationen allerdings mehr als kuschelig aus. Ohne den Einsatz von Oma und Opa geht in vielen jungen Familien mit Kindern gar nicht mehr viel. Barack Obama wuchs bei seinen Großeltern auf. Ebenso Eric Clapton, Pierce Brosnan, Jean-Paul Sartre, Loriot und der Telekom-Vorstand René Obermann. Meist war die Scheidung der Eltern oder der Tod der Mutter der Grund dafür. In jüngerer Zeit führt aber auch der Wunsch vieler Mütter, berufstätig zu sein, zu einer mehr oder weniger umfassenden Betreuung der Enkel durch die Großeltern.

          „Ich hätte sonst nicht arbeiten gehen können“, sagt zum Beispiel Elisa Tigger, 38, aus Havixbeck-Hohenholte, einem kleinen Dorf in der Nähe von Münster. „Das wäre mit der Tagesbetreuung, die es hier im Ort für unter Dreijährige gibt, ökonomisch nicht sinnvoll gewesen. Und mein Arbeitgeber hätte mir keine Stelle mit weniger Stunden angeboten.“ Nur weil ihre Schwiegereltern ein- bis zweimal in der Woche nachmittags auf Jakob, 6, und Ruben, 3, aufpassen, kann sie zwanzig bis dreißig Stunden in der Woche als Sozialpädagogin im Jugendamt arbeiten. Und das schon, seit ihr Jüngster acht Monate alt ist.

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