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Tochter im englischen Internat : Hanna und die Truro-Girls

Dann kommt er doch noch, der Tag der Tränen

Die restlichen sieben Wochen bis zum Ende des Terms vergehen wie im Flug. Und kurz vor Schluss, als niemand mehr damit rechnet, kommt er doch noch: der Tag der Tränen. Anfang Dezember wird Hanna krank. Schnupfen, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. Nicht weltbewegend, aber genug, um das Kind für ein paar Stunden aus der Bahn zu werfen. Der Grund ist allerdings weniger ihr gesundheitlicher Zustand als vielmehr: Nurse Heidi. Die Schulkrankenschwester habe ich beim Schulrundgang kennengelernt. Von beeindruckender Statur, leicht matronenhaft, aber sehr freundlich hat sie mir damals ihr Reich gezeigt: ein kleines Behandlungszimmer, einen Medikamentenschrank, ein weiteres Zimmer mit zwei Betten. Und sie hat glaubhaft von ihrem reichhaltigen Schatz an medizinischer Erfahrung und ihrem großen Einfühlungsvermögen gesprochen.

Aber genau daran zweifelt Hanna an diesem Morgen - und ruft unter Tränen bei mir im Büro an. Zusammen mit einem anderen Mädchen liegt sie in Nurse Heidis „sickbay“ im Bett und wird „mit Medikamenten vollgepumpt“. Mit hysterischer Stimme schimpft sie auf die „unfähige und bösartige“ Krankenschwester, „die uns hier festhält“, auf die ganze Schule und überhaupt auf England und die Engländer. „Papa, ich will nach Hause!“ Ich rede beruhigend auf das Kind ein - und lese nebenbei die Mail von Nurse Heidi: „Dear Mr. Badenhop, Hanna has a cold and is not feeling well. She has had some paracetamol and some cough medicine and is staying in bed.“ Wie bösartig!

Ich belasse es dem Kind gegenüber mit aufmunternden Worten - und am Abend hat sich die Lage schon merklich entspannt. Hanna liegt wieder auf ihrem Zimmer und hat von ihrer Freundin Kelly einen Tee bekommen, „den in Hongkong alle trinken“ und der offensichtlich Wunder wirkt. Am nächsten Morgen ist jedenfalls keine Rede mehr von Nurse Heidi und ihrer Bösartigkeit. Im Gegenteil, das Kind beklagt sich, dass die Zeit so schnell vergeht und es schon bald wieder nach Hause kommen muss.

Die Tür steht offen

Das ist jetzt gut sechs Wochen her. Seit zehn Tagen ist Hanna wieder in Wiesbaden. Mit drei anderen deutschen Mädchen ist sie am letzten Schultag mit dem Zug nach London gefahren und am Abend nach Frankfurt geflogen. Im Boarding-House hat es viele Tränen gegeben, alle haben sie geweint, die Hongkong-Girls, die Spanierin, die Engländerinnen. Und auch nach ihrer Ankunft muss meine Tochter ein paarmal mit den Tränen kämpfen.

„Also, eins kann ich euch sagen: Ich studiere auf jeden Fall in England“, sagt sie schon am ersten Abend ein paarmal. Wie es aussieht, haben meine Frau und ich genau das erreicht, was wir mit dem teuren Abenteuer erreichen wollten: Unsere Tochter hat zum ersten Mal über den Tellerrand geguckt - und dabei gemerkt, wie klein der Teller ist, der ihr bisher die Welt bedeutete. Oder wie ein Freund es formuliert hat: „Ihr habt ihr das Fenster aufgemacht - und jetzt will sie natürlich auch durch die Tür gehen.“

Stimmt wohl, aber damit hat es noch ein bisschen Zeit. Zunächst ist bei uns wieder der Vor-Truro-Alltag eingekehrt: Hannas Zimmer sieht aus wie ein Schlachtfeld, ihr Umgangston - insbesondere ihrem Bruder gegenüber - changiert zwischen ruppig und herablassend, ihr Handy glüht im Dauerbetrieb, die Abende sind erfüllt mit Diskussionen über die angemessene Schlafenszeit. Und auch das Badezimmer ist jetzt wieder ständig abgeschlossen. Welcome home, darling!

Internatsberatungen helfen bei der Auswahl der richtigen Schule

Die Euro-Internatsberatung in München ist nur eine von einer ganzen Reihe von Firmen, die sich auf die Vermittlung von Privatschulen, Internaten, Schulaufenthalten und Sprachreisen spezialisiert haben und zudem auch Studien- und Karriereberatung anbieten. Ähnliche Angebote machen die gemeinnützige Gesellschaft Carl Duisberg Centren mit Hauptsitz in Köln, die Riedenauer Education in München, die Beratung Töchter und Söhne in Wiesbaden, EF Deutschland in Düsseldorf, und die Firma die-internate.de in Frankfurt. Auf Schulen in Großbritannien spezialisiert sind die Better School Internatsberatung in Stuttgart und die Internatsberatung Sarah Jochums in Bielefeld. Viele der genannten Anbieter veranstalten Informationstage und kleine Beratungsmessen in verschiedenen deutschen Städten; die meisten dieser unverbindlichen Veranstaltungen finden im Januar und Februar statt. Die Preise für die Beratung sind so unterschiedlich wie die Gebühren der Schulen, sie liegen zwischen 200 und 1200 Euro je nach Organisation und Leistung.

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