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Trennungsväter : Weil die Mutter es nicht will

Der Fehler im System: Niemand tut etwas dagegen

Der Fehler im System: Niemand tut etwas dagegen. Niemand fühlt sich für die Väter zuständig, die von den Müttern ausgebootet werden. Zuständig wären dafür eigentlich die Jugendämter, aber die kümmern sich fast nur um die Mütter: Doppelt so oft wie Väter ohne Sorgerecht erhalten Mütter mit alleinigem Sorgerecht deren Unterstützung, heißt es in einer im Auftrag des Justizministeriums gemachten Studie, für die mehr als 7000 Eltern befragt wurden.

Dass diese ungleiche Unterstützung durch das Jugendamt nichts mit der Verteilung des Sorgerechtes, aber sehr viel mit dem Geschlecht der Sorgeberechtigten zu tun hat, zeigt sich, wenn man einen Blick auf die Hausbesuche wirft, die Jugendamtsmitarbeiter machen: Väter ohne Sorgerecht erhalten in zwei Prozent der Fälle Besuch vom Jugendamt. Mütter ohne Sorgerecht indessen in achtzehn Prozent der Fälle, also neunmal so oft. Das heißt: Mütter werden vom Staat unterstützt, weil sie Mütter sind. Väter werden vom Staat nicht unterstützt, obwohl sie Väter sind. Das Recht der Mütter auf ihre Kinder gilt in Deutschland mehr als das Recht der Väter auf ihre Kinder. Dieses Ergebnis deckt sich mit Wolfspergers Erfahrungen: Niemand habe jemals zu seiner Verflossenen gesagt: „Wie kommen Sie dazu, einfach den Umgang abzubrechen? Der ist gerichtlich festgelegt!“

„Der entsorgte Vater“

Zu der entscheidenden Gerichtsverhandlung kommt es schließlich, anderthalb Jahre nachdem Wolfsperger seine Tochter das letzte Mal gesehen hat. Die Richterin bezeichnet Frau Röll in dem Beschluss als „passiv aggressiv“ und gibt ihr die Hauptschuld daran, dass Hanna weiterhin unter starken Loyalitätskonflikten leidet. Zum Wohle des Kindes müsse der Umgang daher für eineinhalb Jahre ausgesetzt werden. Hanna wolle Wolfsperger zwar sehen, selbst wenn sie etwas anderes behaupte, aber die Mutter sei dagegen, und den sich daraus ergebenden Spannungen sei Hanna nicht gewachsen. Sie behaupte der Mutter zuliebe, sie wolle den Vater nicht sehen. Man wolle das Kind der Mutter nicht absprechen, weil man finde, es sei das kleinere Übel, wenn der Vater außen vor bleibe. Zwar seien Anhaltspunkte für eine Erziehungsunfähigkeit der Mutter gegeben, da sie Hanna keinen spannungsfreien Umgang mit ihrem Vater ermögliche. Da sie aber sonst eine gute Mutter sei, komme es nicht in Frage, ihr das Sorgerecht zu entziehen. Im Übrigen habe der Vater durch sein früher oft aggressives Verhalten einen wesentlichen Anteil daran, dass ihn die Mutter so kategorisch ablehne.

Nach diesem Beschluss beschließt Wolfsperger, einen Film zu dem Thema zu machen: "Der entsorgte Vater" kommt im Juni in die Kinos. Außerdem geht er in Berufung. Im neuen Beschluss des Kammergerichts heißt es, der Vater dürfe Hanna zwar sehen, aber nicht allein, sondern im Rahmen eines sogenannten betreuten Umgangs. Es kommt zu zwei Treffen, in denen Wolfsperger seine Tochter im Beisein einer Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt trifft und bei denen sie ihm Desinteresse und Unwillen zeigt. Der dritte Umgangstermin muss nach einer halben Stunde abgebrochen werden, weil es nicht mehr möglich ist, Hanna von der Abneigung gegen ihn abzubringen. Sie dreht sich weg, schaut ihm nicht in die Augen, beantwortet seine Fragen nicht. „Es war eine ungeheuerliche Erfahrung“, sagt er, „ich habe ihr doch nichts getan, habe sie nicht beleidigt, gar nichts.“

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