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Unterhaltspflicht von Spendern : Samen ohne Namen

Unkalkulierbares Risiko für den Spender

Und die Bundestagsabgeordneten, die unmittelbar nach dem Urteil politische Schritte gefordert hatten, sprechen jetzt vom Sondieren und Recherchieren und sagen: In dieser Legislaturperiode wird das nichts mehr. Stephan Thomae von der FDP beschreibt ein „ungutes Gefühl, dass ein Samenspender, der etwas über 100 Euro für die Spende bekommt, in Anbetracht möglicher Unterhaltsforderungen ein unkalkulierbares Risiko läuft“. Zugleich will er ungewollt Kinderlosen den Kinderwunsch nicht schmälern und die Samenbanken erhalten. Aber das alles dürfe auf keinen Fall zu Lasten von Kindern gehen.

Wie weit das Problem reichen kann, darauf weist Jörn Wunderlich von der Linkspartei hin: „Wenn zum Beispiel die Eltern des Samenspenders erfahren, dass ihr kinderlos geglaubter Sohn doch ein Kind hat, und sich freuen: endlich! Unser Enkelkind! - Was machen wir dann mit dem Umgangsrecht der engen Angehörigen?“ Wunderlich ist aber der Meinung, dass im Umgangsrecht nichts geändert werden muss. Der Unterhalt müsse auch deshalb klar geregelt werden, weil Samenspender ebenfalls finanzielle Unterstützung von Spenderkindern fordern könnten.

Auch die Grünen wollen prüfen, ob die Gesetzeslage ausreicht, insbesondere, inwieweit mögliche Unterhaltspflichten von Samenspendern rechtlich begrenzt werden können. Die Fraktion hat zwei Gutachten beim Wissenschaftlichen Dienst in Auftrag gegeben und will Mitte Juni weiter über das Thema diskutieren. Entscheidend sei das Kindeswohl, sagt die Abgeordnete Ingrid Hönlinger, die auch im Rechtsausschuss ist. „Auf der anderen Seite haben Paare ein berechtigtes Interesse daran, dass Samenspenden weiterhin möglich sind.“

Analog zum Adoptionsrecht

Reproduktionsmediziner Hammel hat schon eine Idee. Er schlägt vor, das Verhältnis zwischen Spenderkindern und Samenspendern analog zum Adoptionsrecht zu regeln. Das Verwandtschaftsverhältnis zur Herkunftsfamilie mit allen Rechten und Pflichten erlischt mit einer Adoption, so dass Adoptivkinder von ihren leiblichen Eltern keinen Unterhalt fordern können.

Die Grünen-Politikerin Hönlinger weist außerdem darauf hin, dass im Kontext der Samenspende die Frage nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz eine Rolle spielt. Lebt ein Paar in einer Ehe, ist Vater des Kindes der Mann, der bei Geburt des Kindes mit der Mutter des Kindes verheiratet ist. „Bei einer Lebenspartnerschaft von zwei Frauen stellt sich die Frage: Ist die Lebenspartnerin der Mutter eines mit Samenspende gezeugten Kindes automatisch auch die Mutter?“

In Erlangen erhalten seit vergangenem Jahr auch verpartnerte Frauen Spendersamen. „Die Nachfrage steigt stetig, obwohl wir es nicht groß publik gemacht haben“, sagt Hammel. Der Arzt dringt darauf, dass das Kind dann über eine Stiefkindadoption rechtlich abgesichert wird. Das Risiko für den Spender bleibt höher: Wenn die Frauen sich etwa während der Schwangerschaft trennen, ist das Ungeborene noch nicht adoptiert. Und verpflichten kann Hammel ein Paar ohnehin zu nichts. Manche Spender sind nicht bereit, auch für lesbische Paare zu spenden. Der Mediziner sagt: „Eventuell können wir wegen der großen Nachfrage in absehbarer Zeit nicht mehr alle Behandlungen machen.“

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