https://www.faz.net/-gum-11zfg

Trennungsväter : Weil die Mutter es nicht will

Dennoch nimmt Wolfsperger Hanna auf den Arm und geht mit ihr weg. Der Neue sei hinter ihm hergerannt und habe ihn festgehalten. „Ein Jahr lang habe ich mich mit diesem Typen herumgeschlagen, und immer saß ich am kürzeren Hebel. Ich bin eigentlich ein friedfertiger Mensch, aber in dem Moment war es plötzlich zu viel, ich hatte mich nicht mehr im Griff. ,Du Wichser, du blödes Arschloch, du Drecksau!', habe ich gebrüllt und ihm gegen die Beine getreten. Wenn ich labiler gewesen wäre, hätte ich mir vielleicht irgendwann eine Knarre besorgt und ihn umgeblasen“, sagt Wolfsperger.

„Ich war ihr ausgeliefert, ich wurde richtig kleingerieben.“

Eine Woche später hat er eine Strafanzeige wegen Körperverletzung am Hals. Er bekommt eine Geldstrafe, Hanna bekommt er daraufhin fünf Monate lang nicht zu sehen - so will es die Mutter - und danach nur jeden zweiten Samstagnachmittag, so will es das Gericht. Er geht an diesen Nachmittagen mit ihr immer Eis essen, bevor er sie zurückbringt, und hat den Eindruck, dass sich Hanna wirklich wohl mit ihm fühlt. Eines Tages aber erhält er einen Brief von Frau Rölls Anwältin: Er solle Hanna kein Eis mehr geben, sie reagiere darauf „mit Übelkeit, Magenschmerzen und Erbrechen“. Ein ärztliches Attest kann ihm die Mutter allerdings nicht vorlegen. Irgendwann erzählt ihm Hanna beiläufig, dass die Mutter sie gebeten habe: „Bitte iss mit Douglas kein Eis, bei der Oma gibt es heute noch Eis.“

„Ich war ihr ausgeliefert, ich wurde richtig kleingerieben“, erinnert sich Wolfsperger. „Es gab ein Machtgefälle zwischen uns, sie konnte es mir richtig reindrücken.“ Seine Expartnerin habe die Umgangstermine abgesagt, wie es ihr gerade gepasst habe, zum Beispiel weil sie einen Termin in der Autowerkstatt hatte oder wegen eines „Planstaus“. Oder „im Interesse des Kindes“. Bis er dann den Anwalt bemüht hatte, bis es wieder einen Gerichtstermin gab - es dauerte Monate. „Und so ging es jahrelang“, sagt er, „der Umgang wurde reduziert, dann wieder aufgebaut, dann wieder abgebrochen, weil sie irgendeinen neuen Vorwand fanden.

Das alleinige Sorgerecht für einen Vater, ist unwahrscheinlicher, als dass ein Kind im Heim landet

Ein klassischer Fall: In einer Langzeitstudie hat die Soziologin Anneke Napp-Peters herausgefunden, dass ein Drittel der Väter, die kein Sorgerecht für ihre Kinder haben, diese nach der Trennung deutlich seltener sieht als vom Gericht festgelegt. Ein weiteres Drittel der Väter sieht seine Kinder überhaupt nicht. Jeder dritte dieser Väter, die ihre Kinder überhaupt nicht sehen, habe sein Kind schon seit mehr als zwei Jahren nicht gesehen, so Napp-Peters. Die Gerichte tun ein Übriges, um Väter außen vor zu halten: In jedem zweiten strittigen Fall, der vor Gericht landet, bekommen dem Statistischen Bundesamt zufolge Frauen das alleinige Sorgerecht zugesprochen - die Väter hingegen nur in jedem siebten bis achten Fall. In jedem sechsten Fall wird das Sorgerecht auf beide Eltern verteilt. Und in jedem fünften strittigen Fall bekommen es weder Vater noch Mutter.

Weitere Themen

Kamera filmt Zugunglück Video-Seite öffnen

Indien : Kamera filmt Zugunglück

Bei dem Unfall wurden zahlreiche Menschen verletzt. Ein Lokführer konnte erst nach acht Stunden aus einem der Züge befreit und ins Krankenhaus gebracht werden, teilte die die Bahngesellschaft South Central mit.

Topmeldungen

Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.