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Trennungsväter : Weil die Mutter es nicht will

Im Klartext bedeutet das: Dass ein Vater in einem Sorgerechtsstreit vom Gericht das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommt, ist noch unwahrscheinlicher, als dass das Kind im Heim oder sonst wo landet. „Im Grunde hat man als Mann nur eine Chance, das alleinige Sorgerecht zu bekommen, wenn die Frau sich prostituiert, geistig krank ist oder trinkt“, sagt ein Amtsgerichtspräsident aus Nordrhein-Westfalen hinter vorgehaltener Hand.

Die Treffen boykottiert

Als Hanna vier ist, zieht Wolfsperger der Liebe wegen nach Berlin. 550 Kilometer liegen nun zwischen ihm und seiner Tochter. Mal besucht er sie, mal wird sie mit dem Zug gebracht. Als Hanna knapp sechs ist und wieder einmal ein Treffen auf dem Bahnsteig stattfindet, weint Hanna und will nicht von Frau Rölls Arm herunter. Er habe sie trotzdem mitgenommen, „kaum waren wir ums nächste Hauseck herum, da hat sich Hanna schlagartig verändert. Von Weinen keine Spur mehr. Sie war völlig entspannt. Bloß das Spannungsfeld zuvor, das war für sie nicht auszuhalten“, erinnert er sich.

Nach diesem Treffen habe Eva Röll den nächsten Umgangstermin mit dem Hinweis auf Verhaltensauffälligkeiten Hannas abgesagt und die folgenden Treffen einfach boykottiert. Wolfsperger ist so wütend, dass er den Neuen, der ihm bei einem abermaligen Treffen vor Gericht im Vorbeigehen eine Grimasse geschnitten habe, wieder angreift und einen weiteren Strafbefehl kassiert. Kurz darauf empfiehlt eine zwischenzeitlich eingesetzte unabhängige psychologische Gutachterin, die Eltern müssten ruhiger werden, vorher solle der Vater Hanna nicht mehr sehen. Sie sei massiven Spannungen und Loyalitätskonflikten ausgesetzt, vor allem Wolfsperger sei schuld daran.

Meistens sind es die Mütter, die den Vater vom Kinde wegdrängen

In der nächsten Anhörung vor Gericht, anderthalb Jahre später, erklärt die Gutachterin, dass Wolfsperger seine Tochter jetzt eigentlich wieder sehen sollte. Es wäre gut für sie, und Hanna wolle ihn ebenfalls sehen. Wolfsperger habe in einer Psychotherapie stark an sich gearbeitet und sei bereit, auf Frau Röll und ihren neuen Ehepartner zuzugehen. Die Mutter allerdings lehne Wolfsperger weiterhin ab und vermittle das auch ihrer Tochter. Hannas Aussagen zeigten, dass Frau Röll Wolfsperger vor Hanna schlechtmache und der Mutter an einem Erhalt der Vater-Tochter-Beziehung nicht gelegen sei. Die daraus resultierende Spannung sei Hanna nicht zuzumuten. Daher müsse der Umgang zwischen Hanna und ihrem Vater weiterhin ausgeschlossen bleiben. Sobald Frau Röll allerdings bereit sei, ihre Einstellung zu ändern und einem Treffen zuzustimmen, könne Wolfsperger den Kontakt zu Hanna aufnehmen, denn die „derzeitigen Probleme bei der Umgangsregelung sind der Mutter zuzuschreiben“.

Auch das ist nichts Besonderes. Meistens sind es die Mütter, die den Vater vom Kinde wegdrängen. Und meistens tun sie das aus purem Egoismus: Eine Umfrage des Justizministeriums bei mehr als 500 Rechtsanwälten und Jugendämtern hat ergeben, dass 80 bis 90 Prozent der Mütter, die die gemeinsame Sorge ablehnen, dafür Gründe anführen, die sich nicht am Kindeswohl, sondern an ihrem eigenen Wohl orientieren. Die Verweigerung der gemeinsamen Sorge durch die Mütter sei in weniger als der Hälfte der Fälle oder nur sehr selten plausibel.

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