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Trennungsväter : Weil die Mutter es nicht will

Parental Alienation Syndrome

Vermutlich leidet Hanna unter dem Parental Alienation Syndrome (PAS), zu Deutsch „elterliches Entfremdungssyndrom“: Ein Kind, das seinen Vater nicht mehr sehen darf, will seine Mutter nicht auch noch verlieren. Daher wird es alles tun, was die Mutter will. Wenn sie schlecht über den Vater redet, gerät es in einen Loyalitätskonflikt, weil es den Vater ebenso liebt wie die Mutter. Wenn die Mutter aber jahrelang immerzu schlecht über den Vater redet und gleichzeitig weitestgehend den Kontakt des Kindes zu ihm unterbindet, gleicht dies einer Gehirnwäsche, der sich das Kind nicht entziehen kann, weil es von ihr abhängig ist.

Es wird sich dann davor schützen, diesen von der Mutter stark abgelehnten Mann immerzu vermissen zu müssen, und selbst glauben, dass sein Erzeuger ein ganz mieser Kerl ist. Fachleute schätzen, dass 90 Prozent der Kinder, deren Eltern um das Sorge- oder Umgangsrecht streiten, unter dem Syndrom leiden: Sie fühlen sich dem abwesenden Elternteil entfremdet, lehnen ihn grundlos ab, ja, sie betrachten ihn sogar als Feind. Sie wollen ihn nicht mehr sehen, weil das für sie die einzige Möglichkeit ist, der andauernden Missachtung ihrer Bedürfnisse durch die Mutter zu entgehen.

Der Vater müsse sich von dem Kind verabschieden

Im Fall Wolfsperger empfiehlt ein nach dem Scheitern des begleiteten Umgangs vom Gericht eingesetzter Verfahrenspfleger, dass Hanna nun zur Ruhe kommen müsse und der Vater sich von dem Kind verabschieden solle. Wolfsperger, zermürbt und ohne Handlungsalternative, stimmt zu.

Die Spätfolgen für Hanna, die nun ohne ihren Vater groß wird, werden aller Voraussicht nach gravierend sein. Die Soziologin Napp-Peters hat in ihrer Langzeitstudie herausgefunden, dass drei Viertel aller Kinder, die besonders unter dem Verlust des Vaters oder der Mutter litten und keinen engen Kontakt mehr zu beiden Elternteilen hatten, auch als Erwachsene noch große Probleme hatten, ihren Alltag zu bewältigen und längerfristige Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln. Knapp die Hälfte von ihnen hatte Schwierigkeiten mit Alkohol und Drogen, einige hatten schon vor einem Richter gestanden.

Und dann kommt der Tag, an dem Wolfsperger sich von Hanna verabschiedet. Er sitzt ihr im Beisein des Verfahrenspflegers gegenüber. Sie habe eine Brille getragen, die er von ihr nicht kannte, und sei nicht ganz so abweisend wie zuvor bei dem begleiteten Umgang gewesen, erinnert er sich. Am Ende der Begegnung liest er ihr einen Abschiedsbrief vor. Er endet mit den Worten: „Wenn du zu mir kommen willst, werde ich immer für dich da sein. In meinem Herzen bist du meine liebe Tochter und wirst es immer bleiben. Dein Papa Douglas.“

Und dann ist sie weg.

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