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Unterhaltspflicht von Spendern : Samen ohne Namen

Höchstens 15 Spenderkinder

Nach dem OLG-Urteil von Februar ist die Zahl der Samenspender zumindest in Erlangen nicht zurückgegangen. Hammel führt das auf sein „Notarmodell“ zurück. Alle Spender wissen von Anfang an, dass die aus ihrem Sperma entstandenen Kinder Hammel später jederzeit nach der Identität ihres genetischen Vaters fragen können. Und falls es die Samenbank irgendwann nicht mehr gibt, sind alle Daten beim Notar hinterlegt: Name des Kindes, Namen und Anschriften der rechtlichen Eltern und des Samenspenders.

Bisher gibt es schon mehr als 600 solcher Blätter, aber bisher hat noch kein Kind Auskunft erbeten. Hammels Samenbank ist die jüngste der zwölf Samenbanken in Deutschland, die ältesten Kinder sind 2003 geboren. Die Spender erfahren, wie viele Jungen und Mädchen entstanden sind, aber nicht, wo diese leben; jeder Spender darf höchstens 15 Spenderkinder haben. Auf Wunsch der Kinder wird Hammel später auch deren Erzeuger anschreiben und, wenn der Mann das ebenfalls will, Treffen in seiner Praxis arrangieren.

Bleibt noch das Projekt Schmuddelecke. Hammel wirbt im Kino und mit Studentenaktionen und betont, Samenspende sei wie Organspende: jemandem helfen mit etwas, was ihm fehlt. Im „Gewinnungsraum“ in Erlangen liegen drei „Playboy“-Hefte, über einem Waschbecken hängt ein großer Spiegel. Mehr als tausend Männer haben dort schon eine Probespende abgegeben; man bewirbt sich online. Um die 80 Spender kommen regelmäßig.

Ein halbes Jahr Quarantäne

Als Erstens kriegt der Mann einen Plastikbecher, die Labormitarbeiterinnen fordern ihn auf, abzuschließen und sich vorher und hinterher die Hände zu waschen. Der Raum wird nach jeder Benutzung desinfiziert. Auf den Becher kommt eine Nummer, und die Mitarbeiterinnen erfragen die Karenzzeit. „Also die Zeit seit dem letzten Samenerguss in Tagen.“ Anschließend prüfen die Frauen, ob die Flüssigkeit ein „gutes Volumen“ hat - zwei bis fünf Milliliter müssen es sein. Unter dem Mikroskop sehen sie, ob sich die Spermien gut bewegen und ob die Dichte stimmt.  Der WHO-Richtwert liegt bei 15 Millionen Spermien pro Milliliter, aber in Erlangen ist man strenger: 60 Millionen müssen es sein, schließlich wird das Sperma eingefroren.

Ist alles, wie es sein soll, träufelt eine Mitarbeiterin ein Frostschutzmittel in die Flüssigkeit, damit die Spermien beim Einfrieren nicht zerplatzen.  Danach füllt sie das Ejakulat in durchsichtige Röhrchen, Straws heißen sie, Strohhalme. Die Straws kommen in die Schweißmaschine, werden oben und unten dicht gemacht. Dann klebt die Laborantin einen Aufkleber darauf: „Donor“ plus eine fünfstellige Nummer, „Humansperma“. Die Flüssigkeit reicht für zehn bis 15 Röhrchen. Im Kryolagerraum steckt die Frau die Straws senkrecht in Lagertanks, die aussehen wie hüfthohe Amphoren aus Stahl. Die Maschine kühlt das frische Sperma auf minus 196 Grad Celsius herunter.

Das dauert ungefähr eine Stunde. In dem kleinen Raum stehen sieben Tanks. Das ist die ganze Samenbank. Wegen HIV- und Hepatitis-Tests müssen alle Proben erst einmal ein halbes Jahr in Quarantäne, 1.900 sind derzeit freigegeben.  Das Sperma geht nur an Arztpraxen, es sei denn, es wird ohnehin direkt von Hammel und seinen Kollegen im Kinderwunschzentrum gebraucht. „Die Probe für zu Hause gibt es nur aus dem Ausland“, sagt eine Mitarbeiterin. Auf den bauchigen Versandbehältern steht: „Achtung. Nicht öffnen. Nicht erwärmen. Menschliche Zellen. Gewebe!“ Schmuddelig ist hier nichts. Die Labormitarbeiterinnen erzählen abends in der Kneipe trotzdem nicht immer so genau, wo sie arbeiten. Sie sagen dann einfach: in einem Kinderwunschzentrum.

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