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Taschengeld-Studie : Mehr Geld fürs Lustige Taschenbuch

  • -Aktualisiert am

Rund 4,3 von sechs Millionen Kindern in Deutschland lesen demnach „regelmäßig“ Kindermagazine. Bild: dapd

Das Taschengeld trotzt in Deutschland der Finanzkrise: Kinder bekommen so viel wie nie zuvor. Sie legen großen Wert auf Marken, kaufen aber auch immer noch Ponyhefte, Plüschtiere und Sammelfiguren.

          Deutschlands Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren erhalten rund zehn Prozent mehr Taschengeld als noch 2011. Es beträgt nun durchschnittlich 27,18 Euro im Monat. Jungen werden derweil weiterhin diskriminiert. Sie erhalten nur 27,01 Euro und damit 35 Cent weniger als Mädchen. All das geht aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten repräsentativen „Kids-Verbraucheranalyse 2012“ des Bremer Marktforschungsinstituts Czaia hervor. Es untersucht seit vielen Jahren neben dieser monetären Frage auch, wofür die Kinder ihr Geld ausgeben, welche Medien sie nutzen und womit sie spielen.

          Die Antwort auf die letzte Frage lautet: nicht nur mit dem iPhone und der Playstation. Es scheint gar so, als würden Eltern ihre eigenen Lässlichkeiten diesbezüglich auf die Kinder projizieren. In nur 29 Prozent der Haushalte, die zum Beispiel eine Spielekonsole ihr eigen nennen, wird diese der Studie zufolge einzig und allein vom Kind genutzt. In 71 Prozent der Haushalte spielen die Eltern selbst mit der Konsole. Die Kinderwünsche hingegen wirken unschuldig wie aus einem Bilderbuch der fünfziger Jahre: Vorne liegen Karten- und Brettspiele, Sammelfiguren, Puzzles und Plüschtiere.

          Viel Geld für Süßwaren

          „Die Kinder sind nach wie vor üppigst ausgestattet“, sagte Ralf Bauer, der Marketingleiter des Kinderhefte-Verlags Egmont Ehapa, der die Studie in Auftrag gegeben hat. Ihr Rekord-Einkommen geben die Kinder auch im laufenden Jahr meist für Süßwaren (63 Prozent) aus, gefolgt von Magazinen, Manga- und Comic-Heften (44 Prozent). Diesen Punkt stellt der Verlag gern heraus. Allerdings sind es dieses Mal sechs Prozent weniger als im Jahr 2011, die ihr Geld für Magazine ausgeben. Im Kinderzimmer stapeln sich aber immer noch die Mickey-Maus-Hefte und die lustigen Taschenbücher.

          Der aktuelle Taschengeld-Durchschnitt liegt bei 27,18 Euro im Monat Bilderstrecke

          Der Studie zufolge lesen Mädchen in ihrer Freizeit häufiger. 31 Prozent der Mädchen gaben an, oft in Zeitschriften, 47 Prozent „häufig“ in Büchern zu lesen, während diese Tätigkeiten in der entsprechenden Jungenstatistik gar nicht aufgeführt wurden. Zumindest „regelmäßig“ aber lesen die meisten Kinder. Zeitschriften erreichen demnach sieben von zehn Kindern. Das ist bemerkenswert, da andererseits die Verkäufe von Jugendzeitschriften wie der „Bravo“ zur Zeit einbrechen.

          Zeitschriften sind beliebt

          Rund 4,3 von sechs Millionen Kindern in Deutschland lesen demnach „regelmäßig“ Kindermagazine. Am weitesten verbreitet seien das „Lustige Taschenbuch“, die Hefte „Micky Maus“ und „Donald Duck“, „Wendy“ und „Die Simpsons“. Unter den zehn am meisten gelesenen Heften ist mit „Geolino“ nur eines, das explizit auf kindliche Bildung setzt. Unter den vier und fünf Jahre alten Kindergartenkindern lesen 59 Prozent regelmäßig Magazine. Sie scheinen eine besondere Affinität zu den Figuren Winnie Puuh, Benjamin Blümchen, Prinzessin Lillifee und Bussi Bär zu haben. Die Studie basiert auf einer Befragung von 1656 Kindern und deren Eltern sowie den Eltern von 376 Kindergartenkindern.

          Warum aber bleiben die Kinder selbst im Zeitalter des Internet so print-affin? Ein Grund dürfte sein, dass Eltern ihren Kindern ungern teure Tablet-Computer oder Smartphones in die Hände geben. Auch seien die meisten Eltern davon überzeugt, Hefte und Bücher seien pädagogisch wertvoller, sagte Ingo Höhn, der Geschäftsführer des Ehapa-Verlags. Zudem erinnern sich Eltern an die Comic-Hefte aus ihrer Jugend und bringen sie den eigenen Kindern vom Kiosk mit; erst neulich wurde das frühere Kinderheft „Yps“ neu aufgelegt – nun aber für die Zielgruppe der hippen Dreißigjährigen. Ein weiterer Grund liegt darin, dass die Interaktivität der „sozialen Medien“ für Kinder nicht so verlockend ist. Sie sind nicht so eitel und mitteilsam wie Jugendliche und Erwachsene.

          Acht von zehn Kindern haben Computerzugang

          Kinder, die Zeitschriften lesen, nutzen auch überdurchschnittlich oft das Internet, lesen mehr Bücher und schauen häufiger Fernsehen als andere. Die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, haben jedenfalls schon die Jüngsten: Acht von zehn Kindern verfügen über einen Computerzugang; erstmals seit langem lag dieser Wert nicht höher als im Vorjahr. Jeder zweite der Unter-Neunjährigen und immerhin schon fast jedes dritte der Kindergartenkinder im Alter von vier bis fünf Jahren hat einen Internetzugang. 74 Prozent der Kinder nutzen das Internet, immer mehr auch „intensiv“, also fast täglich: Das tun nun schon 48 Prozent der Zehn- bis Dreizehnjährigen. Die meisten suchen im Netz angeblich nach Informationen für die Schule – und spielen.

          Den Kindern sind auch Marken zunehmend wichtig. Vor allem gilt das beim Kauf von Sportschuhen, Taschen, Jeans, Schulsachen und Mobiltelefonen. Es scheint so, als wüchsen die Ansprüche der Kinder schneller als das Taschengeld. Unter den zehn bis 13 Jahre alten Kindern beträgt es nun im Durchschnitt 34,30 Euro, bei den Sechs- bis Neunjährigen sind es 18,78 Euro. „Die Eurokrise“, sagte Marketingleiter Ralf Bauer, „ist bei den Kindern nicht angekommen.“

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