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Weniger geschiedene Ehen : Rosen statt Rosenkriege

Nur zwei von drei Paaren, die sich die Ehe versprechen, bleiben tatsächlich zusammen Bild: dpa

Laut Statistischem Bundesamt werden immer weniger Ehen geschieden. Scheiterte vor zehn Jahren noch jede zweite Ehe, ist es mittlerweile nur noch jede dritte. Der Trend ist nicht leicht zu erklären, gewiss ist aber: An der Liebe allein liegt es nicht.

          Das Haus ist verbarrikadiert, überall liegt zerbrochenes Porzellan: Die letzten Szenen aus dem Film „Der Rosenkrieg“ aus dem Jahr 1989 sind ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Sie waren das filmische Denkmal für eine gesellschaftliche Entwicklung, die von 1950 an in allen westlichen Gesellschaften zunahm: die Scheidung.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Das war einmal. Denn im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Scheidungen in Deutschland abermals ab, um 5,2 Prozent. Insgesamt gingen 169.800 Ehen auseinander, etwa 10.000 weniger als im Vorjahr. Damit ist die Scheidungsrate – auch bezogen auf die ebenfalls gesunkene Zahl der Ehen insgesamt – seit genau zehn Jahren rückläufig.

          Im Jahr 2004 war der vorläufige Höhepunkt erreicht: Damals ergab sich für alle Ehen eines Jahrgangs mit einer Dauer von bis zu 25 Jahren eine Scheidungsziffer von 425 je 1000 geschlossenen Ehen; hochgerechnet wurden also fast die Hälfte aller Ehen geschieden. Seitdem aber sind die Menschen, die sich überhaupt noch vor den Altar trauen, jedes Jahr etwas glücklicher. Im vergangenen Jahr betrug die Scheidungsziffer je 1000 geschlossenen Ehen nur noch 357, gut ein Drittel.

          Auch die Durchschnitts-Dauer der Ehen, die Geschiedene hinter sich haben, nimmt zu: Hielten sie vor 20 Jahren im Schnitt elf Jahre und sieben Monate, sind es nun 14 Jahre und acht Monate. Das lässt sich teils mit dem gestiegenen Durchschnittsalter der Eheleute erklären – mit höherem Alter ist wohl die Bereitschaft für einen privaten Neuanfang geringer. „Es muss aber auch an etwas besser verlaufenden Ehen liegen“, sagt Martin Conrad vom Statistischem Bundesamt. „Sonst wäre der Effekt statistisch geringer.“ Warum aber verlaufen die Ehen besser? „Wirtschaftliche Krisenzeiten“, meint Conrad, „sind ein klassischer Faktor für länger haltenden Ehen und weniger Scheidungen.“ An der Liebe allein liegt es jedenfalls nicht.

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