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Wie erkläre ich es meinem Kind? : Warum es Gewitter gibt

Blitze zucken am Himmel über Windräder in Niedersachsen Bild: dpa

Es donnert und kracht, dass man sich am liebsten unter den Tisch flüchten würde. Wie können aus harmlosen Wattewolken bedrohliche Unwetter werden?

          Erst blitzt es, dann rummst es. Wenn Blitz und Rumms weniger als 15 Sekunden aufeinander folgen, dann ist das Donnerwetter keine fünf Kilometer entfernt und man ist besser zu Hause und hat die Fenster zu gemacht. Es ist nämlich schon vorgekommen, dass Blitze durch geöffnete Fenster in Gebäude eingeschlagen sind. Aber die meisten Leute machen bei aufziehendem Gewitter sowieso alles zu, wegen der Windböen und Regengüsse, die zu einem anständigen Gewitter dazugehören.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wind und Regen zeigen, dass Gewitter etwas mit der Lufthülle der Erde zu tun haben. Oft entstehen solche Unwetter im Sommer, wenn feuchte warme Luft am Boden die Möglichkeit bekommt, aufzusteigen. Ist die Wetterlage dann gerade so, dass es in wachsender Höhe schnell kühler wird, kommt es in einer aufsteigenden feucht-warmen Luftblase zu einer Kettenreaktion: Zuerst kühlt sich die Blase ab. Da kühlere Luft weniger Feuchtigkeit speichern kann, also weniger gasförmigen Wasserdampf, wird ein Teil des Dampfes flüssig: es bilden sich Wolken und schließlich Regentröpfchen. Die enthalten aber weniger Energie als der Dampf. Dessen Energie muss aber irgendwo hin, also wird die Luftblase wieder wärmer – wärmer zumindest als die Umgebung. Damit ist sie aber auch leichter, steigt also schneller auf, wodurch noch mehr Dampf zu Regen wird, noch mehr Wärme frei wird – und so weiter.

          Die immer rascher aufsteigenden Luftblase reibt nun an der umgebenden Atmosphäre. Dadurch passiert etwas Ähnliches wie wenn man mit einem Wollpullover an einem Stück Gummi rubbelt: die Hülle der reibenden Luftatome verlieren Elektronen, winzige elektrisch negativ geladene Teilchen. Die fehlen nun der aufsteigenden Luft, während die Umgebung nun zu viele davon hat. Das Resultat: Eine Seite einer Gewitterzelle, meist die obere, lädt sich positiv auf, die andere negativ. Es entsteht eine elektrische Spannung, die tausendmal höher werden kann als die an den Kabeln der Hochspannungsmasten. Irgendwann kann die Luft die Spannung nicht mehr aushalten, es gibt einen Überschlagsfunken – den Blitz. Der Donner ist dann nicht anderes als das Geräusch solch eines Funkenschlags.

          Dies ist nicht die einzige Art und Weise, wie Blitze entstehen. Auch aus den rasch aufsteigenden Gas- und Aschewolken eines ausbrechenden Vulkans kann es heftig blitzen. Und auf anderen Planeten, die eine dichte Gashülle haben, blitzt es ebenfalls. So wurden kürzlich selbst auf der Venus Blitze nachgewiesen. Auf dem Jupiter und dem Saturn, Planeten, die hauptsächlich aus Gas bestehen, blitzt es ständig. Denn die Entladungen müssen nicht immer direkt zum festen Boden überspringen. Im Gegenteil, auch auf der Erde zucken die meisten Blitze zwischen Wolken. Da Blitze sich bei um so niedrigeren Spannungen entladen, je feuchter und dichter die Luft noch ist, sind sie in Wüsten und Gebirgen besonders heftig und gefährlich. Gut, dass da so wenig Leute leben.

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