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Soziologie : Welche deutschen Männer heiraten Frauen aus armen Ländern?

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David Glowsky ist Soziologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin und Autor des Buchs „Globale Partnerwahl“ Bild: Privat

Männer mit Frauen aus Thailand oder Russland werden oft beargwöhnt: Viele denken: „Na, der Sonderling hat wohl keine Deutsche abbekommen.“ Wie sind diese Männer wirklich? Ein Soziologe klärt auf.

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          Herr Glowsky, in Ihrem Buch „Globale Partnerwahl“ haben Sie die Ehen von Männern untersucht, die gegen die Regel der Homogamie verstoßen: Sie haben ihren Stammheiratsmarkt verlassen und eine Frau aus dem ärmeren Ausland geheiratet. Was macht diese Männer soziologisch interessant?

          Die nationalen Heiratsmärkte sind sehr geschlossen. Da stellt sich die Frage: Was muss eigentlich so einen deutschen Mann ausmachen, der keine Frau aus Deutschland heiratet? Außerdem fand ich es sehr interessant, dass die graue Literatur, also die pseudowissenschaftliche Literatur der siebziger, achtziger und teilweise noch neunziger Jahre, sehr viel über diese Männer zu wissen glaubt, aber keine gesicherten Ergebnisse hatte.

          Ein deutscher Mann mit einer Frau aus Amerika oder Frankreich gilt als modern und weltoffen. Wer dagegen eine Partnerin aus Thailand oder Russland hat, der wird argwöhnisch betrachtet - als habe er sie sich quasi gekauft, weil er keine Deutsche abbekommen habe.

          Das ist das Bild, das häufig kursiert, nicht nur in der grauen Literatur, sondern auch, wenn man sich mit Menschen aus seinem privaten Umfeld unterhält.

          Ihre Untersuchung stützt sich auf vorliegende Daten, aber auch auf Befragungen von Berliner Ehepaaren, die dem Muster entsprechen. Wie hoch war deren Bereitschaft mitzumachen?

          Es gab zum Teil massive Kritik. Von den meisten wurde es als sehr unangenehm empfunden, darüber befragt zu werden. Einige wenige Männer haben gesagt, sie freuten sich, dass sie mal jemand frage, weil es so viele Vorurteile gebe. 26 Prozent von allen, die von uns angeschrieben wurden, haben geantwortet - was in der Sozialforschung gar kein schlechter Schnitt ist.

          Sie haben sich auf Männer mit Frauen aus Polen, Russland, Thailand und Brasilien konzentriert. Warum diese vier Länder?

          Zum Zeitpunkt der Auswahl war Polen das Land, aus dem die meisten ausländischen Frauen kamen, vor Thailand und Russland: Es ging also um Masse und um Relevanz. Polen rangiert seit vielen Jahren ganz oben und nicht etwa die Türkei, wie es bei den Ehen deutscher Frauen mit Ausländern der Fall ist; die türkischen Männer heiraten auch heraus aus ihrer Gruppe, während die türkischen Frauen dort verbleiben. ANTWORT: Seit den Neunzigern kam dann langsam Thailand auf. Mit Brasilien wollte ich noch eine andere Weltregion abdecken.

          Was treibt nun deutsche Männer auf den ausländischen Heiratsmarkt, was suchen sie dort?

          Ganz viele von diesen Partnerschaften entstehen zufällig: Ich finde es wichtig, das zu sagen. Es ist nicht immer wie in dem Sketch von Gerhard Polt mit seiner Mai Ling aus dem Katalog. Der Student, der in Bangkok studiert und dort die süße Thailänderin kennenlernt: Das passiert einfach. Manche Männer weichen aber bewusst auf diese Heiratsmärkte aus. Wenn sie unattraktiv sind, können sie dort möglicherweise eine Frau finden, weil sie ihre Staatsbürgerschaft als Ressource einsetzen können. Zweitens: Wenn Sie eine schlanke und junge Frau suchen, dann finden Sie die eher auf dem Heiratsmarkt eines ökonomisch schwächeren Landes. In Ländern, die höher entwickelt sind, sind die Menschen fettleibiger und heiraten später. Das liegt zum Beispiel an der Bildung: Wenn Männer und Frauen an die Uni gehen, heiraten sie erst mal nicht. Außerdem gibt es Erklärungen, bei denen Exotik eine Rolle spielt, wenn etwa der Mann sagt, die thailändische Kultur gefalle ihm besser. Diesen Punkt habe ich allerdings nicht untersucht.

          Hat sich das bestätigt: Sind diese Männer tatsächlich weniger attraktiv, zieht es sie stärker zu jungen und schlanken Frauen?

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